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Transformieren oder reduzieren? – Teil 1

Transform or Reduce? – Part 1

Willfried Schwarz

Bei geodätischen 3D-Netzen werden die auf jedem Standpunkt ausgeführten lokalen Messungen zum Teil mittels räumlicher Helmerttransformationen mit sieben Parametern über gemeinsam angemessene Verknüpfungspunkte in das übergeordnete Koordinatensystem überführt. Die Stehachsen der Instrumente werden dabei unter Umständen gar nicht streng lotrecht gestellt, da deren Schiefstellungen zusammen mit ihren aufgrund der Erdkrümmung vorgegebenen Konvergenzen im Rahmen der Transformationen aus den Messungen selbst mitbestimmt werden. Bei langgestreckten Netzen, wie z. B. in Tunnelbauwerken, wird dieser Ansatz aufgrund der breitenmäßigen Einschränkungen als kritisch betrachtet. In diesem Beitrag werden anhand eines Testnetzes mit einer Länge von 1 000 m und einer Breite von 50 m bzw. 2 m numerische Vergleichsrechnungen mit unterschiedlichen Konfigurationen vorgenommen, wobei die vorhandenen stochastischen Informationen vollständig in den Berechnungen mitgeführt werden. Aus den Vergleichsrechnungen ergibt sich, dass es nicht zweckmäßig ist, die Parameter für die Schiefstellungen der Stehachsen und die Maßstabsfaktoren eines jeden Standpunkts aus den Messungen selbst zu bestimmen. Die Parameter für die Stehachsenschiefstellungen werden aus den Beobachtungen ungenauer erhalten, als wenn die Stehachsen mit Libellen oder Neigungssensoren lotrecht gestellt werden würden. Hierbei müssten dann die Beobachtungen, bevor sie ausgeglichen werden, über ein Modell so umgerechnet werden, als ob sie mit parallel zur z-Achse des übergeordneten Koordinatensystems ausgerichteten Stehachsen ausgeführt worden wären (Reduktionsverfahren). Diese Reduktion ist in der Regel ohne Genauigkeitsverlust möglich. Durch diesen Ansatz wird die Anzahl der in den Ausgleichungen zu bestimmenden Parameter reduziert mit der Folge, dass die Redundanzen erhöht werden. Dadurch werden die Zuverlässigkeit und die Aussagekraft der bestimmten Genauigkeitsmaße gesteigert. Im vorliegenden ersten Teil des Beitrags in diesem Heft werden nach der Einführung in die Aufgabenstellung die funktionalen und stochastischen Modelle für die Vergleichsrechnungen sowie die Einsatzmöglichkeiten des Modells einer kugelförmigen Erdfigur beim Reduktionsverfahren besprochen. Im später folgenden zweiten Teil wird die Generierung von Testdaten für kartesische und sphärische Koordinatensysteme angesprochen und es werden Hinweise für die Erstellung der Berechnungsprogramme in Python gegeben, um danach an etlichen Fallbeispielen die besprochenen Modelle mit den berechneten Parametern und ihren Genauigkeitsmaßen und das Auftreten von etwaigen systematischen Abweichungen in Bezug zu den Sollwerten zu untersuchen.

In 3D geodetic networks, the local measurements carried out at each position are partly transferred to the superordinate coordinate system using spatial Helmert transformations with seven parameters via connection points. The vertical axes of the instruments may not be set strictly perpendicular, since their inclination, together with their convergences determined by the curvature of the earth, are determined as part of the transformations from the measurements themselves. For elongated networks, such as in tunnel structures, due to the breadth restrictions this approach is regarded as critical. In this article, numerical comparison calculations with different configurations are carried out using a test network with a length of 1 000 m and a width of 50 m or 2 m, whereby the existing stochastic information is completely included in the calculations. The comparison calculations show that it is impractical to set the parameters for the vertical axes inclinations and also the scale factors of each point of view from the measurements. The parameters for the vertical axes inclinations obtained from the observations are less precise than if the vertical axes were set vertically using spirit levels or inclination sensors. Before the adjustment calculations, the observations would then have to be converted using a model as if they had been carried out with vertical axes aligned parallel to the z axis of the higher-level coordinate system (reduction method). This reduction is usually possible without loss of accuracy. This approach reduces the number of parameters to be determined in the adjustment calculations, which leads to an increase of redundancies. The reliability and meaningfulness of the specific accuracy measures is increased. In this first part of the article in this issue, after the introduction to the task, the functional and stochastic models for the comparative calculations as well as the possible applications of the model of a spherical earth figure in the reduction process are discussed. In the following part the generation of test data for Cartesian and spherical coordinate systems is addressed and instructions for the development of the calculation programs in Python are given. The program can be used to examine accuracy measures and the occurrence of any systematic deviations with regard to the target values.

DOI: 10.14627/avn.2025.1-2.1
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