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Deutsch-ukrainisches Lehr- und Forschungsprojekt offiziell gestartet

Die Jade Hochschule initiiert ein DAAD-gefördertes Projekt zur Rekonstruktion in der Ukraine.

Haben das deutsch-ukrainische Lehr- und Forschungsprojekt Georek offiziell am Campus Oldenburg eröffnet: Prof. Dr. Mykola Trehub von der Dnipro University of Technology (M.), Prof. Dr. Thomas Luhmann (l.) und Prof. Dr. Till Sieberth von der Jade Hochschule. Bild: Jade HS/Markus Hibbeler

Gemeinsam mit deutschen und ukrainischen Partnerhochschulen startet an der Jade Hochschule offiziell ein neues Lehr- und Forschungsprojekt. Ziel des Vorhabens ist es, ukrainische Studierende und Wissenschaftler gezielt für den Wiederaufbau kriegszerstörter Gebäude und Infrastruktur zu qualifizieren.

Das Projekt trägt den Titel „Moderne Online-Lehrformate für geodätische Verfahren zur Rekonstruktion in der Ukraine (kurz: Georek) und ist auf eine Laufzeit von vier Jahren angelegt. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Till Sieberth und Prof. Dr. Thomas Luhmann vom Institut für Angewandte Photogrammetrie an der Jade Hochschule. Gefördert wird das Vorhaben vom Deutschen Akademischen Austauschdienst im Rahmen des Deutsch-Ukrainischen Hochschulnetzwerks mit rund 800.000 Euro.

Kooperation mit Ukraine

Georek knüpft an langjährige Kooperationen der Jade Hochschule mit ukrainischen Universitäten an. Partner sind die Kyjiwer Nationale Universität für Bauwesen und Architektur, die Nationale Technische Universität Dniproer Polytechnikum (Dniprotech) sowie der Lehrstuhl für Digitale Denkmaltechnologien der Universität Bamberg.

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Aus- und Weiterbildung im Bereich moderner geodätischer Mess- und Dokumentationsverfahren. „An vielen Universitäten fehlen derzeit sowohl die technischen Ausstattungen als auch spezialisierte Kenntnisse, die für die präzise Erfassung und Rekonstruktion beschädigter Bauwerke notwendig sind. Hier setzt das Projekt mit digitalen Lehr- und Transferangeboten an“, erklärt Projektleiter Prof. Sieberth.

Ein zentraler Baustein ist die Weiterentwicklung eines virtuellen Laserscanner-Simulators, der bereits in einem Vorgängerprojekt entstanden ist (https://vrscan3d.com/). „Mit VRscan3D können Studierende und Praktiker die Abläufe der dreidimensionalen Datenerfassung mit statischen und mobilen Laserscannern realitätsnah erlernen und das ohne den Einsatz kostenintensiver Messgeräte“, führt Prof. Luhmann weiter aus, der seit 2011 Projekte in der Ukraine umsetzt und neben Sieberth die Projektleitung innehat. Darüber hinaus werden modulare Lernangebote entwickelt, die sowohl in die regulären Studiengänge integriert als auch für Weiterbildungsangebote genutzt werden können.

Geplant sind zudem gemeinsame Intensivwochen mit deutschen und ukrainischen Studierenden in Oldenburg, Bamberg, Kiew und Dnipro. Ziel ist es, moderne Verfahren des Laserscannings und der Photogrammetrie unter realen Bedingungen praktisch zu erproben. Ergänzend dazu werden vor Ort Fallstudien an beschädigten Gebäuden und technischer Infrastruktur in Zusammenarbeit mit ukrainischen Behörden und Fachleuten durchgeführt. Sofern die Sicherheitslage dies erlaubt, sollen Projektteilnehmer aus Deutschland 2027 in die Ukraine reisen, um den direkten Austausch und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.

An der offiziellen Auftaktveranstaltung nahmen neben den Projektpartnern auch Vertreter aus Politik und Wissenschaft teil, darunter Moritz Dütemeyer, Leiter des Referats Europa im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie Natalyia Butych, Vorstandsmitglied der Deutsch-Ukrainischen Akademischen Gesellschaft. Prof. Dr. Mykola Trehub von der Dniprotech schilderte in einem Vortrag die aktuelle Lage an ukrainischen Hochschulen. Rund 370 von ihnen seien beschädigt, davon etwa jede zehnte vollständig zerstört. Hinzu kämen anhaltende Einschränkungen in der Energie- und Versorgungsinfrastruktur, die Forschung und Lehre erheblich beschweren.

Weitere Informationen unter www.jade-hs.de/

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