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Geodialog – Open Data bieten Zündstoff

Viel Diskussionsstoff hat die Veranstaltung der Geobusinessregion Bonn rund um das Thema Open Data geboten. Einigkeit bestand darin, dass der Weg zur Öffnung der Verwaltung konsequent weiter fortgesetzt werden muss.

Reichlich Diskussionsstoff und gedankliche Anregungen bot der im Bonner Münstercarré stattgefundene "Geodialog" zum Thema Open Data. Das gesellschaftliche Megathema brachen die Veranstalter, die Geobusinessinitiative Bonn, in drei Abschnitte herunter.

Professor Dr. Klaus Greve vom Geographischen Institut der Universität Bonn und Sven Hense, mitverantwortlich bei der Stadt Bonn für die Bereiche E-Government, Verwaltungsorganisation und IT-Anwendungen, starteten mit einem Einführungsvortrag. Sie zeigten die Spannungsfelder auf, in denen das Thema Open Data bewegt. Von gesetzlichen Grundlagen, Haftungsfragen, über Lizenz- und Nutzungsbedingungen bishin zur Ausrichtung des Konzepts auf Bürger und auf wirtschaftende Unternehmen. Professor Greve betonte, mit dem Umweltinformationsgesetz mache man schon seit 20 Jahren Open Data, ohne es so zu benennen. Er stellte die Bedeutung offener Daten für Bürger, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch für die Verwaltung, klar heraus.

Hense ergänzte die Präsentation um die Erörterungen der Aktivitäten rund um Open Data in der Stdat Bonn. Die Stadt steht kurz vor politischen Entscheidungen, die den begonnenen Prozess weiter beinflussen werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion trafen Wolfgang Naujokat als Vertreter der Initiative D 21, Dr. Jörg Reichling, bei der GIW-Kommission als Geschäftsführer verantwortlich für das jüngst veröffentlichte Geolizenz-Modell, Michael Herter, Dirctor der neugegründeten infas Holding AG, Udo Stichling, Präsident des DDGI sowie Professor Sören Auer als Vertreter der Open Knowledge Foundation aufeinander. Während Einigkeit darüber herrschte, dass es keinen weg vorbei an Offenheit in der Verwaltung gebe, lagen die Diskussionspunkte im Detail. Ob und wie Offene Daten unter Lizenzmodelle gestellt werde, ob Creative Commons Lizenzen ausreichen, oder aber für die Wirtschaft hieb- und stichfete Lizenzen hinter den Angeboten stehen müssen, darüber herrschte Uneinigkeit. In Deutschland stehe das Thema Offene Daten noch recht am Anfang, so Professor Auer. Der Informatiker vertritt die These, wir sind auf dem Weg sind zu einer Daten-Ökonomie, Daten seien demzufolge das neue Gold. Herter beklagte, dass die Diskussion bereits zu lange währe und dass Unternehmen seit langem hohe Kosten tragen, weil vor allem Geodaten nicht freigegeben werden. Reichling betonte die Bedeutung des Datenschutzes für den Open-Data-Prozess, der gleichzeitig von den Podiumsgästen als Hemmschuh für dessen Umsetzung gesehen wurde.

Naujokat ist starker Befürworter der Open-Data-Prozesse im Sinne der Wirtschaftsförderung. Die Stimulation des Marktes über die Freigabe von Daten beurteilt er als entscheidenden Aspekt. Aus dem Publikum kam von einem Vertreter der Partei Die Linken in Bonn der Einwurf, man vernachlässige in der gesamten Diskussion die Interessen des Bürgers. Transparenz und Kollaboration versus Marktstimulation, diese beiden Aspekte zeigten ebenfalls das Spannungsfeld des Gesellschaftthemas. 

Stichling, der mit einem Positionspapier des DDGI Stellung zum Thema Open Data und Open Government genommen hat, betonte in der Diskussion, dass man die Verwaltungen mit Leitfäden zum Thema unterstützen müsse. Eine seiner Forderungen aus dem Positionspapier ist, dass der "Webatlas" der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen (AdV) kostenfrei zur Verfügung gestellt werde.

Wie die Verwaltungen mit Mindereinnahmen und Ausgaben für die Öffnung ihrer Datenbestände umgehen sollen, darauf fand auch die Diskussionsrunde keine Antwort. Diskutiert wurden Open Government-Initiativen aus Wien und Berlin. Es bestand aber keine Einigkeit darüber, wie die Entwicklungen in den beiden Städten zu bewerten sei. Die auf den freigegebenen Datensätzen entstandenen Apps seien erst ein Anfang. 

Ob und wie man die Öffnung der Verwaltung trotz aller Unklarheiten um Datenschutz, Lizenzen oder Haftungsfragen vorantreiben könne, gab es keine abschließende Antwort. Wichtig sei es aber, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Dr. Philipp Müller, Business Development Director bei der Unternehemnsberatung CSC, inspirierte die Zuschauer abschließend in einem Vortrag zum strategischen Potenzial von Open X. Er beschrieb die Potenziale von Offenheit in der digitalen Gesellschaft sehr eindrücklich, machte aber auch klar, dass für ein Umdenken Zeit vonnöten sei. "Es kann 50 oder auch 150 Jahre dauern, bis das Thema Offenheit in der Gesellschaft angekommen ist. Ein Video zu einem von Müllers Vorträgen zu diesem Thema, aufgenommen am E-Day der Wirtschaftskammer Österreich, zeigt seine globale Heransgehensweise an das Thema Offenheit.

Nicht präsentiert werden konnte aus Zeitgründen ein kurzes Video mit Dr. Martin Hagen, dem IT-Verantwortlichen der Stadt Bremen im Vorfeld des Geodialogs, aufgenommen wurde. Darin erläutert er, warum und in welcher Weise die Stadt an der Weser sich seit Jahren mit der Öffnung beschäftigt.

 

Weitere Informationen: Open Data – eine Standortbeschreibung

 

 

 

 

 

854 - Geodialog – Open Data bieten Zündstoff
mr
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