Seite weiterempfehlenSeite drucken

Mobilität der Zukunft

Abseits des eigenen Autos haben es alternative Mobilitätsformen nicht immer leicht. Die Gründe sind vielfältig und reichen von gewohnten Wegen und Abläufen ihrer Nutzer über eine gefühlte Unerreichbarkeit irgendwo im nirgendwo – sprich auf dem Land – bis zu faulen Mitmenschen. Und dann kam im letzten Jahr auch noch Corona hinzu. Ein Blick auf die Seiten des Statistisches Landesamts Baden-Württemberg zeigt ein massives Absacken der Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im letzten Jahr.

Waren im ersten Quartal 2020 noch über 274.000 Passagiere in Bahnen und Bussen Baden-Württembergs unterwegs, sank dieser Anteil auf etwas mehr als 177.000 Fahrgäste im zweiten Quartal. Für das letzte Quartal 2020 sind keine Daten verfügbar. Zu den Gründen schreibt das Statistische Landesamt: „Die durch die Corona-Pandemie bedingten realen Rückgänge der Verkehrsleistung, insbesondere ab März, konnten von einzelnen Unternehmen nicht ausreichend abgebildet werden. Hier kann es zu nachträglichen Korrekturen kommen“. So oder so zeigen die Zahlen einen starken Rückgang und sind Ausdruck einer Gemengelage aus Angst vor der Pandemie und dem Recht auf die „freie Fahrt für freie Bürger“ – einem von der Autolobby vor über 40 Jahren losgetretenen Kampagne pro Auto.

Das „neue Normal“ und die Wahl des Fortbewegungsmittels

Das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ titelte 2020 in einem Beitrag: „Mobilität – Fortbewegung mit Sinn“ und kommt zu der Erkenntnis, dass der Preis für unsere Mobilität hoch sei. Eine schlichte Schlussfolgerung des Beitrags lautet: „Die beste Möglichkeit, ihn zu senken, ist die Vermeidung unnötigen Verkehrs“. Dass diese einfache Gleichung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann, das zeigt sich bei einem Blick auf die Verkehrsprobleme – quer durch die Republik. Diese zu lösen ist eine wichtige Aufgabe für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Doch wie könnte das „neue Normal“ aussehen, um beim Ausspruch unserer Tage zu bleiben? Eine Antwort liefert Clemens Behr von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW): „Individuelle Bedürfnisse, Präferenzen und das Angebot vor Ort spielen bei der Wahl der eigenen Mobilität eine große Rolle. Für jeden sind jedoch bei der Wahl des Fortbewegungsmittels andere Dinge wichtig, da Komfort, Preis, Reisezeit, Flexibilität oder Nachhaltigkeit unterschiedlich bewertet werden.“ Und er ergänzt: „Die Aufgabe von digitaler Mobilität sollte daher sein, dass die Bürgerinnen und Bürger möglichst barrierefrei und alle oben genannten Informationen auf einen Blick bekommen, um sich dann für einen Weg von A nach B entscheiden zu können.“

Von MobiData BW als Puzzelstück des Ganzen

Diese Barrierefreiheit kann auch als Brückenfunktion verstanden werden. Brücken im übertragenen Sinn baut die NVBW in ihrer täglichen Arbeit. Wie das genau aussehen kann, zeigt die Mobilitätsdatenplattform „MobiData BW“. Die seit September 2020 zugängliche Plattform der NVBW bündelt unter anderem Informationen zur Verkehrssteuerung von Kommunen und Betrieben im Umfeld der öffentlichen Hand. Zudem stellt MobiData BW den Open-Service-Gedanken als Grundlage einer vernetzten Mobilität in den Mittelpunkt. Auf den NVBW-Seiten heißt es: „MobiData BW ist eine verkehrsträgerübergreifende Plattform für mobilitätsrelevante Daten“. Doch MobiData BW ist nach den Aussagen C. Behrs nicht nur eine Datenplattform, sondern auch eine Service- und Vernetzungsstelle rund um das Thema Mobilitätsdaten. In einem Interview mit unserer Redaktion ergänzt er: „Datenstandards, Lizenzen und kleinteilige Daten räume stellt das Land vor die Herausforderung, dass die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsanbieter kosten- und ressourcenintensiv ist.“


Ein ausführliches Interview mit Clemens Behr: „Es geht um positive Beispiele“ finden Sie in der gis.Business 1/2021.


Dass eine solche Plattform ein wichtiges Puzzlestück des Ganzen sein kann, um zu einer zukunftsgewandten Mobilitätsstrategie zu gelangen, steht außer Frage. Der Erfolg von Mobilitätsplattformen, wie MobiData BW, hängt wesentlich von der Qualität der bereitgestellten Daten und Dienste ab. Gelingt dieser Qualitätssprung, wird Mobilität nicht nur neu gedacht, sondern vor allem alltagstauglich umgesetzt. Und dazu braucht es wirkliche Alternativen. C. Behr umschreibt es so: „Wenn die Menschen merken, dass weniger verstopfte Innenstädte, weniger Lärm und Abgase eine höhere Lebensqualität für alle bedeuten, dann machen sie gerne mit und nutzen neue Mobilitätsformen beziehungsweise kombinieren sie mit dem eigenen Auto oder der Bahn.“ Zu wünschen wäre es, um zu einer tragfähigen Mobilität der Zukunft zu gelangen.


Hören Sie den neuen Podcast mit Clemens Behr von der Nahverkehrs-
gesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW) zur Mobilität
der Zukunft auf gis.Radio.


 

 

3584 - Mobilität der Zukunft
Red/ae
Keywords:
GeoinformationGeoGeoinformatikGIGeodatenMobilitätVerkehrÖPNVMobiData BW