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Reales Verkehrsgeschehen abbilden

Landesverkehrsmodell Baden-Württemberg: PTV Group schafft neue Grundlage für eine nachhaltige Mobilitätsplanung.

Gebäudedatensatz des Landes Baden-Württemberg. Hier Gebäude in Stuttgart. Bild: PTV Group

Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg hat die PTV Group in enger Zusammenarbeit mit SSP Consult Baden-Württemberg ein datenbasiertes Landesverkehrsmodell entwickelt, das im Bundesland eine neue Ära der strategischen Verkehrsplanung einläutet. Nach intensiver Zusammenarbeit steht nun ein Werkzeug bereit, welches das gesamte Verkehrsnetz Baden-Württembergs sowie die realen Verkehrsströme von Personen und Gütern abbildet. Damit lassen sich Szenarien erstellen, welche die zukünftige Verkehrsentwicklung zeigen: eine Basis für Simulationen unterschiedlichster Infrastrukturprojekte bis hin zu Klimaschutzstrategien, bevor man sie in der Realität umsetzt.

Das Ministerium spricht von einem „Gewinn für alle, die Verkehr planen, steuern und gestalten wollen“: Das Landesverkehrsmodell Baden-Württemberg (LVM-BW) ermöglicht eine faktenbasierte Analyse und Prognose der Auswirkungen verkehrspolitischer Maßnahmen. Dies umfasst auch klimarelevante Aspekte, zum Beispiel inwieweit eine neue Bahnstrecke den Verkehr und aber auch die Emissionsbelastungen der entsprechenden Region verändert. Winfried Hermann, Minister für Verkehr Baden-Württemberg, erklärt: „Mit dem Landesverkehrsmodell verfügen wir nun in Baden-Württemberg über eine umfassende, digitale Grundlage, um den Verkehr von morgen schon heute klimafreundlich und zukunftssicher zu gestalten. Es ermöglicht uns, die Auswirkungen von Maßnahmen realistisch einzuschätzen und damit Entscheidungen datenbasiert auf besserer Grundlage zu fällen.“

Technologie und Transparenz

Um solche Aussagen treffen zu können, wurde Baden-Württemberg in 7.885 Verkehrszellen aufgeteilt, die ein feingliedriges Netz aus Straßen- Bahn und Radwegen sowie insgesamt 60.000 Haltestellen beinhalten. Zusätzlich betrachtete man über die Landesgrenzen hinaus die wichtigsten Verkehrsströme und addierte rund 1.800 weitere Verkehrszellen in Deutschland und Europa. Insgesamt bildet der gesamten Modellraum damit knapp 10.000 Verkehrszellen ab und verdeutlicht die Einbindung des Bundeslandes in das internationale Verkehrsgeschehen.

Die Bewegung aller Verkehrsmittel lässt sich dabei auch auf kleinen Verkehrsachsen flexibel betrachten und auf einer einheitlichen Basis bewerten. Dafür fließen Daten unterschiedlichster Quellen ein: aus Verkehrszählungen, Haushaltsbefragungen wie der Mobilität in Deutschland, Fahrplänen, Straßen- und Radnetzdaten sowie Einwohner- und Arbeitsplatzstatistiken und weiteren Datensätzen. Diese werden regelmäßig aktualisiert. Das Modell kann auch innovative Mobilitätskonzepte, wie den Einsatz von On-Demand-Verkehren, untersuchen.

Enge Verbindung von Wissenschaft und Technik

Das Modell wurde nach den neuesten wissenschaftlichen Standards entwickelt und ist vollständig dokumentiert. Alle Methoden sind transparent und nachvollziehbar – ein entscheidender Schritt für Vertrauen und Akzeptanz in der Planung von Infrastrukturmaßnahmen. Für die Nutzung des Modells muss man keine kommerziellen Daten erwerben, was den Zugang für öffentliche Institutionen erleichtert.

Dr.-Ing. Juliane Pillat, Projektleiterin bei PTV Transport Consult, dem Beratungsunternehmen innerhalb der PTV Group, betont: „Mit dem Modell steht ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem man eine nachhaltige Verkehrsplanung effizienter und transparenter gestalten kann. Das Modell entspricht dabei nicht nur dem aktuellen Stand der Technik, sondern auch der Forschung.“ Prof. Dr.-Ing. Markus Friedrich, Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik an der Universität Stuttgart, ist mit seinem Lehrstuhl für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts verantwortlich. Er ergänzt: „Mit dem Landesverkehrsmodell lassen sich die Wirkungen von Entwicklungen und geplanten Maßnahmen auf die Verkehrsnachfrage und die Umwelt abschätzen. Erstmals in einem Modell dieser Größenordnung ist ein Pkw- und Zeitkartenverfügbarkeitsmodel integriert. Außerdem werden das Radnetz und Sharingangebote im ÖV explizit abgebildet.“

Vorteile des LVM-BW auf einen Blick:

  • Abbildung von Klimaschutzmaßnahmen: Das Modell ist aufgrund seiner Komponenten besonders geeignet, die Wirkung verkehrlicher Klimaschutzstrategien zu simulieren.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Neben dem Personenverkehr wird auch der Güterverkehr intermodal und in allen Entscheidungsschritten maßnahmensensitiv berücksichtigt – ein entscheidender Faktor für die prognosefähige Berechnung der abgebildeten Gesamtmobilität.
  • Öffentlicher Zugang: Es sind keine kommerziellen Daten erforderlich.
  • Kooperation und Expertise: PTV verantwortete die Modellierung des Personenverkehres und Szenarioberechnungen, während SSP Consult die Verkehrszellen, Netze, übergeordneten Verkehre und Güterverkehrsdaten erstellte. Gleichzeitig bilden wissenschaftliche Erkenntnisse die Basis.

Das Landesverkehrsmodell setzt als Leuchtturmprojekt neue Maßstäbe in der Verkehrsplanung der Länder und Gemeinden, die das Modell für ihre Projekte beim Ministerium anfragen können.

Weitere Informationen unter www.ptvgroup.com

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