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28.11.2020 Andreas Eicher

Bauen, Wohnen, BIM-Methode

Berlin ist immer eine Reise wert, auch weil immer etwas los ist. Manchmal sogar der sprichwörtliche Teufel. Und das, obwohl die Stadt aktuell aufgrund der Corona-Verordnung so ruhig ist wie nie. Doch Politik, Corona-Demonstranten und Kriminelle machen keine Pause. Der alltägliche Wahnsinn tobt – in den (Regierungs-)Häusern und auf den Straßen. Gleiches gilt für die Baubranche mit einem Überbietungswettbewerb bei bestimmten Prestigeobjekten, quer durch die Metropole. Es wird Altes abgerissen oder restauriert und Neues bereits hochgezogen oder geplant. Mit Blick auf Letzteres liest sich das zum Beispiel so: „Sustainable buildings for tomorrow generations.“ Schön für die hippe Generation von morgen. Doch was bedeutet dieses Werbeversprechen für die heutigen Menschen in der Stadt? Nichts Gutes, so jemand beispielsweise eine Wohnung in Berlin sucht.

An Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und grünes Bauen oder Wohnen sind meist nicht zu denken. Im Gegenteil, es wird gekauft und gemietet was der Markt hergibt. Das Interieur und die Lebensqualität – Ansichtssache: von orangefarbenen Fließen im Bad aus den 1970er-Jahren, über die Ölheizung in der guten Stube bis zu undichten Fenstern mit garantiert hohen Heizkosten.

Von Spekulanten, BIM und dem unpopulären sozialen Wohnungsbau

Das alles passiert so, weil der Markt leer ist, weil Immobilienspekulanten, internationale Käufer und hausgemachte Probleme beim sozialen Wohnungsbau für eine massive Verknappung des Rechts auf Wohnen sorgen. Ein Segen für die, die mit der „Ware“ Wohnen Profit machen. Eine Qual für jene, die einfach nur Wohnraum suchen und nicht finden. Damit wird der Gentrifizierung Vorschub geleistet, werden alte Wohnstrukturen zerstört und soziales Ungleichgewicht gefördert. Die Senatsverwaltung hat dies nach eigener Aussage erkannt und schreibt: „Wie in vielen deutschen Großstädten fehlt es auch in Berlin an bezahlbaren Mietwohnungen, insbesondere für Haushalte mit geringerem Einkommen.“ Leider etwas spät: „Die 2014 im Land Berlin wieder eingeführte Wohnungsneubauförderung ist das zentrale Instrument, um sicherzustellen, dass bei steigenden Neubauzahlen auch ein ausreichender Anteil von Mietwohnungen für Personen mit geringem Einkommen entsteht“ [1]. Denn dieses „zentrale Instrument“ hätte viel früher eingesetzt werden müssen.

Die Folge ist ein schleppender sozialer Wohnungsbau, von dem sich viele Städte und Kommunen bereits in den 1980er-Jahren größtenteils verabschiedeten. Infolgedessen wurden ganze Wohnkomplexe an private Investoren verkauft. Gleiches passierte mit Grundstücksflächen, die nunmehr der öffentlichen Hand fehlen.

Sucht man nach den Gründen, sind diese im sozialen Wohnungsbereich fast einzig auf das Geld zurückzuführen (neudeutsch heißt das kosteneffizient). Doch davon ließe sich viel einsparen und gleichzeitig mehr Effizienz gewinnen, würden die Beteiligten konsequent auf das Building Information Modeling, kurz BIM, im gesamten Bauprozess setzen. Während die BIM-Methode ab Ende Dezember 2020 bei Infrastrukturprojekten zur Pflicht wird, hinkt der Hoch- und damit Wohnungsbau hinterher. Längst gibt es Forderungen, auch den sozialen Wohnungsbau mithilfe von BIM zu beschleunigen. Einzig der politische Wille fehlt. Vielleicht gerade deshalb, weil sozialer Wohnungsbau unpopulär ist und sich mit dem regulären Wohnungsbau mehr Geld verdienen lässt.

Wo Geld keine Rolle spielt und Kurzatmigkeit vorherrscht

An anderer Stelle wiederum spielt Geld keine Rolle, werden Prestigeobjekte geplant, gebaut und medienträchtig eingeweiht. So geschehen jüngst mit dem BER – dem Symbolflughafen Berlin-Brandenburg. Nach jahrelangen Planungs- und Baupannen konnten die Betreiber den BER nun endlich eröffnen. Nur, um Wochen später wieder ein Terminal zu schließen. Grund ist Corona und die damit mangelnden Fluggäste. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) schreibt hierzu, dass dem Terminal 5 des BER das vorübergehende Aus drohe. „Wie ein Flughafensprecher dem rbb bestätigte, wird über eine Schließung nachgedacht, weil die Passagierzahlen pandemiebedingt um 90 Prozent gesunken sind“ [2]. Doch abgesehen von der aktuellen Corona-Pandemie und den damit zusammenhängenden Auswirkungen auf den Fluggastbetrieb schleichen sich in Großprojekten gerne Fehlerketten ein. Die werden teuer und bringen das Gesamtplanungskonzept gehörig durcheinander – wie der Fall des BER zeigt. So schreibt das Unternehmen „Amd.Sigma“ auf seinen Seiten: „Flughäfen sind faszinierend und komplex.

Im Idealfall folgt ihre Planung einer Vision, einer durchdachten Strategie, die alle organisatorischen, finanziellen, politischen und sozialen Aspekte berücksichtigt.“ Im Idealfall. „In der realen Welt ist das leider nur selten der Fall. In großen und langlaufenden Projekten herrscht erstaunlich oft eine Kultur der Kurzatmigkeit. Gefragt sind Ad-hoc-Lösungen für aktuelle Probleme, früher oder später geht das Gesamtbild verloren“ [3]. Und genau für dieses Gesamtbild ist dem Unternehmen folgend der Einsatz von BIM bei einem Flughafenprojekt sinnvoll. Dabei geht es unter anderem um das bessere Managen von Komplexität sowie einer optimierten Kommunikation innerhalb des Teams und mit externen Projektpartnern. Zwei Punkte, an denen sich das BER-Projektmanagement in den zurückliegenden Jahren stets die Zähne ausbiss.

Die Suche nach der Langfristigkeit und hohen Investitionen

Mit Blick auf die Gesamtsituation im BIM-Bereich scheint es fast so, als wäre fünf Jahre nach Einführung des BIM-Stufenplans die anfängliche digitale Euphorie im Baubereich etwas verflogen. Zu dieser Erkenntnis kommt beispielsweise Dr. Ilka May, CEO der LocLab Consulting GmbH, die maßgeblich an der Entwicklung des Stufenplans beteiligt war. Gegenüber der Plattform „Build-Ing.“ äußerste sie sich im März dieses Jahrs skeptisch über den weiteren Weg: „Mein persönlicher Eindruck ist, dass es in Deutschland keinen langfristigen strategischen Plan gibt, der darlegen würde, wie viel wir als Industriesektor in die Digitalisierung investieren wollen, was man sich davon verspricht und wie man das Thema eigentlich langfristig bewältigen will“ [4].


Einen ausführlichen Beitrag zum Thema: „BIM: hoch, höher, Hochhausbau“ finden Sie in der gis.Business 6/2020.


Nach Ansicht des „Handwerk Magazins“ hapere es aktuell bei BIM an der Umsetzung. Das Magazin schreibt: „Eigentlich bietet BIM jede Menge Chancen. Doch bei der Umsetzung von Theorie in die Praxis hapert es gehörig. Vom viel beschworenen BIM-Zeitalter ist man aktuell ein gutes Stück entfernt.“

Unter weiter heißt es: „Im Gegenteil gebe es Stillstand, teils sogar Rückschritte und mangelndes Interesse an der neuen Methode“, mit Verweis auf den Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz, Martin Dossmann [5]. Der BIM Monitor 2019 kommt zu dem Ergebnis, dass der Einführung von BIM in Deutschland ein hoher Investitionsaufwand entgegenstehe, „aber auch die Herausforderung eines nötigen Mentalitätswandels“ [6].

Somit versanden gut gemeinte Sätze, wie die vonseiten Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, wenn sie sagt: „Mit BIM Deutschland (Nationales Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens, Anm. d. Red.) schaffen wir die Grundlagen, die Potenziale der Digitalisierung auszuschöpfen und Synergieeffekte zu nutzen“ [7]. Von diesen Synergieeffekten ist beispielsweise die Berliner Senatsverwaltung mit Blick auf den Wohnungsbau ein ganzes Stück entfernt. Zum Leidwesen vieler Menschen mit kleinem Geldbeutel, die schlicht eine Wohnung suchen – ganz gleich, ob in Berlin, Hamburg oder München.

Quellen:

[1] https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/foerderung/index.shtml

[2] https://www.rbb24.de/politik/Flughafen-BER/BER-Aktuelles/akteure_aktuell/2020/11/berlin-brandenburg-schoenefeld-terminal-schliessen-sparen-ber-einbruch-passagiere.html

[3 ] https://www.airport-dm.com/de/news/bim-in-der-konzeptplanung-von-flughaefen.html

[4] https://www.build-ing.de/fachartikel/detail/hoert-auf-nur-ueber-die-effizienz-zu-diskutieren/

[5] https://www.handwerk-magazin.de/bim-aktuell-hapert-es-an-der-umsetzung/150/378/402550

[6] https://www.pressebox.de/pressemitteilung/bauinfoconsult-gmbh/Blackbox-BIM-Neue-Studie-zeigt-die-Nutzergewohnheiten-2019/boxid/962284

[7] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2020/01/bim-digitalisierung-am-bau.html

3505 - Bauen, Wohnen, BIM-Methode
Andreas Eicher