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Am Puls der Stadt heißt: smart, mobil und vernetzt (Teil 1)

Kommunales GIS-Forum 2020 – eine Nachlese in drei Teilen

Andreas Eicher
Andreas Eicher 04.12.2020

Die Südwest-Presse titelte in einem Beitrag von 2017: „Die Donau – ein Grenzfluss, der zwei Städte verbindet.“ Gemeint sind Neu-Ulm und Ulm an der „Nahtstelle zwischen Bayern und Baden-Württemberg“, wie es Philipp Willkomm zur Begrüßung des „Kommunalen GIS-Forums“ am 17. November formulierte. Ein eintägiges Forum, in normalen Zeiten als Präsenzveranstaltung durchgeführt. Doch was ist schon normal in diesen Zeiten und so eröffnete Willkomm in seiner Funktion als 2. Vorsitzender des Runden Tisch GIS e. V. einen virtuellen Konferenztag.

Das zentrale Thema: intelligente Stadtvorhaben im Kontext der Digitalisierung. Damit diese Smart-City-Projekte keine theoretischen Platzhalter bleiben, braucht es den Einsatz moderner Technologien. Seien es GIS-Lösungen, Open-Data-Strukturen oder Sensoren am jeweiligen „Puls der Stadt“. Also passieren wir die Stadtschilder und schauen rein in die Praxis gelebter Smart-City-Projekte und kommunaler Anwendungen.

Bereits zu Beginn des Kommunalen GIS-Forums wurde deutlich, dass Städte und Kommunen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen. Und das sowohl in puncto digitaler Strukturen, der Vernetzung und dem Umgang mit wachsenden Datenbeständen. Denn „all die unterschiedlichen Blicke auf das große Thema der Digitalisierung von Stadt und Verwaltung werfen ihre Schatten und ihre Daten auf uns“, wie es Jörn von Lucke in seiner Keynote zum Thema: „Vom Europäischen Datenraum zu urbanen Datenräumen“ formulierte. J. von Lucke, Professor am Open Government Institute der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, ergänzt: „Insbesondere mit Blick auf smarte Objekte, die Sensoren haben und Sensordaten sowie smarte Daten generieren, müssen wir uns die Frage stellen, welche wir davon haben möchten.“ Die Herausforderung der kommenden Jahre liege seiner Meinung nach unter anderem in der Gestaltung des Internet der Dinge im öffentlichen Raum. Hieran schließt sich die Frage nach den Schwerpunkten und Grenzen an. Gerade bei den Grenzen gehe es nach J. von Luckes Worten auch darum, Regulierung dort walten zu lassen, wo Schaden von der Gesellschaft, der Wirtschaft und uns als Bürgern abgewendet werden müsse. Ein dringliches Anliegen bei einer Vorausschau auf Städte, in denen wir in naher Zukunft mehr smarte Objekte bekommen, die kommunizieren wollen – sei es über Satellit oder Glasfaser. Im Grundsatz geht damit die Frage einher: Gibt es zukünftig nicht bessere Wege und Möglichkeiten, um diese Objekte im städtischen wie auch ländlichen Raum intelligenter miteinander zu vernetzen?

Im Kern seien damit nach J. von Luckes drei große Themenfelder verknüpft. Zum einen steht die Frage im Mittelpunkt, welche smarten Objekte mit Sensoren haben wir im urbanen sowie ländlichen Raum und wie erschließen wir diese. Eine zweite große Herausforderung besteht darin, diese über Netzwerke zu erschließen. Und drittens steht die Frage nach den Plattformen im Zentrum der Überlegungen. Das heißt, wo werden Daten gesammelt, visualisiert und analysiert, um diese zu nutzen. „Hier sehe ich vor allem die GIS-Plattformen“, so J. von Lucke.

Das hat zur Folge, dass Verantwortliche sich auch Gedanken darüber machen müssen, wie Plattformen im Kontext smarter Städte, Landkreise und ländlicher Räume zukünftig aufgebaut werden müssen. Für J. von Lucke sollte das Ganze nicht mit „Plattform-Urbanismus“, sondern „Plattform-Regionalismus“, betitelt werden. Ein wichtiges Anliegen nach J. von Luckes Ansicht, denn smarte Objekte hätten längst in allen Bereichen des privaten und beruflichen Lebens um sich gegriffen. Ein Beispiel solch smarter Objekte ist das Smartphone. Das tragen wir in unseren Hosen- und Handtaschen permanent mit uns. J. von Lucke nennt es eine „Datenschleuder“. Und dieses smarte Objekt ist längst im urbanen wie ländlichen Raum verankert. Am Ende geht es bei allen Überlegungen zu smarten Daten auch um den Datenschutz und ethische Grundsätze. Seiner Ansicht nach seien in diesem Kontext Leitlinien wichtig. Damit eng verwoben muss eine klare Datenstrategie sein; ganz nach dem Motto: Gestalten und nicht nur Verwalten. J. von Lucke beschreibt den Gesamtprozess als Leitplanken setzen, um die Orientierung nicht zu verlieren, und verweist auf Ulm und dessen Datenhub als ein gutes Beispiel smarter Datennutzung.

Von Daten- und Mobilitätsbrücken

Mit eben diesem Fokus auf Ulm zeigte Nora Lütge in ihrem anschließenden Vortrag, wie „Ulmer Daten für den Ulmer Datenraum“ im realen Betrieb genutzt werden. Dabei können die Verantwortlichen der Stadt Ulm bereits auf eine über zehnjährige Erfahrung im Umgang mit Open Data zurückblicken. Aktuell läuft innerhalb Ulms ein Relaunch der städtischen Geodateninfrastruktur(GDI)- und Open-Data-Plattform. Dies war nach N. Lütges Worten notwendig, da Standard-Funktionalitäten fehlten und neue Anforderungen an die Plattform existieren. Das Ganze soll in einer größeren Standardisierung und Vereinheitlichung münden sowie in besseren Prozessen in der Automatisierung – inklusive einer optimierten Aktualisierung von Daten und deren Bereitstellung. „Das Ziel war es, auf Standardsoftware sowie standardisierte Schnittstellen zu setzen und uns um bessere Voraussetzungen für automatisierte Bereitstellungsprozesse zu kümmern“, so N. Lütge. Und sie ergänzt: „Denn genau bei diesen Prozessen hat es gehakt.“ Konkret hieß das bis dato bei der Stadt Ulm aufwendige Prozesse zu fahren – sowohl in den Fachabteilungen, die Daten bereitstellen, als auch in der GDI-Abteilung, wo die Daten weiterverarbeitet werden.

Parallel setzen die Verantwortlichen im Zuge des Smart-City-Projekts „urbane Datenplattform“ auf die Vernetzung der Datenpotenziale von Stadtgesellschaft und -verwaltung mit dem Aufbau einer eigenen Datenplattform. Überlegungen und Umsetzungen, die Teil der Smart-City-Gesamtstrategie der Stadt Ulm sind und vom Bund im Rahmen des Modellprojekts „Smart Cities“ gefördert werden. Im Mittelpunkt steht die nachhaltige und intelligente Gestaltung der Digitalisierung. Folgerichtig heißt es hierzu auf den Internetseiten der Stadt Ulm: „Die Blaupause für die Smart-City-Strategie ist eine Stadt im Umbruch. (…) Strukturelle, gesellschaftliche und demografische Veränderungen bieten neue Herausforderungen für die Stadtentwicklung, aber auch neue Chancen für digitale Lösungen.“ In diesem Kontext bewege sich die Stadt Ulm nach den Worten von Co-Referent Florian Apel-Soetebeer (City & Bits GmbH) seit einigen Jahren in Richtung einer Zukunftsstadt. „Es fällt auch der Begriff der Zukunftskommune“, so F. Apel-Soetebeer.

Bei der technischen Umsetzung baut Ulm auf die Lösung namens urbane Datenplattform. Auf ihr fließen Daten von Sensoren und Aktoren des öffentlichen sowie privaten Raums zusammen. Die wichtige Brücke dafür stellt Inspire bereit. Mit dem neuen „Datenweg“ übersetzt die Inspire-Bridge ISO-konforme Metadaten in den neuen Standard für offene Daten DCAT-AP.de. N. Lüdtge: „Somit kommen die offenen Verwaltungsdaten in einen größer gefassten Ulmer Datenraum.“ Die Inspire-Bridge ist bereits auf unterschiedlichen Ebenen im Einsatz – sei es auf europäischer Ebene, beim Bund, den Ländern und auf kommunaler Ebene.

Brücken im übertragenen Sinne baut auch die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH, kurz NVBM, in ihrer täglichen Arbeit. Genauer gesagt berät und unterstützt die NVBM das Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg seit 1995 mit dem gemeinsamen Ziel: das Land zur Pionierregion für nachhaltige Mobilität zu machen. In ihrem Vortrag: „MobiData BW – Bündelung von Mobilitätsdaten in Baden-Württemberg“ verdeutlichten Julia Käfer und Clemens Behr, NVBW, Team Digitale Mobilität, das breit gefächerte Aufgabenspektrum mit Blick auf zukünftige Mobilitätslösungen. Dieses erstreckt sich von der Planung und Entwicklung von Verkehrsangeboten über Informationssysteme zur Mobilität bis zur Förderung neuer Mobilitätbereiche.

C. Behr beschreibt die damit verbundenen Ziele in Baden-Württemberg als ambitioniert. Für C. Behr gehe es übergeordnet darum, die Emissionen im Verkehr um 40 Prozent bis ins Jahr 2030 zu reduzieren. Konkret heißt das: Mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mehr klimaneutrales Auto fahren, sowie selbst aktiv zu sein – sei es mit dem Rad oder zu Fuß. Dies muss über ein gutes Informationsangebot an die Bürger herangetragen werden. Für C. Behr geht es darum, „den Bürgerinnen und Bürgern über Daten das zukünftig noch bessere Mobilitätsangebot aufzuzeigen“. Das dahinterstehende Ziel heißt Mobilitätswandel und nachhaltige Effekte im Verkehr. Um diesen Weg optimal zu unterstützen, entwickelte die NVBW die Mobilitätsplattform „MobiData BW“. Die seit September 2020 zugängliche Plattform bündelt unter anderem Informationen zur Verkehrssteuerung von Kommunen, Betrieben im Umfeld der öffentlichen Hand. Zudem stellt MobiData BW den Open-Service-Gedanken als Grundlage einer vernetzten Mobilität in den Mittelpunkt.

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