Wissenschaft & Forschung, Öffentliche Geodaten & Verwaltung

Studie zu Österreichs Parkraum

Mit einer österreichweiten Parkraumanalyse schafft ein Team der TU Graz gemeinsam mit Projektpartnern erstmals eine belastbare Datengrundlage für den ruhenden Verkehr.

Stellplatzangebot in ganz Österreich: Je dunkler die Färbung einer Rasterzelle, desto mehr Stellplätze sind in dieser enthalten. Bild: Parking Space Insights

Wie viele Parkplätze gibt es in Österreich? Wie viel Fläche beansprucht der ruhende Verkehr? Und wie können Städte und Gemeinden ihr Parkraummanagement künftig datenbasiert steuern? Antworten darauf liefert erstmals die Studie „Parking Space Insight (PSI)“. Die Untersuchung erfasst das Stellplatzangebot in ganz Österreich und schafft damit eine neue Grundlage für die Mobilitäts- und Stadtplanung. Mithilfe eines neu entwickelten Analyseverfahrens wurden unterschiedliche Datenquellen – darunter OpenStreetMap, digitale Landschaftsmodelle, die Graphenintegrations-Plattform GIP sowie Mobilfunk- und Echtzeitnutzungsdaten – zusammengeführt. Das Ergebnis ist die bislang umfassendste Datengrundlage zum ruhenden Verkehr in Österreich.

„Beim Parkraummanagement wurde bislang vielfach mit Schätzungen oder unvollständigen Datensätzen gearbeitet. Mit Parking Space Insight schaffen wir erstmals eine österreichweit einheitliche und belastbare Datengrundlage, die eine objektive Analyse des Stellplatzangebots ermöglicht“, sagt Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz.

Die detaillierte Bestandsaufnahme ermöglicht es Städten und Gemeinden erstmals, Angebot und tatsächliche Nachfrage systematisch miteinander zu vergleichen und Parkraummanagement auf einer belastbaren Datengrundlage zu planen.

Rund 13,6 Millionen Stellplätze erfasst

Die Studie zeigt, dass Österreich über rund 13,6 Millionen Stellplätze verfügt. Mit rund 77 % (10,5 Millionen) entfällt der Großteil auf offene, ebenerdige Parkareale abseits der Straße (Off-Street-Flächenparkplätze), zum Beispiel bei Supermärkten, Mitarbeiterparkplätze oder private Hausparkplätze. Etwa 12 % befinden sich in Parkhäusern, Tiefgaragen oder privaten Garagen, und lediglich rund 10 % liegen im öffentlichen Straßenraum direkt am Straßenrand (On-Street). Das bedeutet, knapp 90 % aller Parkplätze in Österreich sind keine Straßenparkplätze.

Flächenparkplätze verbrauchen den meisten Raum

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft den Flächenverbrauch. Insgesamt beansprucht der ruhende Verkehr in Österreich mehr als 31.700 Hektar – das entspricht etwa der zweieinhalbfachen Fläche des Grazer Stadtgebiets und fast der gesamten Fläche des Neusiedler Sees.

Besonders deutlich wird die vergleichsweise hohe Flächeneffizienz von Parkgebäuden: Parkhäuser und (Tief)Garagen stellen 12 % der Stellplätze bereit, benötigen dabei aber nur etwa 2,4 % der Gesamtfläche des ruhenden Verkehrs. Im Gegensatz dazu beanspruchen die Flächenparkplätze für ihre 77 % Anteil an den Stellplätzen über 91 % der Gesamtfläche.

Stellplatzdichte: Graz vor Wien, Wien deutlich vor Paris und Barcelona

Die Untersuchung weist für Graz mit rund 0,74 Stellplätzen je Einwohner eine höhere Stellplatzdichte aus als für Wien mit rund 0,67. Die Vergleichswerte für Barcelona und Paris liegen mit 0,48 beziehungsweise 0,35 deutlich niedriger.

Die Unterschiede haben neben einer restriktiveren Parkraum- und Verkehrspolitik in Paris und Barcelona auch historische Gründe. Graz ist weniger dicht bebaut und hat mehr Einfamilien- und Reihenhausgebiete, meist mit privaten Stellplätzen oder Garagen. Wien dagegen ist von einem wesentlich höheren Anteil an dichter Gründerzeitbebauung und großstädtischen Quartieren mit begrenztem Platzangebot geprägt. Paris und Barcelona wurden größtenteils lange vor der Massenmotorisierung errichtet, dort steht aufgrund der dichten Stadtstruktur deutlich weniger Raum für Parkplätze zur Verfügung.

Auch die in den österreichischen Bauordnungen und Raumordnungsgesetzen verankerten Mindeststellplatzvorgaben sind ursächlich für die hohe Parkplatzdichte. Selbst dort, wo öffentlicher Verkehr verfügbar ist, mussten bei nahezu jedem Neubau automatisch Parkplätze mitgebaut werden. Erst in den vergangenen Jahren wurden diese Vorgaben in vielen Städten schrittweise gelockert.

Bei der Interpretation der Vergleichszahlen ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass internationale Stellplatzvergleiche stark von der Abgrenzung der erfassten Stellplatzarten, dem Bezugsjahr der Daten und der jeweiligen Stadtgrenze abhängen.

Grundlage für ein österreichweites Parkraummonitoring

„Zusammenfassend verdeutlichen diese Zahlen, dass in Österreich vor allem die nicht gestapelten, ebenerdigen Parkflächen den massivsten Flächenverbrauch verursachen, nämlich 29.000 der insgesamt 31.700 Hektar“, schildert Cik, der zudem betont: „Jeder Parkplatz ist eine Entscheidung darüber, wie wir unseren Raum nutzen. Unsere Ergebnisse zeigen, wo wertvoller Raum gebunden wird und liefern Städten und Gemeinden eine fundierte Grundlage, um Parkraum künftig effizienter und nachhaltiger zu planen.“

Die Studie empfiehlt, die entwickelte Methodik in ein dauerhaftes, österreichweites Parkraummonitoring zu überführen. Bereits ein schrittweise aufgebautes Standardmodell könnte mit überschaubarem Aufwand eine kontinuierlich aktualisierte und qualitätsgesicherte Datengrundlage bereitstellen. Damit wäre erstmals ein österreichweites Monitoring des ruhenden Verkehrs möglich – als Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in der Verkehrs-, Raum- und Stadtplanung.

Das Forschungsprojekt „Parking Space Insight (PSI)“ wurde vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz gemeinsam mit der yverkehrsplanung GmbH (Projektleitung), Prisma Solutions EDV-Dienstleistungen GmbH und Trafficon Software GmbH (im Unterauftrag durchgeführt von Okari GmbH) umgesetzt. Finanziert wurde das Projekt vom Klima- und Energiefonds im Rahmen der Ausschreibung „Digitale Transformation in der Mobilität 2023“. Das Programmmanagement erfolgte durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Weitere Informationen unter www.tugraz.at

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