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14.04.2022 Fachbeiträge

Wie Standortdaten schnellere Reaktionen auf Covid-19 ermöglichen

Die Nutzung von Standortdaten hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Staatliche Einrichtungen, einschließlich der meisten Kommunalverwaltungen, nutzen in großem Umfang Daten von Geoinformationssystemen (GIS), um Adressen für Notfälle, die Verkehrsplanung, die Erhebung der Grundsteuer und vieles mehr zu erfassen. Darüber hinaus haben Dienstleister im sozialen Bereich jahrelang Standortdaten genutzt, um besser zu verstehen, wo besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen arbeiten und leben und wie man diese besser erreichen kann.

Autor: Tim van Baars

Die Coronakrise hat eine neue Bandbreite an Herausforderungen für den öffentlichen Sektor und Wohltätigkeitsorganisationen, die Menschen in Not unterstützen, hervorgebracht. Durch Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing war es besonders schwer, auf die täglichen Bedürfnisse älterer und eingeschränkt mobiler Mitmenschen einzugehen. Zudem brachten Unterbrechungen in Wirtschaft, normaler sozialer Interaktion und Bildung neue Probleme zum Vorschein, bedingt durch Depression, Suchtmittelmissbrauch, häusliche Gewalt und Suizid.

In der Region Torfaen, Wales, hat die Regionalregierung bereits seit geraumer Zeit Standortdaten-Analysen eingesetzt, um die Bedürfnisse der Gemeinde zu verstehen und ihre Dienste besser an den Bedarf von Menschen in Not auszurichten. Als die Covid-19-Pandemie begann, kam die Gemeinschaft in Torfaen zusammen, um die Nachbarn zu unterstützen, die zu Hause bleiben mussten. Ad-hoc-Freiwilligengruppen haben sich gebildet und begonnen, elementare Dinge, wie Essenslieferungen, Haustierpflege, Haushaltstätigkeiten und Besuche, zu übernehmen.

Der Gemeinderat von Torfaen sah eine Gelegenheit, die Effektivität und Reichweite dieses Freiwilligen-Netzwerks zu erweitern, indem standortbezogene Technologie zur Verfügung gestellt wurde. Der Rat hatte in diesem Bereich bereits eine Kooperation mit einem Anbieter, welcher entsprechende Software und Daten für die elementaren Dienste der Regionalregierung zu Verfügung stellte. In nur drei Wochen konnte man eine mobile App zur Verfügung stellen, mit deren Hilfe die Wohnorte hilfsbedürftiger Mitbürger vermerkt wurden, um sie mit verfügbaren Freiwilligen zusammenzuführen und so die Effektivität der Ressourcen der Helfenden zu optimieren.

Land und Leute verstehen

Glücklicherweise hatte der Gemeinderat in Torfaen bereits standortintelligente Systeme auf dem aktuellen Stand der Technik in Betrieb. Seit 2010 unterhielten sie eine Datenbank „gefährdeter Personen“, um Polizei, Pflegepersonal und Dienstleistende im sozialen Bereich zu unterstützen und den Bedürfnissen der Öffentlichkeit gerecht zu werden. So können beispielsweise Rettungsdienste, die einem Notruf nachgehen, die genaue Position einer hilfsbedürftigen Person ausfindig machen. Dies kann in Mehrparteienhäusern besonders hilfreich sein.

Als die Covid-19-Pandemie Wales erreichte, sah der Gemeinderat von Torfaen die Möglichkeit, ihre bestehenden Standortdaten so zu nutzen, dass sie den Freiwilligen vor Ort effektiver helfen konnten. Im April 2020 wurde die Torfaen-Community-Support-App gestartet, parallel zu einer administrativen Konsole, die es Ratsmitgliedern erlaubt hat, die Freiwilligen zu überprüfen, Dienste im Auge zu behalten und andere Managementfunktionen auszuüben.

Schnelle Reaktion

Von der ersten Diskussion bis zum Start der mobilen App vergingen drei Wochen. Es gibt Produkte, die ein solches Verfahren innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Durch die Verbindung zahlreicher bestehender Daten, die dem Gemeinderat zur Verfügung stehen, mit entsprechenden APIs in besagten Softwarelösungen, ließen sich in sehr kurzer Zeit nicht nur eine hohe Funktionalität, sondern auch Verknüpfungen mit standortbezogenen Daten entwickeln und nutzen.

Die Einwohner Torfaens können sich anmelden und Anfragen für bestimmte Dienste in der App stellen. In den meisten Fällen bestehen die Anfragen aus Lieferungen für Nahrungsmittel, Medikamente und andere essenzielle Dinge. Viele haben jedoch auch die Technologie dafür genutzt, um der Einsamkeit zu entkommen, indem sie Freiwillige gefunden haben, die sie besucht oder mit ihnen am Telefon gesprochen haben.

Freiwillige haben sich ebenfalls über die App registriert. Der Gemeinderat von Torfaen hat Background-Checks durchgeführt und die Freiwilligen nach deren Einsatzmöglichkeiten befragt. Diese wurden mit Menschen in Not zusammengebracht, basierend auf Verfügbarkeit, Ort und Priorität. Der dabei verwendete Algorithmus bezieht auch die Fortbewegungsmöglichkeiten mit ein, zum Beispiel, ob Freiwillige ein Auto besitzen oder ob eine Person leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Das System zielt außerdem darauf ab, regelmäßige Beziehungen zwischen Freiwilligen und Klienten aufzubauen, was den Vertrauensaufbau zwischen beiden erleichtert.

Zukünftige Dienste verbessern

Leider ist die Zahl derer, die Hilfe benötigen, mit Beginn der Pandemie gestiegen. Viele der Einwohner in und um Torfaen waren davor in der Lage, ihre Einkäufe, seien es Lebensmittel oder Medikamente, und Erledigungen selbst zu bewerkstelligen. Doch Menschen, die zu den Risikogruppen für Covid-19 gehören, wurde empfohlen, zuhause zu bleiben und unnötige Kontakte zu vermeiden. Dadurch ist der Bedarf an Unterstützung durch Freiwillige deutlich gestiegen.

Es gibt aber einen Silberstreif am Horizont. In einigen Jahren werden diejenigen Einwohner, die aktuell noch nicht zur altersbedingten Risikogruppe gehören, mehr Unterstützung benötigen. Mit den Daten, die der Gemeinderat jetzt von diesen Einwohnern erhält, wenn sie sich für diese Dienste anmelden, können zukünftige Bedürfnisse innerhalb der Gemeinde besser vorausgeplant werden.

Ratsmitglieder sehen auch die Möglichkeit, Mitgliedern der Gemeinschaft zu helfen, welche bislang übersehen wurden. Simon Rose, Torfaens Housing & Commissioning Manager, erklärt: „Ich sehe die Möglichkeit, den Gemeinschaftssinn, der aus Covid-19 gewachsen ist, zu mobilisieren, zu bündeln und ihn zu nutzen, um einige Probleme wie Vereinsamung und weitere Probleme, die die psychische Gesundheit betreffen, anzugehen. Nicht zwingend auf die ältere Bevölkerung bezogen, sondern auch auf die 25- bis 45-jährigen, die sehr isoliert sind.“

Standortdaten erweitern die technischen Möglichkeiten um eine weitere Ebene und machen sie komplexer. Wir haben bereits gesehen, wie Notdienste detaillierte ortsbezogene Daten verwenden, um die Auswahl der Standorte neuer Feuerwachen, Polizeidienststellen und Krankenhäuser zu verbessern. Wir haben Fahrgemeinschaftsdienste erlebt, die standortbezogene Technologie in Smartphones nutzen, um Fortbewegung zu revolutionieren. Die Möglichkeiten zur fortlaufenden Innovation rund um das Thema Standortdaten sind immens.

Tim van Baars, Vice President Central EMEA, Precisely
Bild: Thekla Ehling, Köln

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