SpatialHumanities – Eine neue Forschungsdisziplin

Kai-Christian Bruhn, Fredie Kern

Der zunehmende Einsatz digitaler Verfahren zur Erfassung und Auswertung räumlicher Informationen wirkt weit über die Geoinformationsbranche hinaus. Auch viele geisteswissenschaftliche Fächer profitieren von der dynamischen Entwicklung. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt lotet die Chancen und Voraussetzungen aus und propagiert eine neue Forschungsdisziplin: die SpatialHumanities.

Artikelauszug / Extract:

Das Zusammenwirken geisteswissenschaftlicher Forschung und raumbezogener Mess- und Informationstechnologie hat eine lange Geschichte. Die Entwicklung der Architekturphotogrammetrie durch Albrecht Meydenbauer im 19. Jh. ist eng verknüpft mit der Bestands- und Architekturdokumentation. Sie prägte die sich gleichzeitig entwickelnden Grundlagen moderner Bauforschung und Denkmalpflege, auf die sie sich bis heute auswirkt. Einen ähnlichen Einfluss auf eine geisteswissenschaftliche Disziplin hatte die Informatik seit ihren Anfängen. Noch bevor der kürzlich verstorbene Roger Tomlinson das erste Geographische Informationssystem entwickelte, hatte der italienische Priester Roberto Busa in Kooperation mit IBM in den frühen 1950er Jahren das Gesamtwerk eines der bedeutendsten Intellektuellen des Mittelalters, des Dominikaners Thomas von Aquin, sprachlich indexiert und damit der digitalen Korpuslinguistik den Weg bereitet.
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