Wissenschaft & Forschung

Artemis II startet zum Mond

Artemis II ist heute erfolgreich gestartet. Die SLS-Trägerrakete mit dem Orion-Raumschiff an ihrer Spitze hob um 0:35 Uhr MESZ vom Kennedy Space Center in Florida ab.

 

Artemis II startete am 2. April 2026 um 0:35 Uhr MESZ erfolgreich vom Startkomplex 39B im Kennedy Space Center der NASA in Florida. Bild: Nasa / Bill Ingalls

Das Raumschiff führt zunächst in Erdnähe erste Manöver und Flugtests durch, bevor es sich auf die Flugbahn zum Mond begibt. Mit der NASA-Mission Artemis II brechen erstmals nach fast 55 Jahren wieder Menschen Richtung Mond auf. Es ist der erste Einsatz des Orion-Raumschiffs mit einer vierköpfigen Besatzung an Bord. Geplant ist, dass die Crew den Erdtrabanten umrundet und nach zehn Tagen zur Erde zurückkehrt.

Deutschland und Europa sind gleich mit mehreren Komponenten und Technologien an Bord. So werden vier Strahlungsdetektoren M-42 EXT (extended) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erneut die Weltraumstrahlung zwischen Erde und Mond messen – dieses Mal in einer noch genaueren Auflösung als beim Artemis-I-Flug Ende 2022. Das Europäische Servicemodul, kurz ESM, befördert auf dieser Mission nun erstmals Menschen in den Weltraum. Und mit Tacheles macht sich ein Kleinsatellitendemonstrator aus Deutschland auf den Weg zum Mond, um in dessen Umlaufbahn abgesetzt zu werden. Die Deutschen Raumfahrtagentur im DLR hat den CubeSat ausgewählt.

Deutsche Industrie beteiligt

„Deutschland ist bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond ganz vorne mit dabei“, betont Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR. „Wir freuen uns sehr, dass mit dem in Bremen gebauten ESM erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ein nicht-US-amerikanisches System Astronautinnen und Astronauten Richtung Mond transportiert. Für die Orion-Kapsel hat außerdem die deutsche Industrie Sensoren zur Navigation im Weltraum bereitgestellt. Zudem fliegt auf der Mission ein Kleinsatellit eines deutschen Startups mit, der Technologie für einen kostengünstigen Zugang zur Nutzung der Mondoberfläche erschließen sowie den Einfluss der Weltraumstrahlung auf Raumfahrzeuge testen soll. Das stärkt den Raumfahrtstandort Deutschland in Technologie und Wissenschaft nachhaltig.“

Internationale Zusammenarbeit

Wenn die Menschheit nach über fünf Jahrzehnten wieder zum Mond aufbricht, wird zum ersten Mal eine Crew von einem System, das nicht vollständig aus den USA stammt, auf diese Reise geschickt. Denn bei ihren Artemis-Missionen greift die Nasa erstmalig bei einer kritischen Komponente für astronautische Flüge auf internationale Partner zurück. Die Antriebs- und Versorgungseinheit der Crewkapsel, das European Service Module (ESM), wurde unter der industriellen Führung von Airbus Defence and Space in Bremen entwickelt und wird dort auch montiert. Komponenten aus elf europäischen Ländern sowie den USA werden dafür in die Hansestadt geliefert und zu einem einzigartigen Raumfahrzeug integriert. Dass sich die Nasa hier auf ein europäisches System verlässt, ist ein enormer Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit der europäischen Raumfahrt. Unter den ESA-Mitgliedsstaaten ist Deutschland der wichtigste Partner im ESM-Projekt. Der deutsche Anteil am ESM-Programm beträgt rund 50 Prozent und wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR gesteuert.

Tacheles – deutscher Kleinsatellit fliegt zum Mond

Mit an Bord von Artemis II wird ein deutscher Kleinsatellit sein, der von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR ausgewählt und finanziell unterstützt wurde. Der Tacheles-CubeSat der Firma Neurospace aus Berlin wurde am 16. September 2025 an die NASA übergeben und wenig später in den Stufenseparationsadapter (OSA) des Orion-Raumschiffs integriert. Der Kleinsatellit wird am Mond freigesetzt und in eine eigenständige Umlaufbahn gebracht, bevor die Orion ihren Weg zur Umrundung des Mondes einschlägt. Tacheles soll voraussichtlich zwei Jahre lang im Orbit bleiben und Daten zur Erde übertragen. Diese dienen dem Berliner Startup zur Weiterentwicklung ihres Rover-Systems.

Mit Tacheles sollen die elektrischen Komponenten des zukünftigen Rovers im All getestet werden. Hierbei wird insbesondere der Einfluss der Weltraumstrahlung beim Passieren der beiden Strahlungsgürtel der Erde – der sogenannten Van-Allen-Gürtel – als besonders kritisch für solche Systeme eingestuft. Der Flug auf Artemis II bietet die einmalige Möglichkeit, Daten über die Strahlungsgürtel und deren Auswirkung auf die Elektronik des CubeSats zu sammeln. Diese Informationen sollen auch der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen. So ist zum Beispiel das Experiment Seldom (Single Event Latchup Detection On Moon) von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) mit an Bord des deutschen Kleinsatelliten. Sie testen eine Technologie, die Raumfahrtelektronik vor plötzlichen Störungen durch Weltraumstrahlung schützen kann.

Weitere Informationen unter www.dlr.de

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