Wissenschaft & Forschung

Satellitengestütztes Blitzmesssystem rechtzeitig zur Gewittersaison

Vorbetriebliche Daten des ersten satellitengestützten Blitzmesssystems in Europa werden heute veröffentlicht, gerade rechtzeitig zum Beginn der Sommergewitter.

Dieses Bild zeigt das volle Sichtfeld des MTG-I1 Lightning Imager und deckt etwa 84 Prozent der sichtbaren Erdscheibe ab. Bild: Eumetsat

Meteorologen aus ganz Europa und darüber hinaus haben heute rechtzeitig zur Sommergewittersaison mit dem Empfang von vorbetrieblichen Daten des ersten satellitengestützten Blitzmesssystems in Europa begonnen.

Die europäische Agentur für die Nutzung meteorologischer Satelliten, Eumetsat, hat mit der Veröffentlichung von Daten des Instruments auf dem Satelliten MTG-I1 (Meteosat Third Generation – Imager 1) begonnen, der Ende 2022 ins All befördert worden war. Der Lightning Imager wurde von der Firma Leonardo gebaut.

Satellitengestütztes Blitzmesssystem

Meteorologen aus Europa und Afrika hätten damit zum ersten Mal Zugriff auf Daten dieser Art. Man gehe davon aus, dass sie ihnen helfen würden, die Entstehung, den Verlauf und die Schwere der Gewitteraktivität zu überwachen und vorherzusagen, sagte Phil Evans, Generaldirektor von Eumetsat. Dies seien entscheidende Informationen, um Menschen in ihren Gemeinden und wichtige Branchen wie beispielsweise die Luftfahrt bei Unwetterereignissen zu schützen.

Vor schweren Gewittern gibt es häufig abrupte Veränderungen der elektrischen Aktivität in der Atmosphäre. Durch Beobachtung dieser veränderten Aktivität ermöglicht der Lightning Imager den Meteorologen genauere Vorhersagen schwerer Gewitter.

Der Lightning Imager auf dem MTG-I1 ist mit vier Kameras ausgestattet, deren Sichtfeld Europa, Afrika, den Nahen Osten und Teile von Südamerika und den größten Teil des Atlantiks erfasst. Die Kameras beobachten ständig die Blitzaktivität aus dem Weltraum und können 1.000 Bilder pro Sekunde aufzeichnen. Damit kann sogar ein einzelner Blitz erkannt werden, der mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbar ist.

Eumetsat hat mit der Weitergabe der Daten an die Wetterdienste seiner Mitgliedsstaaten und weitere Nutzer begonnen. Eumetsat stellt die Daten aber auch Wetterdiensten in Afrika und in anderen Regionen zur Verfügung, in denen die Kapazitäten zur Blitzerkennung durch Beobachtungsmöglichkeiten am Boden begrenzt sind.

Die Weitergabe erfolgt derzeit im Rahmen der Vorbereitung auf die offizielle Inbetriebnahme. Das bedeutet, dass die Daten zwar in gleicher Qualität vorliegen wie für den operativen Einsatz, dass es jedoch zu Unterbrechungen für Tests oder Software-Upgrades kommen könnte.

Im Sommer entstünden in Europa häufig Gewitter, sagte Evans. Deshalb sei das ein günstiger Zeitpunkt, Meteorologen die Daten des Lightning Imager zur Verfügung zu stellen. Die Rückmeldungen, die sie dazu erhielten, unterstützten sie bei der Validierung der Daten in der zweiten Jahreshälfte, wenn man zum operativen Einsatz wechsle. Man gehe davon aus, dass die Umschaltung auf den operativen Einsatz nahtlos und ohne Unterbrechung für die Nutzer vonstatten gehen werde.

Damit die Anwender alle Vorteile aus den Daten des Lightning Imager optimal nutzen können, wird Eumetsat dazu Schulungen anbieten.

Weitere Informationen unter www.eumetsat.int

 

Keywords: Geo-IT, Geodäsie, Geoinformation, Geo, Geoinformatik, GI, Eumetsat, Gewitter, Blitze, Blitzmesssystem