Vom Linksterrorismus als „reales Sicherheitsproblem“ über ein undankbares „Berlin-Bashing“ bis zum „Problem mit zu viel öffentlich verfügbaren Daten“ reichen die politischen Ansichten und Kritiken. Ganz abgesehen von einem mangelnden Krisenmanagement und einer Großschadenslage „waren rund 100.000 Menschen betroffen“, als im Januar 2026 der Strom ausblieb. Dieser Vorfall verdeutlichte einmal mehr: Wir sind auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen – gerade mit Blick auf eine zuverlässige Stromversorgung. Denn ohne diese stehen ganze Wirtschaftszweige still, funktioniert das private Leben nur bedingt. Gleiches gilt für Schienen, Straßen und Wasserwege. Und obwohl sie Schlüsselelemente einer funktionierenden Infrastruktur sind, erfahren sie nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Ein Faktum, das nicht erst seit dem Stromausfall in Berlin bei den Verantwortlichen bekannt sein dürfte. Im Gegenteil. Die politischen Versäumnisse der letzten Jahrzehnte lassen heute mehr und mehr eine marode Infrastruktur zutage treten, die einen zukunftsgerichteten Personen- und Güterverkehr nur schwerlich zulassen. Oder anders formuliert: Unsere Infrastruktur ist eine zunehmende Dauerbaustelle. Sprich, sie ist am Limit.
Blindflug und Sanierungsbedarf
Damit einhergeht ein gewisser Blindflug durch die Projektwelt. Die Risiken eines solchen Vorgehens liegen auf der Hand und reichen von immer längeren Projektlaufzeiten über steigende Kosten bis hin zum Scheitern mancher Infrastrukturprojekte. Ein Umstand, der nicht nur die Stromversorgung betreffen dürfte. Auch Schienen, Straßen und Wasserwege haben massiven Sanierungsbedarf. Die Konrad-Adenauer-Stiftung beantwortet ihre eigene Überschrift „Wie steht es um die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland?“ so: „Gesperrte Brücken, kaputte Schienen und defekte Schleusen: Der sich verschlechternde Zustand der Verkehrswege ist für alle unmittelbar erfahrbar geworden. Für jeden spürbar sind die schwierigen Verhältnisse bei den Straßennetzen. Die schlechteste Gesamtsituation ist jedoch bei den oft übersehenen Wasserstraßen zu beklagen.“ In Zahlen ausgedrückt heißt das laut Tagesschau-Informationen, dass fast 25.000 Kilometer Fernstraßen Schäden haben. Hinzu kommen 5.000 Autobahn- und Fernstraßenbrücken, die nach Informationen der Deutschen Welle – unter Bezug auf das Bundesverkehrsministerium – repariert, abgerissen und neu gebaut werden müssen. Und die Zeit berichtet von fehlenden 2,8 Milliarden Euro „für die Sanierung oder den Ersatz maroder Schleusen, Wehre und Brücken“. Daten, die nach Zeit-Informationen aus „einem internen Papier des Bundesverkehrsministeriums“ stammen.
Analoger Bürokratiedschungel und wenig dynamische Umsetzungsprozesse
Nun setzt die Bundesregierung mit dem sogenannten Sondervermögen, sprich den Sonderschulden, auf Investitionen von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur und zum Erreichen der Klimaneutralität. Ein Teil dieser Summe soll auch der Verkehrsinfrastruktur zugutekommen. Ob die Milliardenausgaben in absehbarer Zeit etwas am Zustand der Infrastruktur ändern werden, bleibt allerdings offen. Denn Straßen-, Schienen- und Wasserwegebau brauchen viel Planung und noch mehr Zeit, vor allem in einem überregulierten Land wie dem unseren. Und so schwanken die hiesigen Infrastrukturansprüche zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen dem Unmöglichen und dem Möglichen hin und her. Dabei müsste die Devise bei Infrastrukturprojekten im Personen- und Güterverkehr längst lauten: Alles muss, nichts kann. Das heißt, weniger im Konjunktiv des alles können, aber nichts müssen. Denn eine zukunftsfähige (Wasser-)Straßen- und Schieneninfrastruktur ist alternativlos. Hiervon sind wir aktuell weit entfernt – ganz abgesehen von einer umfassenden, vernetzten und zielgerichteten Digitalisierung im vielfach analogen Bürokratiedschungel der Verkehrsinfrastruktur. Die Fraunhofer-Gesellschaft drückt es mit Blick auf die Hemmnisse bei der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur etwas diplomatischer aus. „Die größte Herausforderung stellen die wenig dynamischen Umsetzungsprozesse dar, darunter langwierige und komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau und Erhalt der Infrastruktur. Auch strengere Umweltauflagen und mangelnde Digitalisierung und Virtualisierung erschweren und verlangsamen innovative und zukunftsfähige Lösungen.“ In Summe sind das die Gründe für unsere Infrastruktur am Limit.