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Vom Bausektor und den Luftnummern

Andreas Eicher

Die Freie und Hansestadt Hamburg soll ein neues Wahrzeichen erhalten. Ein Prestigeprojekt, über das die Verantwortlichen schreiben: „Mitten in Hamburg, direkt an der Elbe, entsteht das höchste Gebäude des Nordens. 64 Stockwerke, 245 Meter über dem Meer. Ein neuer Blick auf die Stadt für die Hamburger:Innen, Besucher:Innen und Unternehmen. Mit Weitsicht geplant: der Elbtower.“ Nicht ganz, denn das Megaprojekt ruht, die Kräne stehen still und gebaut wird auf absehbare Zeit nicht.


Von analogen und digitalen Möglichkeiten in Zeiten des Massentourismus

Andreas Eicher

Rund eine Autostunde von Barcelona entfernt, liegt Lloret de Mar an der Costa Brava. Ein Urlaubsort – bekannt für einen über Jahrzehnte gewachsenen Massen- und Partytourismus. Einst ein verschlafenes Fischerdorf, zeugen heute noch die alten Seilwinden zum Transport der Schiffe an der Promenade vom Fischfang bis in die Mitte der 1970er-Jahre. Vom Fischfang lebt heute keiner mehr in der rund 39.000 Einwohner zählenden Stadt, die zur Provinz Girona gehört. Denn mit dem anschwellenden Billigtourismus hat sich der Charakter der Stadt in den letzten Jahrzehnten merklich verändert. Das ganze Zentrum scheint einzig auf Touristen ausgerichtet. Zeugen davon sind die unzähligen Läden, vollgestopft mit Billigprodukten und Kitsch, den Touristenkneipen, Tattoo-Studios und Agenturen für Partyfahrten auf dem Meer. Bis zu einer Million Besucher halten sich pro Hochsaison in Lloret de Mar auf. Und die wollen übernachten, was unschwer an den unzähligen Hotelburgen in und um die Stadt herum zu erkennen…


Mehr Grün für ein besseres Klima

Andreas Eicher

Das Wirtschaftsmagazin Brand eins [1] schrieb vor einiger Zeit: „Städte bedecken nur zwei Prozent der weltweiten Landfläche, sind aber für mehr als 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Zugleich sind sie stark von den Folgen der Erderwärmung betroffen.“ Folgen, für die der Mensch verantwortlich ist, mit einer zunehmenden Versiegelung von Flächen und Bausünden – wenig ressourcenschonend sowie nicht in die Zukunft gedacht, nachhaltig geplant und umgesetzt. Zeit zum Umdenken, auch mithilfe einer verstärkten Gebäudebegrünung. Anders formuliert: mehr Grün für ein besseres Klima.


KI: Das Pferd von hinten aufzäumen

Andreas Eicher

Wenn man die Dringlichkeit von Themen nach den Umfängen von Studien, Reports oder Stellungnahmen bemisst, dann besitzt die künstliche Intelligenz (KI) eine enorme Brisanz. Der Deutsche Ethikrat brachte im März 2023 eine Stellungnahme mit dem Titel heraus: „Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz“. Der Umfang: 287 Seiten. Zusammengefasst geht es darum, dass der „Deutsche Ethikrat untersucht, wie digitale Technologien und insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) auf das menschliche Selbstverständnis und Miteinander zurückwirken.“ Ein Thema, das seit Monaten, wenn nicht Jahren heiß diskutiert wird. Denn KI, also eigentlich Artificial Intelligence (AI) im englischsprachigen, ist in den Medien, in der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Diskussion omnipräsent.


Fünf vor zwölf, seit vielen Jahren

Andreas Eicher

Im Gasometer in Oberhausen ist aktuell eine Ausstellung zu sehen mit dem Namen: „Das zerbrechliche Paradies.“ Thema ist die Schönheit unserer Erde, aber auch die Verletzlichkeit selbiger. Dass die Ausstellung bis Ende November 2023 verlängert wurde, deutet zumindest auf das große Interesse am Thema hin. Ein Rundgang zeigt denn auch die Misere, in die wir Menschen uns selbst hineinmanövriert haben. Dort heißt auf einer Informationstafel zu „Hochsee-Bohrplattformen“: „Der Anblick lässt ambivalente Gefühle in uns aufkommen.“ Gemeint sind einerseits die Ingenieurskunst und anderseits die mögliche Gefahren, „die von den schwimmenden Inseln ausgeht“. Dementsprechend fordern laut Ausstellungsmacher „Umweltschützer seit Langem ein Ende der Förderung fossiler Brennstoffe aus dem Meer (…)“.


Energiekrise und Klimawandel: Soll hinterher keiner sagen, er hätte es nicht gewusst

Andreas Eicher


Die Unwort-Aktion schreibt auf ihren Seiten: „Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprecher:innen entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen vor allem im öffentlichen Kontext verwendet werden (…). Die Reflexion und Kritik des Gebrauchs von Unwörtern zielt dabei auf die Sensibilisierung für diskriminierende, stigmatisierende, euphemisierende, irreführende oder menschenunwürdige Sprachgebräuche und auf die Verantwortlichkeit der Sprecher:innen im Hinblick auf sprachliches Handeln.“ Ein solch gedankenloses und mit einer kritikwürdigen Intention belegter Begriff ist das Unwort des Jahres 2022: „Klimaterroristen“.


„De Zoch kütt“ – nicht

Andreas Eicher

„Fahrgastrekord zu Weihnachten“, titelte der Bahn-Konzern direkt nach den Feiertagen und fügt seiner Meldung hinzu: „Rekordzahl von 3,2 Millionen Reisenden im Fernverkehr“, „Spitzenwert von 2019 deutlich übertroffen“. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Unternehmen ihre vermeintlichen Erfolge schnell nach Außen geben. Ganz nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Was den Fall der Deutschen Bahn betrifft, so sind diese Zahlen indes nur die halbe Wahrheit. Denn die postulierten Rekordzahlen an Fahrgästen rund um Weihnachten 2022 verdecken bestenfalls mehr schlecht als recht die Versäumnisse der Bahn der letzten Jahrzehnte.


Von allem zu viel und doch zu wenig

Andreas Eicher

Mitte Oktober startet die Intergeo 2022 in Essen. Die Fachmesse ist ein wichtiger Gradmesser für die Bereiche Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. Wenn auch im Vergleich zu den „großen“ Digitalisierungsthemen noch immer eine Nische, erfüllt die Geo-IT-Welt doch eine wichtige Funktion in allen Branchen. Von daher dürfte es kaum verwundern, dass die dreitägige Intergeo (18. bis 20. Oktober 2022, Messe Essen) für die Wissenschaft und Wirtschaft ein Stelldichein bedeutet. Im Rahmen dieses branchenweiten „Rendezvous“ können Forschungsergebnisse sowie Soft- und Hardware präsentiert werden, zeigen sich Hochschulen und Unternehmen von ihrer besten Seite.


Bauen, Wohnen und Sanieren

Andreas Eicher
Jüngst las ich auf einem Werbeschild in der Stuttgarter Innenstadt: „Wir bauen Stadt“. Der Slogan – wohl gut gemeint, aber schlecht gemacht – steht symbolisch für eine Branche, deren Ziele nicht immer klar formuliert scheinen. So bewegt sich der Bausektor schwerfällig zwischen Gigantismus und Ressourcenverschwendung sowie schleppenden Prozessen und mangelnder digitaler Zukunftstauglichkeit dahin. Das zeigt sich im eingangs zitierten Satzkonstrukt, der unbeholfen, konstruiert und nicht auf die jeweilige Aufgabe ausgerichtet wirkt. Denn der unvollständige Satz erweckt zumindest den Anschein von Gleichmacherei im Baubereich, eben „Wir bauen Stadt“. Eine Aufgabe, die eigentlich unterschiedlich sein sollte, auf die jeweilige Stadt oder Kommune ausgerichtet. Und doch gibt es auch Schnittmengen in den Herausforderungen. Und die heißen: zu wenig bezahlbarer Wohnraum bei gleichzeitig mangelnder Nachhaltigkeit im Bausektor.

Vom bösen und guten Technologieeinsatz

Andreas Eicher

Mitte Juni wurde es Gewissheit. Wikileaks-Gründer Julian Assange wird nach einem jahrelangen Tauziehen an die USA ausgeliefert. Damit bewahrheitet sich Ex-Präsident Barack Obamas Spruch in seiner negativsten Deutungsmöglichkeit: „Yes we can.“ Dass die USA es können, das zeigt die Causa J. Assange nur zu deutlich. Denn der lange Arm der US-Administration packt vermeintliche Geheimnisverräter überall auf der Welt – auch nach Jahren. Besonders leicht fällt das in traditionell „befreundeten“ Ländern, wie es die „special relationship“ mit Großbritannien zeigt.