Denn Deutschland hat längst in vielen Bereichen den Anschluss verloren. Bestes Beispiel ist die viel beschworene Digitalisierung. Von jedem benannt, viel zitiert und beschworen tun wir uns deutschlandweit noch immer schwer damit, digitale Strukturen und Prozesse leistungsfähig und vor allem durchgängig aufzubauen. Auch hier herrscht von politischer Seite oft ein Wunschdenken vor, das der Realität wenig gerecht wird. Mit anderen Worten: analog im Hier und Jetzt, statt Digitalisierung. Dass die Realität hierzulande zu oft noch analog stattfindet, lässt sich täglich beobachten. Nicht zuletzt reicht ein Stromausfall, eine Überschwemmung oder ein Cyberangriff, um unsere digitalen Fädchen zu zerreißen. Anders formuliert: Digitale Luftschlösser am Firmament ersetzen nicht das noch immer vorherrschende analoge Leben und Arbeiten – trotz der vielen digitalen Schlagworte und Verheißungen. Hinzu kommt laut den Autoren des Buchs „Smart City – Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten“ „Die digitale Transformation ist ein umkämpftes Terrain von IT-Unternehmen, Stadtregierungen und stadtpolitischen Bewegungen.“ Das erschien 2018. Die Situation dürfte sich seither weiter verschärft haben. Ein Blick in die USA genügt, um zu verstehen, wer das Sagen hat. Da geben sich die Macher der großen Digitalkonzerne die Klinke in die Hand, um US-Präsident Donald Trump zu hofieren. Wer erinnert sich nicht an das Bild, als die Herren Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos & Co. bei D. Trumps Amtseinführung im Januar 2025 Ehrenplätze im Kapitol einnahmen. Eine Momentaufnahme mit Symbolcharakter, die verdeutlicht: Die Machtkonzentration und Einflussnahme von Digitalkonzernen auf die Politik schreiten ungehindert voran. Mehr noch wird die Verzahnung politischer Akteure mit den Technologieriesen und beidseitiger Interessen immer enger. Wer nun denkt, zwischen den USA und Europa liegt der große Teich und digitale Einflussnahmen auf den politischen Alltag beträfen uns nicht, der irrt. Dafür ist die europäische und gleichwohl deutsche Wirtschaft zu abhängig von US-Digitalkonzernen. Ein klarer Kritikpunkt an der hiesigen Digitalpolitik mit einer über Jahrzehnte gepflegten und zugleich einseitigen Ausrichtung auf US-Firmen. Im Resultat sehen wir heute Abhängigkeiten, die bis in unsere Rathäuser und die vielfach propagierten Smart-City-Bemühungen in Städten und Kommunen reichen.
Vom Testen der Zukunft, den Absichtserklärungen und der Interpretationssache
Brennpunkt Hauptstadt. Smart City Berlin „Berlin befindet sich seit Jahren mitten in einem Transformationsprozess, der viele bereits entwickelte und geplante Projekte umfasst. Die Vision: eine intelligente, vernetzte, postfossile und resiliente Hauptstadt. Damit einher gehen zahlreiche Herausforderungen und die Auseinandersetzung mit Folgen aktueller Phänomene wie Klimawandel, Energie- und Mobilitätswende.“ Passend dazu veröffentlichte die Entwicklungsstadt auf ihren Seiten im September 2025 einen Beitrag mit dem Titel „Berlin auf dem Weg zur Smart City: 10 Projekte mit Modellcharakter“. Und darin heißt es: „Berlin wird zur Smart City: Innovative Projekte zeigen, wie Technologie, Architektur und Nachhaltigkeit zusammenwirken. Von vertikalen Parktürmen bis zu digitalisierten Bürogebäuden: die Hauptstadt testet die Zukunft im Hier und Jetzt.“ Nun ist das mit dem Testen der Zukunft so eine Sache. Denn im Hier und Jetzt sind die Herausforderungen in der Hauptstadt mit Blick auf die Mobilität, bezahlbare Wohnungen und die Energieversorgung immens und nicht gelöst. Das Ganze ist nur ein Teilausschnitt der Probleme, mit denen sich die Berliner Verantwortlichen täglich auseinandersetzen müssen. Alltagstaugliche Lösungen finden sich wenige, die Theorie herrscht vor mit Absichtserklärungen der Marke: „Berlin will zukunftsfähig sein – und setzt smart und gezielt innovative Technologien, Produkte und Dienstleistungen ein, um folglich mit gleichen oder geringeren Ressourcen deutlich höhere Lebensstandards zu erzielen.“ Ein Kommentar zum genannten Entwicklungsstadt-Beitrag fasst den Unmut so zusammen: „Bei so viel hohlem Zeitgeist-BlaBla bin ich raus. Zu glauben, die Zukunft ist gesichert oder gar besser als die Vergangenheit, wenn (...) ständig mit Begriffen wie ‚Smart City‘, ‚Zukunftslabor‘, ‚Klimaneutralität‘ usw. um sich geworfen wird, grenzt an Aberglaube.“ Dieser Ansicht muss man nicht folgen. Doch sie verdeutlicht den Graben zwischen denen, die an intelligente und damit digitale Stadtentwicklungen glauben, und jenen, die am vielfach propagierten smarten Stadtleben der Zukunft zweifeln. Kein Einzelfall hierzulande.



















