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Neulich, als ich das Geosystems User Group Meeting besuchte

Frank Stuwe
Frank Stuwe 07.12.2017

Gehört man in den D-A-CH-Ländern zu den Erdas Imagine Usern, so hat man unweigerlich mit der Geosystems GmbH in Germering zu tun.
Geosystems ist in den deutschsprachigen Ländern der Vertreiber/Supporter von Erdas Imagine. Das war schon so, als Erdas noch nicht zur Hexagon Gruppe gehörte, das ist jetzt – wo Erdas zu Intergraph und Intergraph zu Hexagon gehört – immer noch so. Und wie eh und je veranstaltet Geosystems im Herbst des Jahres ein zweitägiges Nutzertreffen, ein Forum für Weiterbildung und fachlichen Erfahrungsaustausch, wie es auf der Homepage zu lesen ist. Auf diesem Treffen hat man die Möglichkeit, die sympathischen Leute von Geosystems (und somit die deutschsprachigen Stimmen hinter Erdas Imagine) kennenzulernen, sich mit anderen Anwendern auszutauschen, interessante Fachvorträge aus dem Arbeitsalltag zu hören und in kleinen Workshops Funktionalitäten von Erdas Imagine gezeigt zu bekommen oder aber etwas über Neuerungen im Softwareportfolio und in neuen Softwareversionen zu erfahren.
In der Summe also ein lohnenswertes Treffen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das UGM aus der Nähe anschauen. Ich kann es empfehlen. Wann habe ich eigentlich zum ersten Mal dieses Treffen besucht? Auf der Rückfahrt ins Rheinland überkam mich dieser Gedanke. Eine Antwort bekam ich aber erst zuhause. In meinen Unterlagen entdecke ich Programm und Anmeldung für das Nutzertreffen 2005. Zwölf Jahre ist das her. Wow, damals gab es noch nicht mal das IPhone. IPAQ und das Nokia N90 mit drehbarem Display hießen seinerzeit die Top-Smartphones. Vielleicht ist das ein guter Aufhänger für diesen Blogeintrag. Worüber ich nämlich seit den Tagen des UGM nachdenke ist die Frage, warum ich dieses Mal wenig über klassische Erdas-Imagine-Anwendungen vorgetragen bekam. Themenschwerpunkt war vielmehr die – scheinbar neue (oder andere) – Ausrichtung von Erdas bzw. Hexagon in Richtung modularer Anwendungen mit dem Spatial Modeler und deren Verteilung über Geodienste. Damit steht die Entwicklung der Software sinnbildlich für die Entwicklung der Arbeiten in der Datenbereitstellung, Verteilung und Aufbereitung.
2005 war es noch notwendig, selbst zu mosaikieren und zu georeferenzieren oder radiometrisch zu arbeiten. Betrachte ich das Programm von damals, so hießen die Programmpunkte unter anderem:

  • Neue Funktionen im Stereo Analyst für ArcGIS und in Image Analysis für ArcGIS
  • Laserscandaten-Verarbeitung – ein möglicher Workflow von den Rohdaten zum DGM
  • Triangulation von großen Blöcken – LPS und Orima
  • Sensor-Merge in Erdas Imagine unplugged
  2017 ist das kaum noch die Standardarbeit eines Photogrammeters oder Geoinformatikers im Arbeitsfeld eines größeren Betriebs oder einer Behörde, die nicht selbst befliegt, sondern Bilddaten extern bezieht. Georeferenzieren? Radiometrische Arbeiten? Diese Tätigkeiten werden weniger, weil Bildprovider sie gleich mit übernehmen oder sie soweit automatisiert sind, dass es dazu fast nichts mehr zu sagen gibt.
Satellitenbilddaten werden mit Raumbezug angeboten, der in seiner Genauigkeit für viele Fernerkundungsprojekte ausreicht, Luftbilddaten der Landesvermessungsämter sind über ihre Portale „fix und fertig“ zu beziehen. Immer häufiger − und in Zukunft wahrscheinlich noch mehr − werden die handwerklichen Arbeiten „am Bild“ geringer. Ausgenommen davon sind natürlich eigene Projektarbeiten der Fernerkundung wie Klassifikationen oder GIS-Analysen. Somit liest sich die Agenda 2017 dann auch ein wenig anders. Neben anderen Themen gab es Fachvorträge zu:
  • Spatial Modeler als plattformübergreifendes Tool in Erdas Imagine, GeoMedia, Erdas Apollo und Smart M.Apps
  • Pflege Ihrer Basisdaten: wie Sie Veränderungen effektiv erkennen und darauf reagieren
  • eWSM + Smart M.App – einfache Visualisierung dynamischer Daten in der Forstverwaltung
  • Bereitstellung maritimer Lageinformation in naher Echtzeit auf Basis von Fernerkundungsdaten
Automatisierte Verarbeitungsketten ist das Motto, das hinter all diesen Punkten steht. Aber, oh ha − was war 2005 genauso auf der Liste wie 2017? Der Borkenkäfer, man glaubt es kaum. Alles hat sich aber scheinbar nicht geändert. Hieß es 2005 in einem Programmpunkt „Automatisierte Erfassung von Borkenkäferschadflächen mit Hilfe von Satellitenbildern“, so war das Thema 2017 mit der Überschrift „Detektion von Borkenkäferbefall an Fichte mit Fernerkundungstechniken – Anforderungen der forstlichen Praxis und aktuelle Forschungsfragen“ ähnlich gelagert im Programm. Der Borkenkäfer. Ein Evergreen! Weitere Informationen zum Geosystems User Group Meeting 2017 finden Sie unter www.geosystems.de. Frank Stuwe
GIS is it
gisisit.wordpress.comWeiterlesen


#YII2017 – Drei Tage geballter Input

Die „Year in Infrastructure“-Konferenz fand in diesem Jahr im Marina Bay Sands in Singapur statt – einem Resort das sich selbst seit 2010 zu den Gewinnern der „Be Inspired Awards“ zählen darf. Singapur darf sich aber wohl nicht nur deswegen zurecht als Smart City und Smart Nation bezeichnen. Tag 1 der offiziellen Konferenz begann mit der Corporate Keynote von Greg Bentley und drehte sich um die Fortschritte im Bereich des Building Information Modeling (BIM) durch die Digitalisierung. In diesem Zusammenhang sprach er über die Vernetzung von Daten und die Gedanken hinter Conceptioneering, Constructioneering, Inspectioneering und Operationeering. Constructioneering war bereits letztes Jahr ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der strategischen Partnerschaft mit Topcon. Diese wird zukünftig noch um eine gemeinsame Constructioneering Academy erweitert. Im Bereich des Inspectioneering ist das Bureau Veritas Partner von Bentley Systems. Im Anschluss an die Coporate Keynote übernahm Helmuth Ludwig, Global Head of Information Technology bei Siemens, das Wort und berichtete über die zunehmende Digitalisierung in allen Bereichen von Infrastruktur und die Rolle, die Unternehmen für digitale Workflows und digitale Städte spielen. Auf einem Chart zeigte er die verschiedenen Stati von Infrastruktur. Infrastruktur 4.0 ist demnach eine voll integrierte, intelligente Infrastruktur – so wie in Singapur. Wo steht Deutschland? Was meinen Sie? Die Session am Nachmittag war den ersten Präsentationen von Finalisten gewidmet. Unglaubliche viele asiatische Projekte, einige amerikanische Projekte sowie Projekte aus Australien, Russland, Großbritannien, Schweden und einigen weiteren europäischen Ländern. Leider hat es nur ein deutschsprachiges Unternehmen in die Runde der 51 Finalisten geschafft: Das Schweizer Unternehmen Raymond Vogel Landschaften AG stellte die Landschaftsplanung für ein neues und einmaliges Wasserkraftwerk in Hagneck (Nähe Bern) vor. An Tag 2 referierte Corey Sanders von Microsoft äußerst erfrischend über die Cloud-Lösung Azure und wie diese bei Bentley integriert ist, welche Sicherheitsmaßnahmen Microsoft für eine 99,99%ige Erreichbarkeit ergreift und welche Komponenten Teil der Lösung sind. Immerhin 90 % der „Fortune 500“-Unternehmen nutzen die Cloud von Microsoft, so C. Sanders. Im Anschluss folgte die Technology Keynote von Bhupinder Singh, Chief Product Officer, und Keith Bentley, Gründer und Chief Technology Officer bei Bentley Systems. Keith Bentley berichtete davon, wie er vor etwa 35 Jahren von Bill Gates vom „Personal Computer“ gehört hat, diese einmalige Chance gesehen und für Bentley ergriffen hat. Während es früher einen Rechner für viele Anwender gab, machte es der PC möglich, dass jede Person einen eigenen Rechner nutzen kann. Durch Cloud-Lösungen ist es nun wiederum möglich, dass eine Person auf die Rechenleistung vieler weiterer Computer zugreift. Dem trägt auch Bentley Rechnung und ergreift die „zweite einmalige Chance“, um die neue Cloud-Plattform iModel 2.0/iModelHub für digitale Workflows vorzustellen. „Speichern Sie die Änderung, nicht das Ergebnis der Änderungen.“ (Keith Bentley) Auch dieser Tag war im Anschluss den Präsentationen der Finalisten gewidmet, denn deren Präsentation vor den Teilnehmern und Juroren entschied letztendlich über Gewinnen und Verlieren bei der Award Ceremony. In der Product Keynote gestern stellten verschiedene Produktmanager von Bentley die neusten Software Releases innerhalb der Connect-Edition und deren Einsatzgebiete vor, beispielsweise WaterGEMS, SewerGEMS und OpenPlant für den Bereich Wasser und Abwasser oder AEOCOsim Building Designer für Flughäfen. Das Besondere in allen Anwendungen ist die große Auswahl an vordefinierten Komponenten, die Zusammen mit den herstellenden Unternehmen entwickelt und integriert wurden. Im anschließenden Podium der strategischen Partner (Alliance Partner Panel) sprachen Microsoft, Siemens, Topcon und Bureau Veritas über ihr Business und ihre Partnerschaft mit Bentley: „Ein Unternehmen kann nicht alle Probleme lösen. Wir müssen alle zusammenarbeiten.“ Im „Alliance Partner Pavillion“ konnten sich alle Teilnehmer im Anschluss an den Ständen der Partner noch genauer über deren Produkte informieren. Ebenfalls Teil der Ausstellung war die „Station IX“ (links unten im Bild), ein „Virtual Reality Theater“ in dem mittels Projektion eine 220-Grad-Sicht (horizontal; 42 Grad vertikal) ermöglicht wird, um ein möglichst realistisches Eintauchen in das Modell für bis zu drei Personen gleichzeitig zu ermöglichen. Am Abend fand dann die Verleihung der Be Inspired Awards im festlichen Rahmen statt. Die Liste der nominierten Unternehmen/Projekte und die Sieger stellen wir Ihnen in den kommenden Tagen als News zur Verfügung. Leider blieb das Schweizer Projekt aber ohne Auszeichnung. Heute nun werde ich mich vor meinem Rückflug noch einmal selbst davon überzeugen, wie „smart“ Singapur ist – und natürlich im Anschluss hier im Blog berichten. Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Year in Infrastructure Conference – Media Day

Auch in diesem Jahr habe ich das Glück auf der "Year in Infrastructure Conference" von Bentley Systems dabei sein zu dürfen. Bereits am Samstagabend begann meine Anreise von Frankfurt über Helsinki nach Singapur. Und schon in Frankfurt konnte ich zufällig einen Blick darauf erhaschen, was mich an meinem Ziel erwartet:
„Singapur – eine echte Smart City“ titelte das französische Magazin „Voyages d’Affaires“. Suchte ich in Frankfurt noch lange nach einer Möglichkeit mein Handy zu laden, erwarteten mich in Helsinki ganze Sitzreihen, die dazu einluden Geräte aufzutanken. Auch neu für mich: Die Kameras, die es mir als Fluggast ermöglichen den Start, den kompletten Flug und die Landung durch eine Kamera am Heck und eine Kamera auf der Unterseite des Flugzeugs zu sehen. Und das zusätzlich zur genauen Flugroute und Position auf einer 3D-Karte. Vom Flughafen ins Hotel musste es dann schnell gehen: Landung um 16:40 Uhr, Start des Media Dinners um 18 Uhr. Dazwischen umziehen und frisch machen, denn immerhin kam ich aus 10° in Frankfurt zu 30° in Singapur. Für das Media Dinner hat sich Bentley Systems ein tolles Ambiente ausgesucht: Das Ce La Vi auf dem Dach des Marina Bay Sands. Trotz leichtem Regen ein wunderbarer Ausblick. Aber ich konnte es kaum glauben: Die Luftfeuchtigkeit in Singapur ist derart hoch, dass das Objektiv meiner "großen" Kamera permanent anläuft. Da half auch kein Wischen. Der gestrigen Montag widmete Bentley dann den 130 Pressevertretern aus 28 Ländern. Aiden Mercer berichtete in seinem Presse-Briefing zum Thema „Buildings and Campuses“ über die Herausforderungen und die Reise auf der Reise zur Digitalisierung. Überhaupt wird „Going Digital“ auf der diesjährigen Konferenz großgeschrieben. Dazu gehört natürlich auch das Thema Virtual Reality, das wir gleich selbst ausprobieren durften mit 360°-YouTube-Videos und einer dazu passenden Brille, die auf unseren Stühlen bereitlag. Im Anschluss an die Pressekonferenz von Greg Bentley und den Partnern Siemens, Topcon und Bureau Veritas hatte ich dann die Möglichkeit zwei Speed-Interviews zu führen:
Oben: Mike Schellhase und Nicole Stephano zum Thema Project Delivery
Unten: David Burdick und David Huie zum Thema Moedling und Visualization
Die Interviews habe ich aufgezeichnet und fasse Sie an anderer Stelle noch einmal für Sie zusammen :-) Am Abend fand dann bereits die „Welcome Reception“ für alle anderen Konferenz-Teilnehmer und Award-Finalisten im ArtScience-Museum statt. Es ist der der Erkundung von Kunst und Wissenschaft und der Verbindung beider gewidmet. Dabei können auch schon die jüngsten Besucher ganz spielerisch an der Stadtentwicklung der Zukunft teilhaben, indem sie auf Multifunktionstischen reale Objekte verschieben und dadurch virtuelle Objekte „bauen“: Oder indem Sie 2D Autos, Häuser oder Flugzeuge malen, die dann mittels Scanner in eine animierte 3D-Welt integriert werden: Und während das Auto durch die virtuelle Stadt fährt, kann man sich sein Werk als 3D-Papier-Modell ausdrucken lassen: Auch dem Thema Human+ ist ein großer Bereich gewidmet. Wie sieht der Mensch der Zukunft aus. Wenn wir das Wissen haben Behinderungen durch die moderne Medizin zu behandeln, können wir das Wissen auch nutzen, um Menschen „besser“ zu machen? Von Kontaktlinsen bis hin zu künstlichen Herzklappen: sind wir bereits zu Cyborgs geworden? In einer Welt von Big Data, DNS-Tests, Biotechnologie und künstlicher Intelligenz: was ist „normal“? Der derzeit realistischste weibliche, menschliche Social-Roboter „Nadine“ kann diese Frage wohl auch nicht beantworten – wohl aber erschreckend realistisch auf sein Gegenüber reagieren und einfache Fragen beantworten. Heute beginnt nun die eigentliche Konferenz beziehungsweise für mich läuft sie bereits seit fast 7 Stunden, denn Singapur ist ja 6 Stunden vor Deutschland. Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Intergeo 2017 – Ein Rückblick

Bereits vor einer Woche endete die diesjährige Intergeo in Berlin. Bedingt durch den Feiertag rast die Zeit seitdem. Daher gebe ich Ihnen erst heute einen kleinen persönlichen Rückblick auf die Intergeo geben. In diesem Jahr zeigte sich noch deutlicher, dass an der Digitalisierung kein Weg mehr vorbeiführt. Smart Cities, BIM, Virtual und Augmented Reality und vieles mehr – Digitalisierung ist das Buzzword und die Chancen dieser Technologie werden in der Branche wahrgenommen, wenn auch noch sehr technologiezentriert. Dementsprechend gut sind auch die Themenplattformen „Interaerial Solutions“ und „Smart City Solutions“ angekommen – wenn auch etwas schlecht zu finden und zu weit ab vom Geschehen auf dem in die Jahre gekommenen Messegelände in Berlin. Im Bereich der UAS hat mich überrascht, neben den bekannten Namen der Geo-Branche und den immer wieder hinzukommenden Start-ups nun auch Namen wie Lufthansa und Hasselblad zu lesen. Das zeigt aber auch die Wichtigkeit der Themen und jeder möchte wohl ein Stück vom UAS- oder Smart-City-Kuchen abbekommen ;-) Nicht nur am Mittwoch war die Intergeo wie gewohnt überaus gut besucht – auch am Dienstag drängten sich schon „Menschenmassen“ durch die Gänge. Insgesamt mehr als 18.000 Fachbesucher aus 100 Ländern haben den Weg nach Berlin gefunden. Die Internationalisierung ist nicht nur am Publikum, sondern auch an den Ausstellern deutlich zu sehen: Immerhin aus 37 Ländern kamen die Aussteller – dafür aber leider auch immer weniger aus der DACH-Region. Auch in diesem Jahr haben wir am letzten Tag im Rahmen der Closing Session den Wichmann Innovations Award verliehen. Nach der Vorauswahl der Jury durfte in den Rubriken „Hardware“ und „Software“ das Publikum entscheiden, wer die Trophäe mit nach Hause nehmen wird. In der Kategorie „Hardware“ konnte sich erneut Leica Geosystems mit dem Laserscanner BLK360 über die Auszeichnung freuen – im Bereich der Hardware erhielt Rapidlasso mit seinen LASTools die meisten Stimmen im Online-Voting. Erstmal gab es in diesem Jahr auch einen eigenen Start-up-Award, bei dem die Jury und das Publikum zu gleichen Teilen über den Sieg entscheiden konnten. Und auch hier konnte sich Rapidlasso über eine Auszeichnung freuen. Auch im nächsten Jahr werden wir in Frankfurt wieder den Wichmann Innovations Award verleihen – mit veränderten Bewerbungs- und Voting-Modalitäten. Vielleicht dürfen wir uns dann auch über Ihre Bewerbung freuen? Apropos Frankfurt: In Frankfurt wird die Messe in nur zwei Hallen stattfinden – die dann aber wohl umso größer sein dürften… Wenn sie denn fertig werden… Denn bisher ist die Fertigstellung für August 2018 geplant… Hoffen wir mal, dass die Messehallen in unserer „Heimat“ kein BER werden ;-) Viele weitere Bilder und Live-Stimmen von der Intergeo finden Sie in unserem Instagram-Kanal unter www.instagram.com/gispoint.   Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Nachgehakt - bei Andreas Ploier (Drone Rescue Systems GmbH)

Herr Ploier, wie kam es zur Gründung der Drone Rescue Systems GmbH? // Mr. Manninger/Ploier, how came Drone Rescue Systems Ltd into being?

Ein Bekannter hatte ein Drohnen-Dienstleistungsunternehmen und hatte innerhalb von einem Jahr zwei Totalabstürze, welche mit einem Schaden von knapp 30.000 € verbunden waren. Das ist natürlich der Ruin für die meisten Einzelunternehmen. Markus [Manninger] ist begeisterter Paragleiter, und da er sich zu diesem Zeitpunkt sehr intensiv mit Sensorik beschäftigte, entstand die Idee, daraus ein Produkt zu entwickeln.  // A friend had a drone service company and had two total crashes within one year, which resulted in a loss of nearly 30.000  €. This means of course the ruin for most one-man enterprises. Markus [Manninger] is an enthusiastic paraglider, and because he busied himself intensively with sensor technology at that time the idea of developing a product out of it came up.

Wie beurteilen Sie die Sicherheit von UAS im Allgemeinen? Sind die bestehenden Bestimmungen ausreichend? // How do you see the problem of security of UAS in general? Are the existing regulations sufficient?

Je größer der Professionalisierungsaspekt ist, desto besser ist es für den kommerziellen Bereich. Einige Bestimmungen weisen in die richtige Richtung und andere müssen in den kommenden Jahren noch stark angepasst werden. UAS können sicher kommerziell und privat genutzt werden, wenn man die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen (Stichwort: Drohnen Fallschirmrettungssystem) und geltenden Bestimmungen beachtet. So wie in vielen anderen Bereichen, können auch Drohnen bei seriösem Umgang sicher eingesetzt werden. // The more important the aspect of professionalization is, the better it is for the commercial sector. Some regulations are pointing the way, others still have to be adapted in the years to come. UAS can be used privately and commercially, if you obey the necessary safety measures (keyword: drone parachute rescue system) and existing regulations. Like in many other fields, also drones can be used safely if you handle them reasonably.  

Was sind die Gefahren eines Absturzes eines UAS? // What are the dangers of a UAS crash?

Die Gefahren sind beträchtlich. Je größer und schwerer ein UAS ist, desto schlimmer sind die Auswirkungen. Durch zunehmende Flughöhe steigen die negativen Auswirkungen (schwere Verletzungen, hohe Sachschäden) durch die größer werdende Fallgeschwindigkeit. Somit kann eine 2-3 kg schwere UAS schon zu schwerst- und gar tödlich verletzten Personen sowie zu erheblichem Sachschaden führen.
Zu bedenken ist, dass es nicht nur darum geht, eine UAS zu schützen, sondern auch oftmals das sehr teures Equipment. Verhinderung von möglichen Sach-/Personenschäden, Verlust von möglichen Aufträgen, Genehmigungen von Flügen, etc. sind weitere Anliegen. // The dangers are considerable. The bigger and heavier a UAS is, the worse the consequences are. Increasing flying altitude adds to negative consequences (heavy injuries, big damage to property) due to higher velocity of fall. Thus a 2-3 kg UAS can already result in badly or even lethally wounded persons as well as considerable damage of property.
It must be considered that it is not only a question of rescuing a UAS, but also the sometimes very expensive equipment. Preventing possible damage to people/property, loss of possible orders, permissions of flights etc.  are further concerns.
 

Was ist das Besondere an Ihrem Produkt? // What makes your product specific?

Drone Rescue Systems GmbH entwickelt ein komplett autonomes und datenaufzeichnendes Fallschirmrettungssystem. Das Besondere dabei ist, dass es selbst im Worst-Case-Szenario eingesetzt werden kann, sprich: UAS fliegt außerhalb des Sichtbereichs des Piloten (BVLOS) über Menschenmassen oder die UAS hat einen Totalausfall. Durch unseren autonomen Ansatz kann eine UAS dennoch sicher landen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich unser System perfekt den jeweiligen Nutzungsbedürfnissen anpasst. Durch unsere Blackbox-Funktion bieten wir besonders in Versicherungs- und Haftungsfragen wesentlichen Mehrwert. Weitere Besonderheiten sind, dass es auf jede gängige UAS angebracht werden kann, besonders leicht ist, schnell wiederverwendet werden kann und auch in geringen Höhen sicher auslösen kann.  // Drone Rescue Systems Ltd. develops a completely autonomous and data recording parachute rescue system. The particular quality is that it can be deployed even in a worst case scenario, i.e. when the UAS is flying beyond the field of vision of the pilot (BVLOS) above crowds of people or in case of a total failure of the system. Our system enables a UAS to land safely. A further advantage is that our system can be adapted perfectly to individual needs. Our blackbox- function offers additional value in questions of insurance or liability.  Further specialties are hat it can be fixed on every common UAS, are particularly lightweight, can be re-used quickly and can be safely triggered even in lower heights.  

Welche Zielgruppen haben Sie im Blick? // What are your target groups?

Wir konzentrieren uns primär auf den kommerziellen Markt. Im Jahr 2017 liegt unser Fokus auf Multikoptern von 2 bis 25 kg. Wir bringen jedoch zeitnah Lösungen auch für schwerere UAS und Rotorwings, sowie Fixedwing – Modelle auf den Markt. //
We primarily concentrate on the commercial market. In 2017 we focus on multicopters of 2 to 25 kg. In the near future we will provide solutions also for heavier UAS as well as rotorwings and fixedwing – models on the market.  

Wie wird das Drone Rescue System in der Praxis eingesetzt? // How is the Drone Rescue System applied in practice?

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder wir vergeben unser System über Lizenzverträge direkt an Hersteller, die mit unserer Expertise gemeinsam unser System in deren UAS einbauen können. Eine andere Möglichkeit ist, dass es vom Endkunden selber an der Drohne angebracht wird. Das ist schnell und leicht erledigt.
Da unser System besonders in der Zusammenarbeit mit Versicherungen einen wesentlichen Mehrwert schafft, ist auch auf diesem Weg eine Kombination möglich.
Wir haben des Weiteren mehrere Subskriptionmodelle für unsere kommerziellen Kunden. // There are several possibilities. We either issue our system via licence treaties to manufacturers who can build in our system to their UAS together with our expertise. Or it is mounted by the end customer himself.  That is done quickly and easily.
Because our system adds considerable value in cooperation with insurance companies, there is a combination possible also in this way.  
Furthermore, we have subscription models for our commercial customers.

Welche Voraussetzungen sind hierfür notwendig? // What preconditions are necessary for that?

Unsere Systeme sind autonom und deswegen auch eine Plug-in and Play-Lösung und können an allen gängigen UAS angebracht werden. // Our systems are autonomous and because of it also plug-in and play-solutions and can therefore be mounted on all common UAS. 

Wie reagiert der Markt auf Ihre Lösung? // How does the market react to your solution?

Sehr positiv. Der Drohnenmarkt ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte überhaupt. Was fehlt, sind weitere rechtliche Bestimmungen und zuverlässige Sicherheitslösungen. Wir versuchen diese Lücke zu schließen. Das generelle Feedback ist, dass wir eine Fallschirmlösung anbieten, die sich von allem Bisherigen deutlich hervorhebt und das Thema Sicherheit auf eine neue Ebene hebt. // Very positive. The drone market is one of the fastest growing of all. What is missing, are further legal regulations and reliable safety solutions. We are trying to close this gap. The general feedback is that we offer a parachute solution which stands out of that has been known so far and which brings the topic of safety to a new high level.

Wie steht es um den Einsatz des Systems in anderen europäischen Ländern? // What about the application of the system in other European countries?

Wir sind primär ein internationales Produkt, welches selbst außerhalb Europas auf großes Interesse stößt. // We primarily have an international product which meets big interest even outside Europe.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen der UAS-Branche ein? // How do you see the further developments in the field of UAS?

Sehr positiv. Der UAS-Markt ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte und bietet zahleiche Chancen und Vorteile. Um das vorhanden Marktpotenzial auch ausschöpfen zu können, ist es notwendig, einen Professionalisierungsaspekt in die Thematik zu bringen. Viele Bestimmungen zeigen dabei in die richtige Richtung. Wenn man sich die unterschiedlichen nationalen Bestimmungen ansieht, ist zu erkennen, dass in Zukunft eine Sicherheitslösung, wie sie Drone Rescue Systems GmbH entwickelt, nötig wird.
Bis dann auch in der DACH-Region Drohnen Paketzustellung über Autobahnen und Menschenmassen werden fliegen dürfen, ist es noch ein weiter Weg. Die Tendenz deutet das jedoch klar an. // Very positive. Der UAS-market is one of the fastest growing markets and offers numerous chances and advantages. In order to fully use the market potential, it is necessary to bring the aspect of professionalization into the debate. Many regulations aim at a good direction. Considering the different national laws, it is clearly recognizable that a safety solution such as developed by Rescue Systems Ltd. will be necessary.
It is a long way to go till also in the DACH-region drone parcel delivery above motorways and crowds of people will be permitted. But there is a clear tendency towards it.
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Mit dem Digibus autonom bergauf und bergab – oder doch nicht?

Der Donnerstag auf der AGIT (06.07.17) stand ganz im Zeichen des Autonomen Fahrens. In verschiedenen Vorträgen stellten Ministerien, Forschungseinrichtungen, Hersteller, Autobahnbetreiber, Datenprovider und andere ihre Sicht der Dinge zu den Fragen „Wer wird zukünftig den Verkehr steuern?“, „Wie wird der Verkehr gesteuert?“ und „Lässt sich der Verkehr steuern?“ dar. Damit aber nicht genug: Am Freitag bot die Uni Salzburg eine Probefahrt im „Digibus“ an. Seit Mai finden in der Salzburger Gemeinde Koppl die ersten Testfahrten mit einem autonomen Minibus auf öffentlichen Straßen statt. Salzburg Research ist die erste Organisation in Österreich, die Testfahrten mit einem autonomen Fahrzeug auf öffentlichen Straßen auf Basis der AutomatFahrV durchführt [1].


Salzburg Research forscht seit über zehn Jahren am Thema Mobilität. Im Fokus stehen neue Informations- und Kommunikationstechnologien, die bei Orientierung, Routenwahl, intelligenter Verkehrssteuerung und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs unterstützen. Im Bereich öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) hat sich die Erschließung der sogenannten „letzten Meile“ (z. B. der Weg von einer Bahnstation zum Fahrtziel) immer wieder als kritischer Aspekt für die Kundenakzeptanz herausgestellt. Im Rahmen des Aktionsplans „Automatisiertes Fahren“ arbeitet die Salzburg Research Forschungsgesellschaft seit Dezember 2016 an der Sondierung einer österreichischen Testumgebung für den automatisierten öffentlichen Personennahverkehr in Salzburg, mit dem Schwerpunkt „letzte Meile“ [2].
Das Testfahrzeug stammt von der französischen Firma Navya. Es handelt sich dabei um das Modell „Arma“, das als intelligentes, elektrisch betriebenes Shuttle für bis zu 15 Personen konzipiert wurde. Der Minibus kann auf einer vorgegebenen Teststrecke in der Gemeinde Koppl (ca. 10 km von der Stadt Salzburg entfernt) im Mischverkehr automatisiert fahren. Für den Betrieb im öffentlichen Raum ist vorerst die Mitfahrt einer Kontrollperson, die das Fahrzeug gegebenenfalls stoppen kann, vorgesehen. Die rund 1,4 km lange Testfahrt findet zwischen der Bushaltestelle „Koppl Sperrbrücke“ auf der B 158 (Linie 150) und dem Ortszentrum von Koppl statt [2]. Ich bin mit der ersten Gruppe direkt an der Sperrbrücke gestartet. Nach den obligatorischen Fotos und Selfies durften sieben Personen zusteigen. Hinzu kamen zwei Kollegen von Salzburg Research. Für mehr Fahrgäste ist der Bus aktuell nicht zugelassen bzw. mehr Personen darf die Kontrollperson mit einem normalen B-Führerschein nicht transportieren. Mit 15 bis 20 km/h ging es den Berg hinauf in Richtung Ortszentrum, während wir uns die Technik und Steuerung des Digibusses erklären ließen. Der klimatisierte Minibus fährt bisher keineswegs voll autonom: Vor jedem Abbiegevorgang muss die Kontrollperson kurz am Bildschirm des eingebauten Windows-PCs bestätigen, dass die Straße frei ist – und nötigenfalls eingreifen, wenn sich daran etwas verändert. Falls notwendig kann die Kontrollperson die Steuerung auch komplett übernehmen, wenn bspw. an einer schlecht einsehbaren Stelle ein Hindernis (parkendes Auto o. ä.) umfahren werden muss. Dazu dient der Controller einer X-Box. An der Endhaltestelle wurde unsere Ankunft gleich gefilmt. Weiter ging es für die nächste Gruppe – einmal den Berg hinunter und dann wieder hinauf. Soweit der Plan. Hinunter ging es auch problemlos, doch an einem steileren Stück des Anstiegs reichten die 33 kWh offensichtlich nicht mehr aus, um den vollbesetzten Bus inklusive laufender Klimaanlage weiter zu befördern. Also stiegen einige Gäste aus und liefen ein Stück zu Fuß, bevor sie auf einem geraderen Wegstück wieder zusteigen konnten. Vermutlich blinken deswegen auf dem Video auch die Augen – äh Scheinwerfer – des Minibusses. Die dritte Gruppe wollte eigentlich die gleiche Runde drehen, damit wir auch nochmal begab fahren können – hier machte der Digibus am Fuß des Berges aber endgültig schlapp und so sammelten wir den Rest der Gruppe dann doch wieder ganz klassisch mit dem Reisebus ein, um unseren Rückweg anzutreten. Die Technik ist sicherlich noch nicht ausgereift, schließlich muss der Bus auch bei hohen Temperaturen, mit laufender Klimaanlage und bei voller Besetzung mit 15 Personen mehr als zwei Fahrten schaffen. Unter „Optimalbedingungen“ sollten es auch aktuell 10 Stunden sein. Aber genau deswegen gibt es ja den Testbetrieb. Nichtsdestotrotz eine interessante Erfahrung, den Bus im realen Straßenverkehr zu erleben und z. B. zu sehen (und zu spüren), wie er bremst, wenn ein überholender Pkw in seine Sicherheitszone einschert. Bisher hatte ich nur auf der Cebit in Halle 1 auf eine reinen Indoor-Teststrecke die Möglichkeit, einen solchen Bus zu testen. Wer aus der Nähe von Salzburg kommt und nun auch zusteigen möchte, hat das nächste Mal am Gemeindefest in Koppl am 16.07.17 von 13 bis 16 Uhr die Gelegenheit dazu. Viele Grüße,
Annika Fritzsch P.S.: Auch das Trinkwasser auf der AGIT kam übrigens aus Koppl:
Quellen: [1] http://agit.at/autonomesfahren2017 (abgerufen am 07.07.17, 08:47 Uhr) [2] https://www.salzburgresearch.at/digibus-testfahrt-selbstfahrender-minibus/ (abgerufen am 07.07.17, 08:47 Uhr)Weiterlesen


Live von der AGIT

Wie in jedem Jahr treffen sich Anfang Juli Interessierte der Geobranche zum "Klassentreffen" auf der AGIT in Salzburg. Von den spannenden Vorträgen, interessanten Gesprächen und dem Rahmenprogramm berichten wir wie immer live in unseren Social-Media-Kanälen: > Instagram > Facebook > Twitter Folgend Sie uns und erfahren Sie live, was auf der AGIT passiert. Aber auch ohne Social Media halten wir Sie mit einem Nachbericht hier im Blog selbstverständlich auf dem Laufenden. Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Von Sturmhauben, Veganern und dem Terrorkampf

Andreas Eicher
Andreas Eicher 27.06.2017

Menschen mit Sturmhauben auf dem Kopf im Supermarkt zwischen den Regalen. Vater, Mutter mit großen Masken, die Kinder tragen kleine Masken. Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen Familienüberfall beim Discounter oder Einzelhändler um die Ecke. Vielmehr geht es um die Verschleierung des eigenen Gesichts. Hintergrund des fiktiven und zugleich makabren Treibens sind die fortschreitenden Analysemethoden von Handelsunternehmen in ihren Verkaufsgeschäften. Denn die planen die Gesichtserkennung in ihren Märkten voranzutreiben. Als Reaktion auf den zunehmenden Onlinehandel möchten die Einzelhandelskonzerne dem Big-Data-Treiben im Internet in nichts nachstehen und rüsten auf. So sollen mithilfe analytischer Methoden die Interessen und das Kaufverhalten von Kunden bereits im Supermarkt in zielgerichtete Werbung münden. Spiegel Online schriebt hierzu: „Die Zeiten, in der Verbraucher ziellos und unbehelligt durch einen Supermarkt laufen können, sind vorbei.“ Und das Nachrichtenportal führt fort: „Wer gedankenlos auf einen Bildschirm mit Werbung blickt, bekommt in vielen Märkten bereits heute das zu sehen, was ihn – vermeintlich – interessiert. Kameras analysieren, wie lange jemand den Filmen zusieht und wer vor ihnen steht: Mann oder Frau, alt oder jung – das System wählt zielgruppengerechte Spots aus“ [1].

Krieg, Terror oder die Simpsons

Im Grunde setzen Einzelhandelskonzerne damit einen Trend fort, der seit Jahren in allen Bereichen des wirtschaftlichen, politischen und privaten Lebens Einzug hält. Es geht um die Vermessung des Menschen in allen Facetten, um Bewegungsprofile und letztlich darum zu erfahren, wer, wann, wo und vor allem warum ist. Die Gründe sind vielfältig und münden doch in einem: Dem Denken des anderen möglichst einen Schritt voraus zu sein und sein Kaufverhalten, seine Wünsche, bösen Absichten oder geplanten Taten vorauszusehen. So entsteht eine intransparente Gemengelage aus Marketingzielen, Verkaufsförderung, Gefahrenabwehr und Terrorbekämpfung. Leider in vielen Fällen ohne das Wissen des Untersuchten, der beobachteten Personen. Was im Zuge des Kampfes gegen organisierte Kriminalität und Terror oder im frühen Erkennen möglicher Naturkatastrophen, Unfallgefahren sowie dem Schutz bedrohter Tiere gerechtfertigt erscheint, ist es an anderer Stelle noch lange nicht. Denn ob jemand sich vegan ernährt oder jeden Tag Fleisch kauft, ist eine moralische Frage, die jeder für sich beantworten muss oder auch nicht. Gleiches zählt für den Gang zur Disco, wie lange jemand dort tanzt oder ob er lieber nachts vor dem Bildschirm sitzt und Florian Silbereisen, die Simpsons oder Talkshows schaut. Das ist Privatsphäre. Ein Wort, das übrigens viel im Zusammenhang mit dem Thema Datenschutz in den Medien herumgeistert. Und doch wird der Datenschutz zusehends ausgehöhlt.

Massendatenauswertung und eine harte politische Hand

Schauen wir nach Berlin. Dort hat das Bundesministerium des Inneren, kurz BMI, im Januar dieses Jahres den Startschuss für ZITiS gegeben. Dahinter verbirgt sich die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, deren Sitz in München ist. Auf den BMI-Seiten heißt es hierzu: „ZITiS ist Bestandteil der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland. Sie ist eine Forschungs- und Entwicklungsstelle und soll Expertise in technischen Fragestellungen mit Cyberbezug für die Sicherheitsbehörden des BMI abdecken.“ Die etwas unklare Formulierung löst sich zwei Absätze weiter auf. Denn die Aufgaben liegen unter anderem in den Bereichen „der digitalen Forensik“, „der Telekommunikationsüberwachung“, „der Kryptoanalyse (Dekryptierung)“ und der „Massendatenauswertung“, sprich Big Data. Das alles, um Kriminalität zu bekämpfen, Gefahren abzuwehren und Spionage vorzubeugen. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière: „Eine ganze Reihe von Ereignissen mit kriminellem, insbesondere aber terroristischem Hintergrund im Verlauf des Jahres 2016 haben unsere Sicherheitsbehörden auch vor technische Herausforderungen gestellt. Daher ist die Einrichtung einer Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern von großer Bedeutung“ [2]. Ideen, Gedanken, Daten sammeln – immer und überall (Bild: fotolia.com_wladimir1804) Klar ist, dass in Zeiten des Terrors alle möglichen Mittel und Wege gesucht werden, um Daten legal zu sammeln und auszuwerten. Und wo Verschlüsselung besteht, will man im Hause de Maizière diese brechen und nach Möglichkeit „Hintertüren“ einbauen. So positionierte sich der Minister im Rahmen der letzten „re:publica 2017“ nach WDR-Aussagen „klar gegen eine wirksame Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Es sei nicht hinnehmbar, Messenger-Nachrichten nicht so wie SMS auswerten zu können“ [3]. Außerdem ist Bundestagswahlkampf und eine harte politische Hand beim Thema der inneren Sicherheit liegt im Trend, wie die jüngsten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zeigten. Zwar wehren sich digitale Großkonzerne gegen die Forderungen des Mitlesens und -hörens durch staatliche Stellen. Aber im Grunde besteht eine gewisse Seelenverwandtschaft von Staat und Digitalunternehmen der Marke Google, Amazon & Co. Diese beruht auf dem Sammeln und Auswerten riesiger Datenmengen. Die einen tun es, um die Kontrolle über den Bürger und die Deutungshoheit digitaler Informationen – auch im internationalen Cyberkampf – zurückzubekommen. Die anderen, um den Kunden besser einzuordnen und sein Denken, seine Wege und sein Einkaufsverhalten frühzeitig zu analysieren und vorauszusehen. Vielleicht kommen Sturmhauben dann doch irgendwann in Mode. Sprich beim Einkauf der ganzen Familie: „Habt ihr eure Sturmhauben auf?“ fragen die Eltern vor dem Einkaufen ihre Kinder auf dem Rücksitz. „Ja“, antworten die wie selbstverständlich. Oder es kommt ganz anders und die Menschen sind froh, dass sie alles vor die Nase gesetzt bekommen – und sei es nur die angeblich personalisierteste Werbung. Wir werden es sehen und George Orwell dreht sich in der Zwischenzeit im Grabe um. Quellen: [1] www.spiegel.de/wirtschaft/gesichtserkennung-im-supermarkt-datensammler-ruesten-auf-a-1150335.html  [2] www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/01/zitis-vorstellung.html  [3] blog.wdr.de/digitalistan/politik-gesetze-und-filterblasen-notizen-von-tag-drei-der-republica-2017/ Weiterlesen


Vom BIM zum „BUM“?

Andreas Eicher
Andreas Eicher 30.05.2017

Das Marktforschungsinstitut „Research and Markets“ prognostiziert in einer Studie „Global Building Information Modeling Software Market 2016-2020“ das Wachstum des weltweiten BIM-Softwaremarkts um 17 Prozent bis 2020 [1]. Das klingt zunächst vielversprechend. Und doch muss bei genauerem Hinsehen eine Antwort lauten: „Setzen sechs“. Nicht was das Wachstum betrifft, sondern die Zusammenhänge. Denn BIM auf Software zu reduzieren, ist mehr als töricht. So schreibt das „Deutsche Architektenblatt“ bereits 2016: „BIM Methode, nicht Software“. Und der Beitrag folgert: „Building Information Modeling, was übersetzt etwa „Bauwerksdatenmodellierung“ bedeutet, ist keine Software. Darunter versteht man vielmehr jene Planungsmethoden und Prozesse, die für die Erstellung, Koordination und Übergabe konsistenter, für alle Beteiligten zugänglicher digitaler Gebäudedatenmodelle erforderlich sind“ [2]. Doch so einfach ist es nicht mit der Definition und dem Verständnis von BIM. Denn die drei Buchstaben und deren Inhalte sind alles andere als klar, sprich definiert. Bereits der „BIM-Anwendertag“ im Jahr 2015 brachte es auf den Punkt: „Dabei ist es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind und dabei voneinander profitieren können. Die einen machen einfach „BIM“ oder „BIM“-Management, die anderen forschen daran und befassen sich damit, wie das eigentlich in die aktuelle Planungslandschaft einzubetten ist. Es gibt noch nicht sehr viele Definitionen von Leistungsbildern oder Abläufen. Auf jeden Fall hat noch keiner die Wahrheit gefunden, aber alle arbeiten zusammen an einer deren Findung“ [3]. Oliver Bürkler, Senior Produkt Manager bei Faro, sieht in diesem Kontext BIM als einen ganzheitlichen Prozess im Bauumfeld und wichtigen Faktor: „Dabei geht es um eine neue Methode und weniger darum, ein Stück Software zu verkaufen.“ Und diesen Prozess müssen Unternehmen leben, wollen sie mit BIM erfolgreich Projekte durchführen. Um das Thema BIM zu „ordnen“, schaltet sich die Politik verstärkt in den Gesamtprozess ein. In einem selbst auferlegten „Stufenplan zur Einführung von Building Information Modeling (BIM)“ möchte das BMVI die digitalen Plan- und Bauvorhaben umsetzen. Das erklärte Ziel heißt, BIM ab 2020 bei neu zu planenden Projekten regelmäßig anzuwenden [4]. Das ist löblich, zeigt aber, dass das Thema hierzulande noch nicht flächendeckend und vor allem bindend zum Einsatz kommt. Gründe waren bis dato unter anderem fehlende Regularien in Bezug auf BIM-Verträge und -Richtlinien sowie der mangelnden Rechtssicherheit in puncto möglicher Preisgestaltungen. Und das sehen Kritiker als Risiko – eben eines Scheiterns des theoretischen Themas BIM in der Praxis.

Von Regularien und Standards beim Bauen 4.0

Um das zu verhindern, arbeiten Politik, Verbände und Unternehmen seit geraumer Zeit an verbindlichen Regularien, Richtlinien und Standards. Einen umfassenden Überblick bietet beispielsweise der BIM-Leitfaden, der als Forschungsprogramm des ehemaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) – dem heutigen BMVI – von 2012 bis 2013 entstanden ist. Federführend bei diesem Forschungsprojekt war die Arbeitsgemeinschaft Obermeyer Planen + Beraten GmbH und AEC3 Deutschland GmbH. Mit Obermeyer und AEC3 waren damit zwei Unternehmen in den Forschungsaustrag eingebunden, die sich seit langer Zeit mit der Entwicklung neutraler Standards sowie der Projektarbeit und Beratung von BIM und den Methoden beschäftigen. Der Leitfaden ist „eine erste Annäherung an das Thema BIM und die damit verbundenen Anforderungen, die bei der Einführung dieser neuen Arbeitsmethode in ein Unternehmen oder bei der Anwendung in einem Projekt beachtet werden müssen“ [5]. Im Umkehrschluss zeigt sich, dass es noch vieles zu tun gibt in Sachen Gesetzen, Standards und Richtlinien beim Thema BIM. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, zeigt sich indes zuversichtlich: „Mit BIM lassen sich Dauer, Kosten und Risiken großer Bauprojekte in erheblichem Umfang reduzieren. Unser Ziel ist es, Innovationsführer beim digitalen Bauen zu werden. In Zukunft soll in Deutschland der klare Grundsatz gelten: Erst digital, dann real bauen.“ Und das heißt: BIM fest zu verankern mithilfe eines Masterplans „Bauen 4.0“ [6]. Die hoch gesteckten Ziele aus dem Ministerium Dobrindts sind indes noch im Konjunktiv zu sehen, denn neben einem bis dato fehlenden BIM-Gesamtstandard hat „der öffentliche Auftraggeber in Deutschland bislang kaum Erfahrungen mit der BIM-Methode“ [7].

Einheitliches Verständnis sowie Aus- und Weiterbildung

Um das Thema BIM voranzutreiben, ist das Wissen um die Methode, der Prozesse und vor allem ein einheitliches Verständnis erforderlich. Bereits bei der Definition von BIM unterscheiden sich die Geister. Für die einen bedeutet BIM einen Ordner auf dem Laufwerk oder sie sehen darin überwiegend Software. Für die anderen ist BIM eine fundamentale Prozess- und Methodenänderung im kompletten Lebenszyklus des Bauprojekts. Zwischen diesen Extremen existieren viele Wahrheiten, Auffassungen und Erklärungsversuche. Dass dies für das Gesamtverständnis von BIM hinderlich ist, liegt auf der Hand. In diesem Zuge könnten verstärkte Aus- und Weiterbildungsgänge das Wissen zum Thema BIM fördern. Allerdings ist Deutschland von einer einheitlichen und flächendeckenden Lehre noch weit entfernt. Kurzum: Es mangelt an Wissen im Umgang mit BIM. Und diese Wissenslücke wird sicher weiter verstärken, wenn es keine tief greifenden Änderungen bei der Etablierung neuer Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. Denn BIM wird gesetzlich zur Pflicht und damit entsteht ein zunehmender Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern.
Eines der wichtigsten Themen: Die Aus- und Weiterbildung im BIM-Bereich (Bild: fotolia.com_Trueffelpix)
Diesen Bedarf erkennen die Universitäten und bieten mittlerweile BIM-Seminare, Kurse und Lehrveranstaltungen an. Neben der Bauhaus-Universität Weimar mit der Ausbildung „Building Information Modeling (Kommunikationssysteme)“, dem interdisziplinären BIM-Kurs an der Technischen Universität München oder der Technischen Universität Kaiserslautern mit ihrer Einführung zum Thema BIM. Und auch die Universität Leipzig bot im vergangenen Jahr einen zweitägigen Workshop zu BIM an. Auf den Punkt gebracht ist das bisher zu wenig. Denn trotz zaghafter Fortschritte darf nicht übersehen werden, dass fundierte Aus- und Weiterbildungen bis dato eher selten sind. So beschränken sich die Fortbildungswege meist auf Initiativen privater Organisationen (teils in Kooperation mit Universitäten). Die TÜV Süd Akademie bietet beispielsweise eine Aus- und Weiterbildung zum „BIM Basis Anwender“ und „BIM Professional“ unter „Berücksichtigung der 5 BIM Faktoren: Menschen, Prozesse, Rahmenbedingungen, Technologien und Daten“ an [8]. Beim Unternehmen Hochtief ViCon wurde ein Schulungs- und Zertifizierungssystem entwickelt. Im Rahmen des modular aufgebauten Schulungssystems werden die „Nutzung der BIM-Anwendungen“ vermittelt und wie „mithilfe dieser Werkzeuge Prozesse effizienter gestaltet werden können“ [9]. Und auch „Mensch und Maschine“ (MuM) engagiert sich im BIM-Ausbildungsbereich. Das Unternehmen offeriert eine dreistufige Ausbildung (BIM Ready-Kurse) zum „BIM-Konstrukteur“ sowie „BIM-Koordinator“ und BIM-Manager“. Inhaltlich unterstützen die Kurse von MuM die „openBIM Standards“ der „buildingSMART International“. Die aufgezeigten Aus- und Weiterbildungswege können aktuell nur als Anfang gesehen werden. Ein wichtiger Punkt, den schon die Mancher des BIM-Leitfadens anmerkten: „Dringender Handlungsbedarf besteht in der Aus- und Weiterbildung, die an Hochschulen, Weiterbildungsinstitutionen und Fachakademien auf der Basis eines abgestimmten Grundkonzepts umgesetzt werden müsste. Der Fokus darf dabei nicht allein auf der Softwareschulung liegen, sondern die Zusammenhänge der BIM-Methode müssen ebenfalls vermittelt werden“ [10]. Es bleibt zu hoffen, BIM von der Theorie in die Praxis zu führen. Und vor allem, um die Sicht über den Tellerrand der reinen Software zu fördern. Andernfalls droht bei BIM das „BUM“ und die Beteiligten wachen mit einem großen Knall auf.

Quellen:

[1] http://www.researchandmarkets.com/research/5zdjnr/global_building [2] http://dabonline.de/2016/06/01/bim-methode-nicht-software/ [3] http://cc-bim.de/interview-der-bim-anwendertag-in-muenchen/ [4] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/digitales-bauen.html [5 ] http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZB/Auftragsforschung/3Rahmenbedingungen/2013/BIMLeitfaden/Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2 [6]https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2017/009-dobrindt-bim-gipfel.html?nn=214506 [7] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/bim-leitfaden-deu.pdf?__blob=publicationFile [8] https://www.tuev-sued.de/akademie-de/seminare-technik/gebaeudetechnik-1/bim#tab_1464791179523822650735 [9] http://www.hochtief-vicon.de/vicon/BIM-Beratung/BIM-Training-5.jhtml [10] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/bim-leitfaden-deu.pdf?__blob=publicationFile    Weiterlesen


Smart City: intelligent im Superlativ

Andreas Eicher
Andreas Eicher 10.04.2017

Was haben Konstanz, Ludwigsburg und Heidelberg gemeinsam? Richtig, es sind drei Städte in Baden-Württemberg, die touristisch viel zu bieten haben. Sei es der Bodensee für Konstanz, das Ludwigsburger Residenzschloss oder die Altstadt von Heidelberg. Zudem sind alle drei Städte zwischen Bodensee, Stuttgart und Rhein-Neckar beliebte Hochschul- und Universitätsstädte mit renommierten Forschungseinrichtungen. Und auch wirtschaftlich gehören alle drei Städte in ihren jeweiligen Regionen zu den Gewinnern im deutschlandweiten Vergleich. „Viel Freund, viel Ehr“ könnte man bei all den positiven Attributen sagen, zumal auch die Lebensqualität und der -standard in allen drei Regionen hoch sind. Als wäre das alles nicht genug, haben sich Konstanz, Ludwigsburg und Heidelberg um den Status einer Smart-City-Hauptstadt beworben.Weiterlesen


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