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Am Puls der Stadt heißt: smart, mobil und vernetzt (Teil 2)

Kommunales GIS-Forum 2020 – eine Nachlese in drei Teilen

Andreas Eicher
Andreas Eicher 11.12.2020

Im zweiten Teil unserer Nachlese zum Kommunalen GIS-Forum 2020 geht es unter anderem um die vernetzte Mobilität von heute und morgen, um das Bikesharing sowie den digitalen Zwilling. Lessons Learned: Die Herausforderung liegt nicht in der Vernetzung der Daten, sondern in vernetzten Mobilitätsangeboten – im Sinne der Stadtbevölkerung. Wen wundert es, dass ein Slogan heißt: „Mobilität neu denken“.

Apropos vernetzte Mobilität. Zu diesem Schwerpunkt referierte Ansgar Engbert von der Stabsstelle Klimaschutz in Herrenberg. Konkret ging es in seinem Vortrag um das Projekt „stadtnavi“, das als Open-Source-Projekt für eine vernetzte Mobilität in Städten, Landkreisen und Gemeinden steht.

Mobilitätsplattformen, offene Daten ...

Unter dem Slogan: „Mobilität neu denken“ entwickelte die Stadt Herrenberg stadtnavi, eine intermodale Mobilitätsplattform, auf Basis des finnischen Digitransit-Projekts. Projektkoordinator A. Engbert sieht das erklärte Ziel in reduzierten Stickstoffbelastungen. Auf den eigenen Seiten heißt es denn auch: „Das Modellprojekt für vernetzte Mobilität in Herrenberg.“ Und weiter: „Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderte Projekt für saubere Luft hat die Entwicklung einer mobilen Webplattform ermöglicht, die das Potenzial hat, schnell, umweltfreundlich und völlig anonym von A nach B zu navigieren.“ Zu den eingebundenen Datenquellen zählen neben MobiData BW und „RegioRad Stuttgart“ beispielsweise auch der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart und die Mitfahrzentrale „mifaz.de“. Geplant sei zudem die Einbindung des Sharing-Anbieters „OpenBike“, Echtzeitinformationen über die Auslastung von Bussen oder zu Glatteiswarnungen. Wichtig sei nach A. Engberts Worten, dass die Plattform auch auf weitere Kommunen und Landkreise ausgeweitet werden könne. Denn „Mobilität endet nicht an der Stadtgrenze“, resümiert A. Engbert. Moderator Dr. Klaus Brand, Vorstandsmitglied des Runden Tisch GIS, ergänzt in diesem Zusammenhang: „Die Herausforderung beim Thema der Mobilität ist nicht nur die Vernetzung von Daten, sondern auch von Angeboten.“ Und das im Sinne der Bürger.

Von Daten, dem Angebot und der Verknüpfung im Mobilitätsumfeld handelte ein weiterer Vortrag: „Geteilte Mobilität steuern – oder einfach selber machen!“ So lautete der Beitrag von Katharina Schweiger und Constantin Müller, Geschäftsstelle „Digitale Agenda“ der Stadt Ulm. Die Digitale Agenda versteht sich als ein interdisziplinär zusammengesetzter Bereich. Hierzu gehören Experten aus unterschiedlichen Feldern – von der Informatik und den Sozialwissenschaften über die Kulturwissenschaften und dem Bereich Ingenieurwesen bis zu Verwaltungsfachkräften der Disziplin einer nachhaltigen Unternehmensführung. Ziel ist es, innovative digitale Lösungen für und mit den Bürgern Ulms umzusetzen. Ganz in diesem Sinne entwickelte das Projektteam eine OpenBike-Lösung. Das Bikesharing-System ist in das Open-Source-Projekt Digitansit integriert. Die Verantwortlichen schreiben hierzu auf ihren Projektseiten: „Die Entwicklung in Ulm soll ausführlich dokumentiert werden, damit Digitransit von anderen Kommunen auf deren Testfall angepasst und verwendet werden kann.“ Ein wichtiges Fundament bei einem solchen Projekt ist die Datenbasis. Das weiß auch Projektkoordinatorin K. Schweiger, wenn sie sagt: „Was man in einem solchen Projekt braucht, um eine solche Plattform zu füllen, sind Daten. Und zwar im Idealfall offene Daten.“ Die Daten sollten nach Ansicht K. Schweigers auch in anderen Mobilitätsprojekten einsetzbar sein, um die notwendige Verkehrswende voranzubringen. Dabei sei es ihrer Meinung nach gar nicht so leicht an interessante Daten zur Mobilitätslage zu gelangen. Doch genau diese Daten sind das A und O auf dem Weg zu intelligenten Sharing-Systemen im Sinne einer digitalen Mobilität und letztendlich neuen Mobilitätskonzepten in den Städten. Constantin Müller fügt hier die wichtige Funktion der GPS-Nachverfolgung und die daraus abgeleiteten Daten an. Denn als Anbieter möchte man beispielsweise wissen, wo sich die Fahrräder befinden und wie viele überhaupt im Umlauf sind. Zudem dient ein GPS-System als Diebstahlschutz. Softwareentwickler C. Müller unterstreicht die Notwendigkeit einer guten Datenbasis – nicht nur mit Blick auf GPS-Informationen – im Gesamtprozess: „Wir wollen als Stadt die Daten haben, um eine verknüpfte Mobilität bereitzustellen.“

… und der digitale Zwilling

Dass Städte vor großen Herausforderungen mit Blick auf die Mobilität stehen, verdeutlichte auch der Vortrag zur Mobilität in Stuttgart. Hierzu referierten Markus Müller und Sven Hollenbach vom Stadtmessungsamt Stuttgart, Abteilung Geoinformation und Kartografie, zum Thema „Förderprojekte Mobilität und Umwelt: von der Datendrehscheibe zum digitalen Zwilling“. Mobilität sei nach den Worten M. Müllers schon lange ein Schwerpunktthema in Stuttgart. Hintergrund sind die vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Landeshauptstadt steht – angefangen bei der Kessellage über den schlechten Luftaustausch bis zu hohen Emissionsbelastungen. Bereits seit 2006 setzt Stuttgart auf die Integrierte Verkehrsleitzentrale Stuttgart (IVLZ). Nach M. Müllers Ansicht biete das IVLZ einen integrativen Ansatz, der so in diesem Umfang deutschlandweit einzigartig sei. In die Verkehrsleitzentrale sind eine ganze Reihe unterschiedlicher Stellen eingebunden, vom Amt für öffentliche Ordnung sowie dem Tiefbauamt über die Stuttgarter Straßenbahnen bis zur Polizei.

Hinsichtlich aktueller und zukünftiger Mobilitäts- und Umweltfragen ist Stuttgart an vielen Projekten beteiligt. So unter anderem an der „Datendrehscheibe Mobilitäts- und Umweltdaten“ und am Thema „Digitaler Zwilling Mobilität und Umwelt“. M. Müller verwies darauf, dass er und seine Kollegen keine Mobilitätsexperten seien, sondern mit der GIS-Brille auf die Themen blickten. Während das Projekt der Datendrehscheibe bereits 2021 endet, befindet sich das Projekt zum digitalen Zwilling erst am Anfang, sprich in der Konzeptionsphase. Wichtige Bausteine innerhalb des Projekts zum digitalen Zwilling sind unter anderem ein „Digitaler Schatten“ (Abbildung der Veränderungen der Realwelt im Datenbestand), ein „System aus Systemen“ mit einer Modellierung, Simulation und Steuerung der Realwelt, sowie ein „Umsetzungs- und Innovationsmanagement“. Letzteres befasst sich mit der Projektleitung, Öffentlichkeitsarbeit und Akzeptanzförderung. Als Beispiel für den „Digitalen Schatten“ diente die Integration von Echtzeitdaten mit den übergeordneten Punkten einer Integration bestehender Sensornetzwerke sowie in der Erschließung neuer Sensornetzwerke. In einem Ausblick verwies der Vortrag schlussendlich auf die Ziele der unterschiedlichen Projektphasen – die 2024 in einer Verkehrsflussoptimierung und einem Simulationslabor münden sollen.

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