Die Stadt Essen ist durch unterschiedliche Einflüsse mit Bodenbewegungen konfrontiert. Neben den im Ruhrgebiet typischen bergbaulichen und nachbergbaulichen Einwirkungen sind auch andere Einflüsse, wie klimatische Änderungen oder großflächige Baumaßnahmen für Bodenbewegungen, ursächlich. Vor dem Hintergrund der Instandhaltung und des verkehrssicheren Betriebs öffentlicher Infrastruktur haben seitens der Eigentümerschaft Maßnahmen zu erfolgen, um Bodenbewegungen zuverlässig und effizient zu identifizieren, bevor diese Schadenspotenziale entfalten. Aus dieser Verantwortung heraus ist die Stadt Essen mit der Herausforderung konfrontiert, rund 1500 Objekte und Bauwerke im Stadtgebiet hinsichtlich Bodenbewegungen zu überwachen. Die Verwendung klassischer vermessungstechnischer Überwachungsmethoden, wie der nivellitischen Beweissicherung, ist aufgrund der erheblichen Aufwände bei der Anzahl der Objekte nicht wirtschaftlich. Die Stadt Essen ist seit 2018 u. a. mit der RAG Aktiengesellschaft (RAG) an der Erprobung und Weiterentwicklung entsprechender alternativer Sensortechniken zur Identifikation von Bodenbewegungen beteiligt. Im Jahr 2021 wurde ein Testfeld für InSAR-, GNSS- und terrestrische Messverfahren (Tachymetrie, Präzisionsnivellement) auf dem Gelände der Wassergewinnung in Essen errichtet. Das Ziel ist die Überprüfung der Nutzbarkeit von X-Band- und C-Band-Radardaten. Seit der Einrichtung des Testfelds konnten unterschiedliche terrestrische und fernerkundliche Messverfahren für die Ermittlung von Bodenbewegungen gegenübergestellt und validiert werden. Kern der Untersuchungen sind die folgenden im Testfeld installierten Systeme: Feste und verstellbare GNSS-Stationen, Cornerreflektoren (CR), Doppel-Cornerreflektoren (DCR) sowie im Jahr 2024 noch ein zu installierender Triple-Cornerreflektor (TriCR). Diese Systeme sind auf dem nicht öffentlich zugänglichen Gelände so stationiert, dass äußere Einflüsse, wie Verkehr, Personen, Witterung und Vandalismus, minimiert werden. In diesem Beitrag wird eine erste Gegenüberstellung von terrestrischen Messungen zu GNSS- und InSAR-Auswertungen vorgestellt. Konkret liegen aus den oben genannten Systemen erste, sich überdeckende Zeitreihen der verwendeten Messmethoden vor, mit denen, soweit den Autoren bekannt, weltweit erstmalig die Validierung von X- und C-Band-InSAR-Auswertungen aus Ascending und Descending Orbits von Radar-Satellitendaten durchgeführt wurde. Für die Überprüfung der Zuverlässigkeit von unterschiedlichen eigenen, auf InSAR basierenden Auswertungen, wie z. B. /BIMSAR 2021/ oder für vergleichende Bodenbewegungserfassungen zu frei verfügbaren Diensten, wie dem European Ground Motion Service /EGMS 2020/ und dem BodenBewegungsdienst Deutschland / BBD 2019/ oder dem / Bodenbewegungskataster NRW/ von Geobasis NRW, sind aus Sicht der Autoren Validierungs-GNSS-DCR/TriCR und Zeitreihen aus unabhängigen Messverfahren erforderlich.
