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Nachhaltige Stadtentwicklungen, nicht nur auf dem Papier

Von der U-Bahnstation „Europa/Fira“ in Barcelona ist es nur ein kurzer Fußweg zum Veranstaltungsort des Smart City Expo Word Congress (SCEWC). Auf dem Weg dorthin steht in großen Lettern an einem Bürofenster „People first“ geschrieben. Dass der Slogan „Menschen zuerst“ so recht in unsere Zeit passt, das verdeutlichen die Aussteller der heute zu Ende gehenden Smart-City-Veranstaltung pausenlos.

Nachhaltig, grüner, emissionsfrei und lebenswert, sind einige der Vokabeln, die überall auf der Messe auftauchen und denen sich auch die Sprecher im Rahmen des Kongressprogramms bedienen. Doch was steckt dahinter und welche konkreten Projekte und Pläne verfolgen die Städte und Verantwortlichen? Ein Abriss zu drei Tagen SCEWC. Ein Fazit: Der Wille zur Lernbereitschaft ist vorhanden. Die Taten müssen folgen, um eine klimaneutrale Umkehr in unseren urbanen Räumen zu verwirklichen.

Glasgows Nachhall und Absichtserklärungen

Die Enttäuschung zu den Ergebnissen der jüngsten Weltklimakonferenz von Glasgow hallt nach. Die FAZ schreibt von der „Enttäuschung über ‚Glasgow-Klimapakt‘ und fügt an: „Nach zweiwöchigen Verhandlungen hat die UN-Klimakonferenz das Abkommen beschlossen. Auf Betreiben Chinas und Indiens wurde die Erklärung jedoch deutlich abgeschwächt.“ Und die Tagesschau formuliert es wie folgt: „In Glasgow sind mehrere Initiativen zum Klimaschutz gestartet oder ausgebaut worden. Sie sind allerdings nicht bindend und in vielen Fällen lässt sich nicht prüfen, ob und was sie über die nationalen Zusagen hinaus bringen.“ Mit diesen Ergebnissen und nicht erfüllten Erwartungen bemühen sich die auf dem SCEWC vertretenen Stadtverantwortlichen um mehr Einigung und Handlungsbereitschaft, die bestehenden Herausforderungen im Sinne von Natur und Mensch zu lösen. Dementsprechend deutlich äußerte Maria Tsavachidis, Chief Executive Officer (CEO) der EIT Urban Mobility, bereits am Eröffnungstag ihre Botschaft: „Wir können nicht warten. Lasst uns den Wandel vollziehen, den wir brauchen.“ Die EIT Urban Mobility als eine Initiative des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) ist zugleich Partner des „Tomorrow.Mobility World Congress“ im Rahmen des SCEWC. Maimunah Mohd Sharif, Exekutivdirektorin des United Nations Human Settlements Programme (UN-Habitat), sprach von Klima als einem komplexen System, in das alle Menschen eingebunden seien. Gleichzeitig forderte sie Städte, Politiker, Wirtschaft und Wissenschaft zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen aller in Form einer „Multi-Stakeholder-Partnerschaft“ auf.

Das ist zunächst ein starkes Signal, das von hoher UN-Stelle ausgeht. Zu bezweifeln bleibt, ob und inwieweit solchen Absichtserklärungen wirkliche Taten folgen – ein Blick zurück auf die letzten Jahrzehnte und den damit verpassten Chancen, den Klimawandel zu stoppen genügt.

Die sinnstiftende Verknüpfung und der Blick nach Skandinavien

Schaut der Besucher nun genauer auf die Lösungen und Möglichkeiten der einzelnen Länder und Regionen, ergibt sich eine Gemengelage unterschiedlicher Bereiche und Themen. Die Treiber der smarten Stadtvorhaben reichen vom digitalen Zwilling über das digitale Planen und Bauen mittels Building Information Modeling (BIM) bis zu neuen Mobilitätskonzepten. Diese Themenfelder sind für sich keine Neuigkeiten. Wichtig erscheint die sinnstiftende Verknüpfung, um beispielsweise den digitalen Zwilling mit BIM zusammenzuführen oder unterschiedliche Mobilitäts-Silos unter ein funktionierendes Städtedach zu bekommen. Denn das automatisierte Fahren mit Shuttle-Bussen in den Stadtzentren braucht dringend die Verzahnung mit weiteren Verkehrsangeboten zu einem „roten Mobilitäts-Faden“. Das heißt: Wollen Städte autofrei funktionieren, braucht es die mobilen Zubringer in die Zentren und zurück sowie ein flexibles öffentliches Nahverkehrsnetz, inklusive zusätzlicher Mobilitätsangebote. Skandinavische Städte, wie Kopenhagen oder Stockholm, sind hier auf einem guten Weg und machen teils vor, wie autofreie Zentren umsetzbar sind. Die schwedische Hauptstadt Stockholm hat sich darüber hinaus dem ehrgeizigen Ziel verschrieben, bis 2040 fossilfrei und klimaneutral zu werden. Hierzu setzen die Stadtoberen unter anderem auf den starken Ausbau energieeffizienter Gebäude sowie auf nachhaltige Transportlösungen. Der nordeuropäische Weg vieler Städte, Verbünde und Projektinitiativen taugt durchaus als Anschauungsobjekt, wie nachhaltige Stadtentwicklungen umsetzbar sind und nicht nur auf dem Papier festgeschrieben bleiben.

Nicht als Blaupause, aber als Ideenpool und Impuls für das eigene Tun. Dass in diesem Kontext digitale Lösungen und Plattformen eine maßgebliche Rolle spielen können, steht außer Frage. Doch digitales Tun mit dem Vorhaben, nur eine neue Insellösung zu schaffen, dient dem reinen Selbstzweck. Und der lautet meist: Business as usual. Ein Fokus, den es zukünftig stärker zu vermeiden gilt – im Sinne der Städte, unserer Natur und letztendlich der Menschen, die darin leben. Hoffen wir auf das kommende Jahr, wenn der Smart City Expo Word Congress im November 2022 wieder seine Türen in Barcelona öffnet.
 

3795 - Nachhaltige Stadtentwicklungen, nicht nur auf dem Papier
PR/ae
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