Unbemannte Luftfahrzeuge bei gleichzeitigem Betrieb eines Verkehrsflughafens erproben – das ist am Standort Cochstedt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) möglich. Damit hat sich in Sachsen-Anhalt über die vergangenen Jahre ein europaweit einzigartiges Drohnentestzentrum etabliert.
Mittlerweile hat das DLR rund 20 Millionen Euro in das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme investiert für die Ertüchtigung des Geländes, neue Testinfrastrukturen und die schrittweise Erweiterung des Flugbetriebs. Zuletzt hat sich das ehemalige Terminalgebäude nach umfangreichen Umbauarbeiten zum Hauptgebäude des Testzentrums gewandelt. Vor Kurzem wurde zudem für das Erprobungsgebiet in Cochstedt eine dauerhafte Geozone etabliert. Damit können nun komplexe Drohnentestflüge innerhalb dieses Bereichs auch mit großem unbemanntem Fluggerät und außerhalb der Sichtweite stattfinden, ohne die sonst aufwendigen und langwierigen Einzelgenehmigungen. Hiermit hat Cochstedt einen weiteren Baustein als umfangreiches Reallabor etabliert, das der aufstrebenden „Drone Economy“ den Weg bereitet. Dabei wird die Einbindung unbemannter Luftfahrzeuge in zukünftige Verkehrssysteme ebenso erprobt wie neue zukunftsweisende Drohnentechnologien und die Drohnenabwehr.
Unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt erprobem
Über die letzten Jahre wurden in Kooperation mit Politik und Behörden auf Landes- und Bundesebene umfangreiche Möglichkeiten zum Einsatz von Technologien geschaffen, die an einem „normalen“ Flughafen undenkbar wären wie beispielsweise der testweise Einsatz von Störsignalen, Lasertechnologien oder auch der gleichzeitige Testbetrieb von bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen (Unmanned Aircraft Systems, UAS). Dies ermöglicht es Cochstedt, auch eine ganz besondere Rolle im Bereich der Drohnenabwehr einzunehmen. Hier werden reale Szenarien erprobt und Lösungen entwickelt, die sich anschließend auf andere Flughäfen und sicherheitskritische Infrastrukturen übertragen lassen.
„Unbemannte Luftfahrtsysteme, gemeinhin bekannt als Drohnen, sind heute essenziell – im Alltag, aber auch in Krisensituationen. In Deutschland müssen wir Drohnentechnologien beherrschen, um neben den zivilen Anwendungen in Wirtschaft und Industrie sowohl zivile Hilfskräfte, wie die Feuerwehr und das THW, als auch Polizei und Bundeswehr bestmöglich auszustatten. Nur so kann unsere Gesellschaft von wirtschaftlichen Potentialen profitieren und gleichzeitig bestmöglich geschützt werden. Der DLR-Standort Cochstedt bietet dafür ein einzigartiges Drohnentestzentrum und ermöglicht unseren Forschern und Entwicklern, Drohnentechnologie ‚Made in Germany‘ zur technologischen Exzellenz zu bringen“, sagte die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär.
„Mit dem Erprobungszentrum des DLR in Cochstedt verfügen wir in Sachsen-Anhalt über eine hervorragende Einrichtung mit hoher wissenschaftlicher Expertise im Bereich der Forschung und Nutzung unbemannter Flugsysteme. Ich bin mir sicher, dass sie die Region voranbringt und den Innovationsstandort Sachsen-Anhalt dauerhaft stärkt. Ich danke dem DLR und allen, die zum Gelingen des Projektes beitragen“, sagt Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.
Entwicklung, Erprobung, Zulassung und Zertifizierung
Am DLR-Standort Cochstedt können die unterschiedlichsten Fluggeräte und Einsatzszenarien einzeln, aber auch im (System-)Verbund erprobt werden. Dabei stehen die Erprobung von Demonstratoren, Antrieben und Energiespeichern, die Einbindung von UAS in den zivilen Luftraum, die Zertifizierung und Zulassung sowie die Akzeptanz hinsichtlich Lärms und Sicherheit besonders im Mittelpunkt.
Einige Highlights der vielfältigen erprobten Technologien in Cochstedt waren bisher beispielsweise die Offshore Drone Challenge zusammen mit EnBW, bei der es um die Wartung von Offshore-Windkraftanlagen mittels Drohnen ging, der Testflug einer Volodrone für den Frachttransport in Verkehrssituationen mit einem ADAC-Rettungshelikopter, Testflüge des DLR-Frachtdrohendemonstrators Alaady-CC, die Erprobung einer Medizinlogistikdrohne des Start-ups Labfly, die später in Stendal Apothekenlieferungen ausgeflogen hat, der Jungfernflug von UAS für humanitäre Hilfsmissionen mit Hilfsgütern, umfangreiche Versuche zur Drohnenabwehr und die bisherigen Standschwingungs- und Rollversuche der hochfliegenden Plattform HAP-alpha des DLR mit 27 Meter Spannweite, deren erste Flugerprobung in niedrigen Höhen ebenfalls in Cochstedt für 2026 geplant ist. Zudem befindet sich ein umfänglicher Landeplatz für Drohnen, ein Vertiport-Demonstrator, im Aufbau.
Mithilfe der mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr sowie des Luftfahrtbundesamts und des Landesverwaltungsamts Halle jüngst etablierten Geozone (gem. Art.15 (2) DVO (EU) 2019/947) am Erprobungszentrum können die Innovationszyklen in Forschung und Industrie deutlich verkürzt werden. Die Möglichkeit, nun Erprobungsvorhaben in Cochstedt ohne eine sonst notwendige Betriebsgenehmigung in der speziellen Kategorie durchzuführen, spart Zeit und Ressourcen in der Vorbereitung von Testflügen. Damit verkürzt sich die Zeit von der Idee bis zur Testmöglichkeit von anderorts rund sechs bis neun Monaten auf wenige Wochen bei Versuchen in Cochstedt. Um dabei das Sicherheitslevel auf einem konstant hohen Niveau zu halten, wurde vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtbundesamt ein einzigartiges Sicherheitskonzept ausgearbeitet. Mithilfe der Geozone wurde ein Fluggebiet mit einer Ausdehnung von circa 16 x 5 Quadratkilometer erschlossen, welches auch Nutzern aus Behörden und Industrie durch unkomplizierte Zugangsregelungen kurzfristig zur Verfügung steht. Hierdurch wird die Rolle des DLR und des Nationalen Erprobungszentrums für Unbemannte Luftfahrtsysteme in Sachsen-Anhalt als Enabler für das UAS-Ökosystem und Innovationsbeschleuniger weiter ausgebaut.
Weitere Informationen unter www.dlr.de