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Year in Infrastructure Conference – Media Day

Auch in diesem Jahr habe ich das Glück auf der "Year in Infrastructure Conference" von Bentley Systems dabei sein zu dürfen. Bereits am Samstagabend begann meine Anreise von Frankfurt über Helsinki nach Singapur. Und schon in Frankfurt konnte ich zufällig einen Blick darauf erhaschen, was mich an meinem Ziel erwartet:
„Singapur – eine echte Smart City“ titelte das französische Magazin „Voyages d’Affaires“. Suchte ich in Frankfurt noch lange nach einer Möglichkeit mein Handy zu laden, erwarteten mich in Helsinki ganze Sitzreihen, die dazu einluden Geräte aufzutanken. Auch neu für mich: Die Kameras, die es mir als Fluggast ermöglichen den Start, den kompletten Flug und die Landung durch eine Kamera am Heck und eine Kamera auf der Unterseite des Flugzeugs zu sehen. Und das zusätzlich zur genauen Flugroute und Position auf einer 3D-Karte. Vom Flughafen ins Hotel musste es dann schnell gehen: Landung um 16:40 Uhr, Start des Media Dinners um 18 Uhr. Dazwischen umziehen und frisch machen, denn immerhin kam ich aus 10° in Frankfurt zu 30° in Singapur. Für das Media Dinner hat sich Bentley Systems ein tolles Ambiente ausgesucht: Das Ce La Vi auf dem Dach des Marina Bay Sands. Trotz leichtem Regen ein wunderbarer Ausblick. Aber ich konnte es kaum glauben: Die Luftfeuchtigkeit in Singapur ist derart hoch, dass das Objektiv meiner "großen" Kamera permanent anläuft. Da half auch kein Wischen. Der gestrigen Montag widmete Bentley dann den 130 Pressevertretern aus 28 Ländern. Aiden Mercer berichtete in seinem Presse-Briefing zum Thema „Buildings and Campuses“ über die Herausforderungen und die Reise auf der Reise zur Digitalisierung. Überhaupt wird „Going Digital“ auf der diesjährigen Konferenz großgeschrieben. Dazu gehört natürlich auch das Thema Virtual Reality, das wir gleich selbst ausprobieren durften mit 360°-YouTube-Videos und einer dazu passenden Brille, die auf unseren Stühlen bereitlag. Im Anschluss an die Pressekonferenz von Greg Bentley und den Partnern Siemens, Topcon und Bureau Veritas hatte ich dann die Möglichkeit zwei Speed-Interviews zu führen:
Oben: Mike Schellhase und Nicole Stephano zum Thema Project Delivery
Unten: David Burdick und David Huie zum Thema Moedling und Visualization
Die Interviews habe ich aufgezeichnet und fasse Sie an anderer Stelle noch einmal für Sie zusammen :-) Am Abend fand dann bereits die „Welcome Reception“ für alle anderen Konferenz-Teilnehmer und Award-Finalisten im ArtScience-Museum statt. Es ist der der Erkundung von Kunst und Wissenschaft und der Verbindung beider gewidmet. Dabei können auch schon die jüngsten Besucher ganz spielerisch an der Stadtentwicklung der Zukunft teilhaben, indem sie auf Multifunktionstischen reale Objekte verschieben und dadurch virtuelle Objekte „bauen“: Oder indem Sie 2D Autos, Häuser oder Flugzeuge malen, die dann mittels Scanner in eine animierte 3D-Welt integriert werden: Und während das Auto durch die virtuelle Stadt fährt, kann man sich sein Werk als 3D-Papier-Modell ausdrucken lassen: Auch dem Thema Human+ ist ein großer Bereich gewidmet. Wie sieht der Mensch der Zukunft aus. Wenn wir das Wissen haben Behinderungen durch die moderne Medizin zu behandeln, können wir das Wissen auch nutzen, um Menschen „besser“ zu machen? Von Kontaktlinsen bis hin zu künstlichen Herzklappen: sind wir bereits zu Cyborgs geworden? In einer Welt von Big Data, DNS-Tests, Biotechnologie und künstlicher Intelligenz: was ist „normal“? Der derzeit realistischste weibliche, menschliche Social-Roboter „Nadine“ kann diese Frage wohl auch nicht beantworten – wohl aber erschreckend realistisch auf sein Gegenüber reagieren und einfache Fragen beantworten. Heute beginnt nun die eigentliche Konferenz beziehungsweise für mich läuft sie bereits seit fast 7 Stunden, denn Singapur ist ja 6 Stunden vor Deutschland. Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Intergeo 2017 – Ein Rückblick

Bereits vor einer Woche endete die diesjährige Intergeo in Berlin. Bedingt durch den Feiertag rast die Zeit seitdem. Daher gebe ich Ihnen erst heute einen kleinen persönlichen Rückblick auf die Intergeo geben. In diesem Jahr zeigte sich noch deutlicher, dass an der Digitalisierung kein Weg mehr vorbeiführt. Smart Cities, BIM, Virtual und Augmented Reality und vieles mehr – Digitalisierung ist das Buzzword und die Chancen dieser Technologie werden in der Branche wahrgenommen, wenn auch noch sehr technologiezentriert. Dementsprechend gut sind auch die Themenplattformen „Interaerial Solutions“ und „Smart City Solutions“ angekommen – wenn auch etwas schlecht zu finden und zu weit ab vom Geschehen auf dem in die Jahre gekommenen Messegelände in Berlin. Im Bereich der UAS hat mich überrascht, neben den bekannten Namen der Geo-Branche und den immer wieder hinzukommenden Start-ups nun auch Namen wie Lufthansa und Hasselblad zu lesen. Das zeigt aber auch die Wichtigkeit der Themen und jeder möchte wohl ein Stück vom UAS- oder Smart-City-Kuchen abbekommen ;-) Nicht nur am Mittwoch war die Intergeo wie gewohnt überaus gut besucht – auch am Dienstag drängten sich schon „Menschenmassen“ durch die Gänge. Insgesamt mehr als 18.000 Fachbesucher aus 100 Ländern haben den Weg nach Berlin gefunden. Die Internationalisierung ist nicht nur am Publikum, sondern auch an den Ausstellern deutlich zu sehen: Immerhin aus 37 Ländern kamen die Aussteller – dafür aber leider auch immer weniger aus der DACH-Region. Auch in diesem Jahr haben wir am letzten Tag im Rahmen der Closing Session den Wichmann Innovations Award verliehen. Nach der Vorauswahl der Jury durfte in den Rubriken „Hardware“ und „Software“ das Publikum entscheiden, wer die Trophäe mit nach Hause nehmen wird. In der Kategorie „Hardware“ konnte sich erneut Leica Geosystems mit dem Laserscanner BLK360 über die Auszeichnung freuen – im Bereich der Hardware erhielt Rapidlasso mit seinen LASTools die meisten Stimmen im Online-Voting. Erstmal gab es in diesem Jahr auch einen eigenen Start-up-Award, bei dem die Jury und das Publikum zu gleichen Teilen über den Sieg entscheiden konnten. Und auch hier konnte sich Rapidlasso über eine Auszeichnung freuen. Auch im nächsten Jahr werden wir in Frankfurt wieder den Wichmann Innovations Award verleihen – mit veränderten Bewerbungs- und Voting-Modalitäten. Vielleicht dürfen wir uns dann auch über Ihre Bewerbung freuen? Apropos Frankfurt: In Frankfurt wird die Messe in nur zwei Hallen stattfinden – die dann aber wohl umso größer sein dürften… Wenn sie denn fertig werden… Denn bisher ist die Fertigstellung für August 2018 geplant… Hoffen wir mal, dass die Messehallen in unserer „Heimat“ kein BER werden ;-) Viele weitere Bilder und Live-Stimmen von der Intergeo finden Sie in unserem Instagram-Kanal unter www.instagram.com/gispoint.   Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Nachgehakt - bei Andreas Ploier (Drone Rescue Systems GmbH)

Herr Ploier, wie kam es zur Gründung der Drone Rescue Systems GmbH? // Mr. Manninger/Ploier, how came Drone Rescue Systems Ltd into being?

Ein Bekannter hatte ein Drohnen-Dienstleistungsunternehmen und hatte innerhalb von einem Jahr zwei Totalabstürze, welche mit einem Schaden von knapp 30.000 € verbunden waren. Das ist natürlich der Ruin für die meisten Einzelunternehmen. Markus [Manninger] ist begeisterter Paragleiter, und da er sich zu diesem Zeitpunkt sehr intensiv mit Sensorik beschäftigte, entstand die Idee, daraus ein Produkt zu entwickeln.  // A friend had a drone service company and had two total crashes within one year, which resulted in a loss of nearly 30.000  €. This means of course the ruin for most one-man enterprises. Markus [Manninger] is an enthusiastic paraglider, and because he busied himself intensively with sensor technology at that time the idea of developing a product out of it came up.

Wie beurteilen Sie die Sicherheit von UAS im Allgemeinen? Sind die bestehenden Bestimmungen ausreichend? // How do you see the problem of security of UAS in general? Are the existing regulations sufficient?

Je größer der Professionalisierungsaspekt ist, desto besser ist es für den kommerziellen Bereich. Einige Bestimmungen weisen in die richtige Richtung und andere müssen in den kommenden Jahren noch stark angepasst werden. UAS können sicher kommerziell und privat genutzt werden, wenn man die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen (Stichwort: Drohnen Fallschirmrettungssystem) und geltenden Bestimmungen beachtet. So wie in vielen anderen Bereichen, können auch Drohnen bei seriösem Umgang sicher eingesetzt werden. // The more important the aspect of professionalization is, the better it is for the commercial sector. Some regulations are pointing the way, others still have to be adapted in the years to come. UAS can be used privately and commercially, if you obey the necessary safety measures (keyword: drone parachute rescue system) and existing regulations. Like in many other fields, also drones can be used safely if you handle them reasonably.  

Was sind die Gefahren eines Absturzes eines UAS? // What are the dangers of a UAS crash?

Die Gefahren sind beträchtlich. Je größer und schwerer ein UAS ist, desto schlimmer sind die Auswirkungen. Durch zunehmende Flughöhe steigen die negativen Auswirkungen (schwere Verletzungen, hohe Sachschäden) durch die größer werdende Fallgeschwindigkeit. Somit kann eine 2-3 kg schwere UAS schon zu schwerst- und gar tödlich verletzten Personen sowie zu erheblichem Sachschaden führen.
Zu bedenken ist, dass es nicht nur darum geht, eine UAS zu schützen, sondern auch oftmals das sehr teures Equipment. Verhinderung von möglichen Sach-/Personenschäden, Verlust von möglichen Aufträgen, Genehmigungen von Flügen, etc. sind weitere Anliegen. // The dangers are considerable. The bigger and heavier a UAS is, the worse the consequences are. Increasing flying altitude adds to negative consequences (heavy injuries, big damage to property) due to higher velocity of fall. Thus a 2-3 kg UAS can already result in badly or even lethally wounded persons as well as considerable damage of property.
It must be considered that it is not only a question of rescuing a UAS, but also the sometimes very expensive equipment. Preventing possible damage to people/property, loss of possible orders, permissions of flights etc.  are further concerns.
 

Was ist das Besondere an Ihrem Produkt? // What makes your product specific?

Drone Rescue Systems GmbH entwickelt ein komplett autonomes und datenaufzeichnendes Fallschirmrettungssystem. Das Besondere dabei ist, dass es selbst im Worst-Case-Szenario eingesetzt werden kann, sprich: UAS fliegt außerhalb des Sichtbereichs des Piloten (BVLOS) über Menschenmassen oder die UAS hat einen Totalausfall. Durch unseren autonomen Ansatz kann eine UAS dennoch sicher landen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich unser System perfekt den jeweiligen Nutzungsbedürfnissen anpasst. Durch unsere Blackbox-Funktion bieten wir besonders in Versicherungs- und Haftungsfragen wesentlichen Mehrwert. Weitere Besonderheiten sind, dass es auf jede gängige UAS angebracht werden kann, besonders leicht ist, schnell wiederverwendet werden kann und auch in geringen Höhen sicher auslösen kann.  // Drone Rescue Systems Ltd. develops a completely autonomous and data recording parachute rescue system. The particular quality is that it can be deployed even in a worst case scenario, i.e. when the UAS is flying beyond the field of vision of the pilot (BVLOS) above crowds of people or in case of a total failure of the system. Our system enables a UAS to land safely. A further advantage is that our system can be adapted perfectly to individual needs. Our blackbox- function offers additional value in questions of insurance or liability.  Further specialties are hat it can be fixed on every common UAS, are particularly lightweight, can be re-used quickly and can be safely triggered even in lower heights.  

Welche Zielgruppen haben Sie im Blick? // What are your target groups?

Wir konzentrieren uns primär auf den kommerziellen Markt. Im Jahr 2017 liegt unser Fokus auf Multikoptern von 2 bis 25 kg. Wir bringen jedoch zeitnah Lösungen auch für schwerere UAS und Rotorwings, sowie Fixedwing – Modelle auf den Markt. //
We primarily concentrate on the commercial market. In 2017 we focus on multicopters of 2 to 25 kg. In the near future we will provide solutions also for heavier UAS as well as rotorwings and fixedwing – models on the market.  

Wie wird das Drone Rescue System in der Praxis eingesetzt? // How is the Drone Rescue System applied in practice?

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder wir vergeben unser System über Lizenzverträge direkt an Hersteller, die mit unserer Expertise gemeinsam unser System in deren UAS einbauen können. Eine andere Möglichkeit ist, dass es vom Endkunden selber an der Drohne angebracht wird. Das ist schnell und leicht erledigt.
Da unser System besonders in der Zusammenarbeit mit Versicherungen einen wesentlichen Mehrwert schafft, ist auch auf diesem Weg eine Kombination möglich.
Wir haben des Weiteren mehrere Subskriptionmodelle für unsere kommerziellen Kunden. // There are several possibilities. We either issue our system via licence treaties to manufacturers who can build in our system to their UAS together with our expertise. Or it is mounted by the end customer himself.  That is done quickly and easily.
Because our system adds considerable value in cooperation with insurance companies, there is a combination possible also in this way.  
Furthermore, we have subscription models for our commercial customers.

Welche Voraussetzungen sind hierfür notwendig? // What preconditions are necessary for that?

Unsere Systeme sind autonom und deswegen auch eine Plug-in and Play-Lösung und können an allen gängigen UAS angebracht werden. // Our systems are autonomous and because of it also plug-in and play-solutions and can therefore be mounted on all common UAS. 

Wie reagiert der Markt auf Ihre Lösung? // How does the market react to your solution?

Sehr positiv. Der Drohnenmarkt ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte überhaupt. Was fehlt, sind weitere rechtliche Bestimmungen und zuverlässige Sicherheitslösungen. Wir versuchen diese Lücke zu schließen. Das generelle Feedback ist, dass wir eine Fallschirmlösung anbieten, die sich von allem Bisherigen deutlich hervorhebt und das Thema Sicherheit auf eine neue Ebene hebt. // Very positive. The drone market is one of the fastest growing of all. What is missing, are further legal regulations and reliable safety solutions. We are trying to close this gap. The general feedback is that we offer a parachute solution which stands out of that has been known so far and which brings the topic of safety to a new high level.

Wie steht es um den Einsatz des Systems in anderen europäischen Ländern? // What about the application of the system in other European countries?

Wir sind primär ein internationales Produkt, welches selbst außerhalb Europas auf großes Interesse stößt. // We primarily have an international product which meets big interest even outside Europe.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen der UAS-Branche ein? // How do you see the further developments in the field of UAS?

Sehr positiv. Der UAS-Markt ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte und bietet zahleiche Chancen und Vorteile. Um das vorhanden Marktpotenzial auch ausschöpfen zu können, ist es notwendig, einen Professionalisierungsaspekt in die Thematik zu bringen. Viele Bestimmungen zeigen dabei in die richtige Richtung. Wenn man sich die unterschiedlichen nationalen Bestimmungen ansieht, ist zu erkennen, dass in Zukunft eine Sicherheitslösung, wie sie Drone Rescue Systems GmbH entwickelt, nötig wird.
Bis dann auch in der DACH-Region Drohnen Paketzustellung über Autobahnen und Menschenmassen werden fliegen dürfen, ist es noch ein weiter Weg. Die Tendenz deutet das jedoch klar an. // Very positive. Der UAS-market is one of the fastest growing markets and offers numerous chances and advantages. In order to fully use the market potential, it is necessary to bring the aspect of professionalization into the debate. Many regulations aim at a good direction. Considering the different national laws, it is clearly recognizable that a safety solution such as developed by Rescue Systems Ltd. will be necessary.
It is a long way to go till also in the DACH-region drone parcel delivery above motorways and crowds of people will be permitted. But there is a clear tendency towards it.
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Mit dem Digibus autonom bergauf und bergab – oder doch nicht?

Der Donnerstag auf der AGIT (06.07.17) stand ganz im Zeichen des Autonomen Fahrens. In verschiedenen Vorträgen stellten Ministerien, Forschungseinrichtungen, Hersteller, Autobahnbetreiber, Datenprovider und andere ihre Sicht der Dinge zu den Fragen „Wer wird zukünftig den Verkehr steuern?“, „Wie wird der Verkehr gesteuert?“ und „Lässt sich der Verkehr steuern?“ dar. Damit aber nicht genug: Am Freitag bot die Uni Salzburg eine Probefahrt im „Digibus“ an. Seit Mai finden in der Salzburger Gemeinde Koppl die ersten Testfahrten mit einem autonomen Minibus auf öffentlichen Straßen statt. Salzburg Research ist die erste Organisation in Österreich, die Testfahrten mit einem autonomen Fahrzeug auf öffentlichen Straßen auf Basis der AutomatFahrV durchführt [1].


Salzburg Research forscht seit über zehn Jahren am Thema Mobilität. Im Fokus stehen neue Informations- und Kommunikationstechnologien, die bei Orientierung, Routenwahl, intelligenter Verkehrssteuerung und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs unterstützen. Im Bereich öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) hat sich die Erschließung der sogenannten „letzten Meile“ (z. B. der Weg von einer Bahnstation zum Fahrtziel) immer wieder als kritischer Aspekt für die Kundenakzeptanz herausgestellt. Im Rahmen des Aktionsplans „Automatisiertes Fahren“ arbeitet die Salzburg Research Forschungsgesellschaft seit Dezember 2016 an der Sondierung einer österreichischen Testumgebung für den automatisierten öffentlichen Personennahverkehr in Salzburg, mit dem Schwerpunkt „letzte Meile“ [2].
Das Testfahrzeug stammt von der französischen Firma Navya. Es handelt sich dabei um das Modell „Arma“, das als intelligentes, elektrisch betriebenes Shuttle für bis zu 15 Personen konzipiert wurde. Der Minibus kann auf einer vorgegebenen Teststrecke in der Gemeinde Koppl (ca. 10 km von der Stadt Salzburg entfernt) im Mischverkehr automatisiert fahren. Für den Betrieb im öffentlichen Raum ist vorerst die Mitfahrt einer Kontrollperson, die das Fahrzeug gegebenenfalls stoppen kann, vorgesehen. Die rund 1,4 km lange Testfahrt findet zwischen der Bushaltestelle „Koppl Sperrbrücke“ auf der B 158 (Linie 150) und dem Ortszentrum von Koppl statt [2]. Ich bin mit der ersten Gruppe direkt an der Sperrbrücke gestartet. Nach den obligatorischen Fotos und Selfies durften sieben Personen zusteigen. Hinzu kamen zwei Kollegen von Salzburg Research. Für mehr Fahrgäste ist der Bus aktuell nicht zugelassen bzw. mehr Personen darf die Kontrollperson mit einem normalen B-Führerschein nicht transportieren. Mit 15 bis 20 km/h ging es den Berg hinauf in Richtung Ortszentrum, während wir uns die Technik und Steuerung des Digibusses erklären ließen. Der klimatisierte Minibus fährt bisher keineswegs voll autonom: Vor jedem Abbiegevorgang muss die Kontrollperson kurz am Bildschirm des eingebauten Windows-PCs bestätigen, dass die Straße frei ist – und nötigenfalls eingreifen, wenn sich daran etwas verändert. Falls notwendig kann die Kontrollperson die Steuerung auch komplett übernehmen, wenn bspw. an einer schlecht einsehbaren Stelle ein Hindernis (parkendes Auto o. ä.) umfahren werden muss. Dazu dient der Controller einer X-Box. An der Endhaltestelle wurde unsere Ankunft gleich gefilmt. Weiter ging es für die nächste Gruppe – einmal den Berg hinunter und dann wieder hinauf. Soweit der Plan. Hinunter ging es auch problemlos, doch an einem steileren Stück des Anstiegs reichten die 33 kWh offensichtlich nicht mehr aus, um den vollbesetzten Bus inklusive laufender Klimaanlage weiter zu befördern. Also stiegen einige Gäste aus und liefen ein Stück zu Fuß, bevor sie auf einem geraderen Wegstück wieder zusteigen konnten. Vermutlich blinken deswegen auf dem Video auch die Augen – äh Scheinwerfer – des Minibusses. Die dritte Gruppe wollte eigentlich die gleiche Runde drehen, damit wir auch nochmal begab fahren können – hier machte der Digibus am Fuß des Berges aber endgültig schlapp und so sammelten wir den Rest der Gruppe dann doch wieder ganz klassisch mit dem Reisebus ein, um unseren Rückweg anzutreten. Die Technik ist sicherlich noch nicht ausgereift, schließlich muss der Bus auch bei hohen Temperaturen, mit laufender Klimaanlage und bei voller Besetzung mit 15 Personen mehr als zwei Fahrten schaffen. Unter „Optimalbedingungen“ sollten es auch aktuell 10 Stunden sein. Aber genau deswegen gibt es ja den Testbetrieb. Nichtsdestotrotz eine interessante Erfahrung, den Bus im realen Straßenverkehr zu erleben und z. B. zu sehen (und zu spüren), wie er bremst, wenn ein überholender Pkw in seine Sicherheitszone einschert. Bisher hatte ich nur auf der Cebit in Halle 1 auf eine reinen Indoor-Teststrecke die Möglichkeit, einen solchen Bus zu testen. Wer aus der Nähe von Salzburg kommt und nun auch zusteigen möchte, hat das nächste Mal am Gemeindefest in Koppl am 16.07.17 von 13 bis 16 Uhr die Gelegenheit dazu. Viele Grüße,
Annika Fritzsch P.S.: Auch das Trinkwasser auf der AGIT kam übrigens aus Koppl:
Quellen: [1] http://agit.at/autonomesfahren2017 (abgerufen am 07.07.17, 08:47 Uhr) [2] https://www.salzburgresearch.at/digibus-testfahrt-selbstfahrender-minibus/ (abgerufen am 07.07.17, 08:47 Uhr)Weiterlesen


Live von der AGIT

Wie in jedem Jahr treffen sich Anfang Juli Interessierte der Geobranche zum "Klassentreffen" auf der AGIT in Salzburg. Von den spannenden Vorträgen, interessanten Gesprächen und dem Rahmenprogramm berichten wir wie immer live in unseren Social-Media-Kanälen: > Instagram > Facebook > Twitter Folgend Sie uns und erfahren Sie live, was auf der AGIT passiert. Aber auch ohne Social Media halten wir Sie mit einem Nachbericht hier im Blog selbstverständlich auf dem Laufenden. Viele Grüße,
Annika FritzschWeiterlesen


Von Sturmhauben, Veganern und dem Terrorkampf

Andreas Eicher
Andreas Eicher 27.06.2017

Menschen mit Sturmhauben auf dem Kopf im Supermarkt zwischen den Regalen. Vater, Mutter mit großen Masken, die Kinder tragen kleine Masken. Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen Familienüberfall beim Discounter oder Einzelhändler um die Ecke. Vielmehr geht es um die Verschleierung des eigenen Gesichts. Hintergrund des fiktiven und zugleich makabren Treibens sind die fortschreitenden Analysemethoden von Handelsunternehmen in ihren Verkaufsgeschäften. Denn die planen die Gesichtserkennung in ihren Märkten voranzutreiben. Als Reaktion auf den zunehmenden Onlinehandel möchten die Einzelhandelskonzerne dem Big-Data-Treiben im Internet in nichts nachstehen und rüsten auf. So sollen mithilfe analytischer Methoden die Interessen und das Kaufverhalten von Kunden bereits im Supermarkt in zielgerichtete Werbung münden. Spiegel Online schriebt hierzu: „Die Zeiten, in der Verbraucher ziellos und unbehelligt durch einen Supermarkt laufen können, sind vorbei.“ Und das Nachrichtenportal führt fort: „Wer gedankenlos auf einen Bildschirm mit Werbung blickt, bekommt in vielen Märkten bereits heute das zu sehen, was ihn – vermeintlich – interessiert. Kameras analysieren, wie lange jemand den Filmen zusieht und wer vor ihnen steht: Mann oder Frau, alt oder jung – das System wählt zielgruppengerechte Spots aus“ [1].

Krieg, Terror oder die Simpsons

Im Grunde setzen Einzelhandelskonzerne damit einen Trend fort, der seit Jahren in allen Bereichen des wirtschaftlichen, politischen und privaten Lebens Einzug hält. Es geht um die Vermessung des Menschen in allen Facetten, um Bewegungsprofile und letztlich darum zu erfahren, wer, wann, wo und vor allem warum ist. Die Gründe sind vielfältig und münden doch in einem: Dem Denken des anderen möglichst einen Schritt voraus zu sein und sein Kaufverhalten, seine Wünsche, bösen Absichten oder geplanten Taten vorauszusehen. So entsteht eine intransparente Gemengelage aus Marketingzielen, Verkaufsförderung, Gefahrenabwehr und Terrorbekämpfung. Leider in vielen Fällen ohne das Wissen des Untersuchten, der beobachteten Personen. Was im Zuge des Kampfes gegen organisierte Kriminalität und Terror oder im frühen Erkennen möglicher Naturkatastrophen, Unfallgefahren sowie dem Schutz bedrohter Tiere gerechtfertigt erscheint, ist es an anderer Stelle noch lange nicht. Denn ob jemand sich vegan ernährt oder jeden Tag Fleisch kauft, ist eine moralische Frage, die jeder für sich beantworten muss oder auch nicht. Gleiches zählt für den Gang zur Disco, wie lange jemand dort tanzt oder ob er lieber nachts vor dem Bildschirm sitzt und Florian Silbereisen, die Simpsons oder Talkshows schaut. Das ist Privatsphäre. Ein Wort, das übrigens viel im Zusammenhang mit dem Thema Datenschutz in den Medien herumgeistert. Und doch wird der Datenschutz zusehends ausgehöhlt.

Massendatenauswertung und eine harte politische Hand

Schauen wir nach Berlin. Dort hat das Bundesministerium des Inneren, kurz BMI, im Januar dieses Jahres den Startschuss für ZITiS gegeben. Dahinter verbirgt sich die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, deren Sitz in München ist. Auf den BMI-Seiten heißt es hierzu: „ZITiS ist Bestandteil der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland. Sie ist eine Forschungs- und Entwicklungsstelle und soll Expertise in technischen Fragestellungen mit Cyberbezug für die Sicherheitsbehörden des BMI abdecken.“ Die etwas unklare Formulierung löst sich zwei Absätze weiter auf. Denn die Aufgaben liegen unter anderem in den Bereichen „der digitalen Forensik“, „der Telekommunikationsüberwachung“, „der Kryptoanalyse (Dekryptierung)“ und der „Massendatenauswertung“, sprich Big Data. Das alles, um Kriminalität zu bekämpfen, Gefahren abzuwehren und Spionage vorzubeugen. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière: „Eine ganze Reihe von Ereignissen mit kriminellem, insbesondere aber terroristischem Hintergrund im Verlauf des Jahres 2016 haben unsere Sicherheitsbehörden auch vor technische Herausforderungen gestellt. Daher ist die Einrichtung einer Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern von großer Bedeutung“ [2]. Ideen, Gedanken, Daten sammeln – immer und überall (Bild: fotolia.com_wladimir1804) Klar ist, dass in Zeiten des Terrors alle möglichen Mittel und Wege gesucht werden, um Daten legal zu sammeln und auszuwerten. Und wo Verschlüsselung besteht, will man im Hause de Maizière diese brechen und nach Möglichkeit „Hintertüren“ einbauen. So positionierte sich der Minister im Rahmen der letzten „re:publica 2017“ nach WDR-Aussagen „klar gegen eine wirksame Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Es sei nicht hinnehmbar, Messenger-Nachrichten nicht so wie SMS auswerten zu können“ [3]. Außerdem ist Bundestagswahlkampf und eine harte politische Hand beim Thema der inneren Sicherheit liegt im Trend, wie die jüngsten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zeigten. Zwar wehren sich digitale Großkonzerne gegen die Forderungen des Mitlesens und -hörens durch staatliche Stellen. Aber im Grunde besteht eine gewisse Seelenverwandtschaft von Staat und Digitalunternehmen der Marke Google, Amazon & Co. Diese beruht auf dem Sammeln und Auswerten riesiger Datenmengen. Die einen tun es, um die Kontrolle über den Bürger und die Deutungshoheit digitaler Informationen – auch im internationalen Cyberkampf – zurückzubekommen. Die anderen, um den Kunden besser einzuordnen und sein Denken, seine Wege und sein Einkaufsverhalten frühzeitig zu analysieren und vorauszusehen. Vielleicht kommen Sturmhauben dann doch irgendwann in Mode. Sprich beim Einkauf der ganzen Familie: „Habt ihr eure Sturmhauben auf?“ fragen die Eltern vor dem Einkaufen ihre Kinder auf dem Rücksitz. „Ja“, antworten die wie selbstverständlich. Oder es kommt ganz anders und die Menschen sind froh, dass sie alles vor die Nase gesetzt bekommen – und sei es nur die angeblich personalisierteste Werbung. Wir werden es sehen und George Orwell dreht sich in der Zwischenzeit im Grabe um. Quellen: [1] www.spiegel.de/wirtschaft/gesichtserkennung-im-supermarkt-datensammler-ruesten-auf-a-1150335.html  [2] www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/01/zitis-vorstellung.html  [3] blog.wdr.de/digitalistan/politik-gesetze-und-filterblasen-notizen-von-tag-drei-der-republica-2017/ Weiterlesen


Vom BIM zum „BUM“?

Andreas Eicher
Andreas Eicher 30.05.2017

Das Marktforschungsinstitut „Research and Markets“ prognostiziert in einer Studie „Global Building Information Modeling Software Market 2016-2020“ das Wachstum des weltweiten BIM-Softwaremarkts um 17 Prozent bis 2020 [1]. Das klingt zunächst vielversprechend. Und doch muss bei genauerem Hinsehen eine Antwort lauten: „Setzen sechs“. Nicht was das Wachstum betrifft, sondern die Zusammenhänge. Denn BIM auf Software zu reduzieren, ist mehr als töricht. So schreibt das „Deutsche Architektenblatt“ bereits 2016: „BIM Methode, nicht Software“. Und der Beitrag folgert: „Building Information Modeling, was übersetzt etwa „Bauwerksdatenmodellierung“ bedeutet, ist keine Software. Darunter versteht man vielmehr jene Planungsmethoden und Prozesse, die für die Erstellung, Koordination und Übergabe konsistenter, für alle Beteiligten zugänglicher digitaler Gebäudedatenmodelle erforderlich sind“ [2]. Doch so einfach ist es nicht mit der Definition und dem Verständnis von BIM. Denn die drei Buchstaben und deren Inhalte sind alles andere als klar, sprich definiert. Bereits der „BIM-Anwendertag“ im Jahr 2015 brachte es auf den Punkt: „Dabei ist es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind und dabei voneinander profitieren können. Die einen machen einfach „BIM“ oder „BIM“-Management, die anderen forschen daran und befassen sich damit, wie das eigentlich in die aktuelle Planungslandschaft einzubetten ist. Es gibt noch nicht sehr viele Definitionen von Leistungsbildern oder Abläufen. Auf jeden Fall hat noch keiner die Wahrheit gefunden, aber alle arbeiten zusammen an einer deren Findung“ [3]. Oliver Bürkler, Senior Produkt Manager bei Faro, sieht in diesem Kontext BIM als einen ganzheitlichen Prozess im Bauumfeld und wichtigen Faktor: „Dabei geht es um eine neue Methode und weniger darum, ein Stück Software zu verkaufen.“ Und diesen Prozess müssen Unternehmen leben, wollen sie mit BIM erfolgreich Projekte durchführen. Um das Thema BIM zu „ordnen“, schaltet sich die Politik verstärkt in den Gesamtprozess ein. In einem selbst auferlegten „Stufenplan zur Einführung von Building Information Modeling (BIM)“ möchte das BMVI die digitalen Plan- und Bauvorhaben umsetzen. Das erklärte Ziel heißt, BIM ab 2020 bei neu zu planenden Projekten regelmäßig anzuwenden [4]. Das ist löblich, zeigt aber, dass das Thema hierzulande noch nicht flächendeckend und vor allem bindend zum Einsatz kommt. Gründe waren bis dato unter anderem fehlende Regularien in Bezug auf BIM-Verträge und -Richtlinien sowie der mangelnden Rechtssicherheit in puncto möglicher Preisgestaltungen. Und das sehen Kritiker als Risiko – eben eines Scheiterns des theoretischen Themas BIM in der Praxis.

Von Regularien und Standards beim Bauen 4.0

Um das zu verhindern, arbeiten Politik, Verbände und Unternehmen seit geraumer Zeit an verbindlichen Regularien, Richtlinien und Standards. Einen umfassenden Überblick bietet beispielsweise der BIM-Leitfaden, der als Forschungsprogramm des ehemaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) – dem heutigen BMVI – von 2012 bis 2013 entstanden ist. Federführend bei diesem Forschungsprojekt war die Arbeitsgemeinschaft Obermeyer Planen + Beraten GmbH und AEC3 Deutschland GmbH. Mit Obermeyer und AEC3 waren damit zwei Unternehmen in den Forschungsaustrag eingebunden, die sich seit langer Zeit mit der Entwicklung neutraler Standards sowie der Projektarbeit und Beratung von BIM und den Methoden beschäftigen. Der Leitfaden ist „eine erste Annäherung an das Thema BIM und die damit verbundenen Anforderungen, die bei der Einführung dieser neuen Arbeitsmethode in ein Unternehmen oder bei der Anwendung in einem Projekt beachtet werden müssen“ [5]. Im Umkehrschluss zeigt sich, dass es noch vieles zu tun gibt in Sachen Gesetzen, Standards und Richtlinien beim Thema BIM. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, zeigt sich indes zuversichtlich: „Mit BIM lassen sich Dauer, Kosten und Risiken großer Bauprojekte in erheblichem Umfang reduzieren. Unser Ziel ist es, Innovationsführer beim digitalen Bauen zu werden. In Zukunft soll in Deutschland der klare Grundsatz gelten: Erst digital, dann real bauen.“ Und das heißt: BIM fest zu verankern mithilfe eines Masterplans „Bauen 4.0“ [6]. Die hoch gesteckten Ziele aus dem Ministerium Dobrindts sind indes noch im Konjunktiv zu sehen, denn neben einem bis dato fehlenden BIM-Gesamtstandard hat „der öffentliche Auftraggeber in Deutschland bislang kaum Erfahrungen mit der BIM-Methode“ [7].

Einheitliches Verständnis sowie Aus- und Weiterbildung

Um das Thema BIM voranzutreiben, ist das Wissen um die Methode, der Prozesse und vor allem ein einheitliches Verständnis erforderlich. Bereits bei der Definition von BIM unterscheiden sich die Geister. Für die einen bedeutet BIM einen Ordner auf dem Laufwerk oder sie sehen darin überwiegend Software. Für die anderen ist BIM eine fundamentale Prozess- und Methodenänderung im kompletten Lebenszyklus des Bauprojekts. Zwischen diesen Extremen existieren viele Wahrheiten, Auffassungen und Erklärungsversuche. Dass dies für das Gesamtverständnis von BIM hinderlich ist, liegt auf der Hand. In diesem Zuge könnten verstärkte Aus- und Weiterbildungsgänge das Wissen zum Thema BIM fördern. Allerdings ist Deutschland von einer einheitlichen und flächendeckenden Lehre noch weit entfernt. Kurzum: Es mangelt an Wissen im Umgang mit BIM. Und diese Wissenslücke wird sicher weiter verstärken, wenn es keine tief greifenden Änderungen bei der Etablierung neuer Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. Denn BIM wird gesetzlich zur Pflicht und damit entsteht ein zunehmender Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern.
Eines der wichtigsten Themen: Die Aus- und Weiterbildung im BIM-Bereich (Bild: fotolia.com_Trueffelpix)
Diesen Bedarf erkennen die Universitäten und bieten mittlerweile BIM-Seminare, Kurse und Lehrveranstaltungen an. Neben der Bauhaus-Universität Weimar mit der Ausbildung „Building Information Modeling (Kommunikationssysteme)“, dem interdisziplinären BIM-Kurs an der Technischen Universität München oder der Technischen Universität Kaiserslautern mit ihrer Einführung zum Thema BIM. Und auch die Universität Leipzig bot im vergangenen Jahr einen zweitägigen Workshop zu BIM an. Auf den Punkt gebracht ist das bisher zu wenig. Denn trotz zaghafter Fortschritte darf nicht übersehen werden, dass fundierte Aus- und Weiterbildungen bis dato eher selten sind. So beschränken sich die Fortbildungswege meist auf Initiativen privater Organisationen (teils in Kooperation mit Universitäten). Die TÜV Süd Akademie bietet beispielsweise eine Aus- und Weiterbildung zum „BIM Basis Anwender“ und „BIM Professional“ unter „Berücksichtigung der 5 BIM Faktoren: Menschen, Prozesse, Rahmenbedingungen, Technologien und Daten“ an [8]. Beim Unternehmen Hochtief ViCon wurde ein Schulungs- und Zertifizierungssystem entwickelt. Im Rahmen des modular aufgebauten Schulungssystems werden die „Nutzung der BIM-Anwendungen“ vermittelt und wie „mithilfe dieser Werkzeuge Prozesse effizienter gestaltet werden können“ [9]. Und auch „Mensch und Maschine“ (MuM) engagiert sich im BIM-Ausbildungsbereich. Das Unternehmen offeriert eine dreistufige Ausbildung (BIM Ready-Kurse) zum „BIM-Konstrukteur“ sowie „BIM-Koordinator“ und BIM-Manager“. Inhaltlich unterstützen die Kurse von MuM die „openBIM Standards“ der „buildingSMART International“. Die aufgezeigten Aus- und Weiterbildungswege können aktuell nur als Anfang gesehen werden. Ein wichtiger Punkt, den schon die Mancher des BIM-Leitfadens anmerkten: „Dringender Handlungsbedarf besteht in der Aus- und Weiterbildung, die an Hochschulen, Weiterbildungsinstitutionen und Fachakademien auf der Basis eines abgestimmten Grundkonzepts umgesetzt werden müsste. Der Fokus darf dabei nicht allein auf der Softwareschulung liegen, sondern die Zusammenhänge der BIM-Methode müssen ebenfalls vermittelt werden“ [10]. Es bleibt zu hoffen, BIM von der Theorie in die Praxis zu führen. Und vor allem, um die Sicht über den Tellerrand der reinen Software zu fördern. Andernfalls droht bei BIM das „BUM“ und die Beteiligten wachen mit einem großen Knall auf.

Quellen:

[1] http://www.researchandmarkets.com/research/5zdjnr/global_building [2] http://dabonline.de/2016/06/01/bim-methode-nicht-software/ [3] http://cc-bim.de/interview-der-bim-anwendertag-in-muenchen/ [4] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/digitales-bauen.html [5 ] http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZB/Auftragsforschung/3Rahmenbedingungen/2013/BIMLeitfaden/Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2 [6]https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2017/009-dobrindt-bim-gipfel.html?nn=214506 [7] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/bim-leitfaden-deu.pdf?__blob=publicationFile [8] https://www.tuev-sued.de/akademie-de/seminare-technik/gebaeudetechnik-1/bim#tab_1464791179523822650735 [9] http://www.hochtief-vicon.de/vicon/BIM-Beratung/BIM-Training-5.jhtml [10] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/bim-leitfaden-deu.pdf?__blob=publicationFile    Weiterlesen


Smart City: intelligent im Superlativ

Andreas Eicher
Andreas Eicher 10.04.2017

Was haben Konstanz, Ludwigsburg und Heidelberg gemeinsam? Richtig, es sind drei Städte in Baden-Württemberg, die touristisch viel zu bieten haben. Sei es der Bodensee für Konstanz, das Ludwigsburger Residenzschloss oder die Altstadt von Heidelberg. Zudem sind alle drei Städte zwischen Bodensee, Stuttgart und Rhein-Neckar beliebte Hochschul- und Universitätsstädte mit renommierten Forschungseinrichtungen. Und auch wirtschaftlich gehören alle drei Städte in ihren jeweiligen Regionen zu den Gewinnern im deutschlandweiten Vergleich. „Viel Freund, viel Ehr“ könnte man bei all den positiven Attributen sagen, zumal auch die Lebensqualität und der -standard in allen drei Regionen hoch sind. Als wäre das alles nicht genug, haben sich Konstanz, Ludwigsburg und Heidelberg um den Status einer Smart-City-Hauptstadt beworben.Weiterlesen


Cebit 2017: Digitalisierung soweit das Auge (oder die Verbindung?) reicht ...

... so könnte ich meinen Tag auf der Cebit zusammenfassen. Los ging es morgens in Frankfurt mit dem ICE, der nun neuerdings auch kostenloses WLAN in der 2. Klasse anbietet. Hierfür „Zapft“ die Bahn alle verfügbaren Mobilfunknetze unabhängig vom Anbieter an. Soweit so gut. Mein subjektiver Eindruck aber ist, dass das WLAN (weil überlastet?) deutlich langsamer ist, als mein Smartphone im normalen Datennetz. Noch dazu hilft auch die Kombination verschiedener Datennetze nicht, wenn man auf der Strecke zwischen Kassel und Hannover unzählige Tunnel durchfahren muss. Kaum auf der Messe angekommen, versorgte mich mein Handy inkl. dazugehöriger Cebit-App sofort mit verschiedenen Veranstaltungstipps und zuvor gespeicherten Vorträgen. Los ging es für mich mit einem Vortrag zum Thema Indoor-Navigation in einem Raum – wie passend –, den es erst einmal zu finden galt. Robert Libert vom Start-up-Unternehmen Naise stellte die verschiedenen Techniken der Indoor-Navigation sowie die Lösung seiner Firma vor. Naise macht mithilfe von entsprechenden Accesspoints das GPS-Signal in Gebäuden verfügbar. So soll eine nahtlose Navigation zwischen outdoor und indoor ermöglicht werden. Nach diesem informativen Auftakt ging es für mich in Halle 7 weiter. Hier gab es in den vergangenen beiden Jahren den „Gemeinschaftsstand Geoinformation“ – den man in diesem Jahr vergeblich suchte. Stattdessen hatten sich aus der Branche bekannte Unternehmen wie Disy und Cyclomedia am Gemeinschaftsstand „Digital Government“ eingefunden. Aber nicht nur dort waren Geoinformationen auf der Cebit zu finden: Halle 7 war sozusagen eine Halle voll von Geodaten. Im Smart-City-Forum stellten Heidelberg Mobil und Heigit ihre Geo-Lösungen vor und verschiedene Städte präsentierten ihre Projekte auf dem Weg zur Smart City. Auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigte auf einem großen Stand alles rund um Infrastruktur und Mobilität. Ein autonom-fahrender Audi und eine Demonstration des „digitalen Testfeld Autobahn“ auf einem Multitouch-Tisch zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Aber nicht nur in Halle 7 war das Thema Autonomes Fahren präsent: In Halle 11 zeigte die Deutsche Bahn ihren autonomen Mini-Bus, ... ... in Halle 2 konnte der intelligente, fahrerlose Elektrobus Olli von IBM bestaunt werden und in Halle 13 konnte ich sogar eine Runde im autonomen Bus der Schweizer Post drehen. Letzterer allerdings ist mit elf Sitzplätzen und optionalen vier Stehplätzen schon ganz schön „kuschelig“ – selbst wenn man vorher keine Currywurst gegessen hätte ;-) Vom autonomen Fahren auf der Straße ging es in Halle 17 in die Luft: Mittelpunkt der Halle war eine große Flugzone, in der Copter-Piloten ihre Fähigkeiten im FPV-Racing-Event (First Person View) des Deutschen Modellflieger Verbandes (DMFV) beweisen konnten. Rundherum tummelten sich allerhand Aussteller rund um „Unmanned Systems & Solutions“, Virtual und Augmented Reality und 3D-Druck. Mit dabei war auch Spectair, die ihre Lösungen und Produkte vorstellten. Um die Fotobox habe ich mich nach dem langen Messetag aber gedrückt ;-) Viele Eindrücke, die es in diesem Jahr zu sammeln gab – und noch viel mehr, die ich hätte sammeln können, wenn die Bahn mich nicht wieder hätte nach Hause bringen müssen und der Handy-Akku mangels Lademöglichkeit auf der Messe zur Neige gegangen wäre. In Halle 4 beispielsweise soll ein smartes Wohn-Modellprojekt entstehen, das auf der Messe virtuell erlebbar war. Ebenfalls in Halle 2 stellte Hexagon Geospatial gemeinsam mit Huawei verschiedene Geo-Lösungen vor. Nächstes Mal, muss ich also wohl auch diese Halle noch mit in meinen Fokus aufnehmen :-) Dieses Mal haben die Besucher der Cebit besonders viel Zeit ihre Eindrücke zu verarbeiten: Die nächste Cebit findet erstmalig im (Früh-)Sommer vom 11. bis 15. Juni 2018 in Hannover statt.Weiterlesen


Erneuerbare Energien: Wege, Ziele, Geodaten

Andreas Eicher
Andreas Eicher 02.03.2017

„Step back in time to Old Holland“, so ein Slogan der Stadt Amsterdam. Dieses alte Holland konnten Bewohner und Besucher Mitte Januar 2017 hautnah erleben. Ein Stromausfall sorgte für mittelalterliche Stimmung in Amsterdam. Für Romantiker und Entschleuniger bei Kerzenlicht eine willkommene Abwechslung. Für die Wirtschaft und das öffentliche Leben ein Worst-Case-Szenario. Infolge des Blackouts in der Stromversorgung fielen Züge und Straßenbahnen aus. Und auch in Frankreich wackelt die Stromversorgung. Die frostigen Temperaturen der letzten Wochen sowie Wartungsarbeiten in einigen Kernkraftwerken sorgen für Engpässe. Ein Blick auf den deutschen Strommarkt zeigt, dass eine Stromunterbrechung kein abwegiges Thema darstellt. „Bei Stromausfall bricht in der Stadt das Chaos aus“, titelte der Tagesspiegel bereits 2014 [1]. Gemeint war die Hauptstadt Berlin. Ganz zu schweigen von Osteuropa, wo aufgrund von Krieg kurzerhand der Strom abgestellt wird, Länder nicht versorgt werden oder der gesamte Strommarkt samt Infrastruktur mehr als wackelig ist. Ein Grundproblem zeigt sich unter anderem in der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Laut Statistischem Bundesamt „basierte die Energieversorgung in Europa sehr stark auf den fossilen Brennstoffen Kohle, Erdöl und Erdgas.“ Und weiter heißt es: „In den letzten 40 Jahren wurden sie von der Kernenergie als nicht-fossilem Brennstoff ergänzt. Angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen gewinnen die erneuerbaren Energieträger wie Wasser, Wind und Biomasse zunehmend an Bedeutung“ [2]. Ein Papier zum Thema „Erneuerbare Energien in Zahlen“, herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), sieht den Bereich der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung weiter auf dem Vormarsch. „Gut 187 Milliarden Kilowattstunden Strom (2014: 161 Milliarden Kilowattstunden) wurden im Jahr 2015 aus erneuerbaren Energien erzeugt. Damit konnten die Erneuerbaren ihren ersten Rang im Strombereich vor der Braunkohle deutlich ausbauen und erreichten einen Anteil von 31,6 Prozent am Bruttostromverbrauch (2014: 27,3 Prozent)“, so das BMWi [3]. Das Fraunhofer ISE hat „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ zusammengestellt. „In Summe produzierten die Erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser und Biomasse im Jahr 2016 ca. 186 TWh. Sie liegen damit ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres“ [4]. Das klingt erfreulich, gerade vor dem Hintergrund, dass der Ausbau des erneuerbaren Energiesektors eine zentrale Säule der Energiewende für das BMWi bedeutet. Mithilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verfolgt das Ministerium den Umbau der Energieversorgung, um „den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2050 auf mindestens 80 Prozent zu steigern“ [5]. Damit sollen vor allem der Klima- und Umweltschutz gestärkt sowie die volkswirtschaftlichen Kosten einer zukünftigen Energieversorgung reduziert werden. Ein wichtiger Moment in diesem Kontext spielt die technologische Entwicklung, um den Bereich der erneuerbaren Energien zielführend und zukunftssicher voranzutreiben – auch und gerade mithilfe von Geoinformationen.

Neue Regelungen und Hemmnisse

Und doch sind Zweifel angebracht am zukünftigen Weg hin zu einer Gesamtstrategie im Energiesektor. Zwar setzt die Europäische Union (EU) darauf, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch in der EU bis 2030 auf mindestens 27 Prozent zu erhöhen [6], doch trübt das Ende 2016 veröffentlichte Energiepaket der EU den eingeschlagenen Weg. Dieses „Energiepaket“ sieht unter anderem zukünftig stärkere Regeln bei der Einspeisung für erneuerbare Energien vor. Laut Nachrichtenportal „euronews“ sollen „erneuerbare Energien keinen bevorzugten Zugang zu den Netzen bekommen“ [7]. Der Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE) schreibt hierzu: „So sollen nach dem Willen der EU-Kommission Erneuerbare Energien nicht mehr in vollem Umfang bevorzugt einspeisen dürfen, sondern nur Anlagen mit einer Leistung unter 250 kW, wenn gleichzeitig Ökostrom einen Anteil von 15 Prozent an der Stromerzeugung erreicht hat“. Rainer Hinrichs-Rahlwes, Europaexperte im BEE-Vorstand:„Durch die jetzigen Rahmenbedingungen für Fördersysteme fehlen Investoren Investitions- und Rechtssicherheit“. Und er ergänzt: „Das verlangsamt die Energiewende, konterkariert die Klimaschutzziele und verunsichert Investoren“ [8]. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass das offizielle Sprachrohr pro erneuerbare Energien die geplanten Einschränkungen kritisch sieht. Gegenwind kommt auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Diese kritisiert die Vorschläge aus Brüssel, da „sich die Klimabeschlüsse von Paris darin nicht widerspiegeln und erneuerbare Energien ausgebremst werden“. Für die DUH stelle der Wegfall des Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien die Gefahr dar, dass „Strom aus klimaschädlicher Erzeugung den erneuerbaren Strom im Netz verdrängt und mehr Treibhausgase ausgestoßen werden“ [9]. Kritik kam Anfang des Jahres auch von der Süddeutschen Zeitung (SZ). Diese schrieb mit Bezug auf den Rechnungshof: „Die Bundesregierung macht schwere Fehler in der Energiepolitik. Das geht aus einem Bericht des Bundesrechnungshofs hervor, über den die FAZ berichtet. In dem noch unveröffentlichten Dokument, das dem Haushaltsausschuss des Bundestags vorgelegt werden soll, ist die Rede von schwerwiegenden Mängeln bei der Kontrolle der Energiewende“ [10]. Im Grunde werden damit Vorhaben zur Förderung erneuerbarer Energien ad absurdum geführt. Wenn die politisch Verantwortlichen nicht willens sind, verbindliche und vor allem investorenfreundliche Regelungen zu treffen, kommen Initiativen im erneuerbaren Energieumfeld nicht vom Fleck.
Energiewende heißt auch, viele Faktoren zu berücksichtigen (Bild: fotolia.com_K.C.)

Von Technologien, Big-Data und der Wissenschaft

Die Energiewende zu gestalten heißt auch, auf neue Technologien zu setzen. Nicht im Sinne „smarter“ Marketingbegriffe, deren Inhalte und Bedeutungen sich dem Betrachter kaum erschließen. Vor allem deshalb, weil die intelligenten Energielösungen zunächst die Verkaufsstrategien der Unternehmen beflügeln und nicht in erster Linie Aufklärungsarbeit leisten. Etwas realistischer sah das Ganze Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel bereits im Jahr 2014: „Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland ist ein Jahrhundertprojekt, das wir zum Erfolg führen wollen. (…) Das Technologieprogramm E-Energy leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. So kann etwa der Netzbetrieb durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wesentlich effizienter werden“ [11]. In diesem Technologiemix können Geoinformationen einen entscheidenden Mehrwert bieten. Darauf verweist unter anderem der Verband der Geoinformationswirtschaft Berlin Brandenburg e. V.: „Geoinformationstechnologien spielen für viele Entscheidungsfindungen und Prozessoptimierungen eine zentrale Rolle“, unter anderem „bei der Auswahl von Standorten für erneuerbare Energien“ [12]. Beispielsweise setzt das Unternehmen Esri mit GIS-Technologien auf eine schnellere Energiewende. Hierzu hießt es aus dem Unternehmen: „Schon heute dient Esri Technologie den Energieerzeugern, Projektierern und Anlagenherstellern bei der Identifizierung neuer Standorte, bei der Planung neuer Transporttrassen und der Netzanbindungsanalyse“. Konkret verknüpft Esri damit Apps und „Fachschalen zur Zeichnung und Konstruktion von Windkraftanlagen“ [13]. Und auch im Bereich der erneuerbaren Energien spielt Big Data eine wichtige Rolle. Die Deutsche Welle (DW) berichtete in einem Beitrag zu „Windkraft: Mehr Effizienz durch Big Data“ vom Oktober 2016 davon, dass „immer mehr Firmen und Forschungseinrichtungen im Bereich der erneuerbaren Energien (…) auf Big Data“ setzen. Und weiter heißt es: „Sie sammeln riesige Datenmengen, filtern sie und werten sie aus, um den optimalen Nutzen daraus ziehen zu können. Das Potenzial dieser Daten insbesondere im Bereich der Windstromerzeugung ist immens“ [14]. Den Betreiberfirmen sei es mithilfe der Daten möglich, wichtige Informationen über den Zustand der Anlagen zu erhalten sowie Vorhersagen für eine effizientere Nutzung der Turbinen zu treffen. In eine ähnliche Richtung denken auch die Wissenschaftler am Lehrstuhl für Geoinformations-Engineering der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Der Lehrstuhl forscht an der Entwicklung von Algorithmen und Berechnungsverfahren, „um das technische und ökonomische Potenzial der Wind- und Sonnenenergie in der Schweiz zu bestimmen“. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Programms, das dem Anwender unter anderem die Bestimmung geeigneter Standorte für Wind- und Solaranlagen in der Schweiz ermöglicht [15]. Die Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) hat im Rahmen eines Projekts im Studiengang „Vermessung und Geoinformatik“ ein Geoinformationssystem zum Thema erneuerbare Energiequellen aufgebaut. Das sogenannte „GreenEnergyGIS“ „informiert Benutzer über den aktuellen Stand vorhandener Anlagen in Deutschland“ – von Windkraftanlagen über Wasserkraftwerke bis zu Biogasanlagen und Solarkraftwerke. Die Daten werden in einer Karte dargestellt. Als Datengrundlage der GIS-Anwendung dient OpenStreetMap [16]. Solche Vorhaben unterstützten den erneuerbaren Energiesektor. Sie sind ein wichtiges Bindeglied, um mithilfe der Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen und Prozessen im Big-Data-Umfeld zu gelangen. Wichtig bei all dem ist es aber, diese Daten sinnstiftend zu verknüpfen und auszuwerten. Im Sinne neuer Wege und Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Zeit drängt. Bezeichnet in diesem Zusammenhang: Graeme Maxton, Generalsekretär des Club of Rome, forderte im Rahmen des 5. Stuttgarter Forum für Entwicklung im Oktober 2016 in Stuttgart eine stärkere Zusammenarbeit aller Akteure – von der Zivilgesellschaft über Nationalstaaten bis zur Wirtschaft. Für G. Maxton sei eine Umkehr unumgänglich und machbar. Denn es sei keine Frage der Technologie oder der Finanzen. „Wir haben alles“, so G. Maxton. Es sei einzig eine Frage der Organisation. Also ein Aufruf zum Handeln. Sonst droht nicht nur „Old Holland“, sondern das alte Europa mit Kerzenschein im Dauermodus. » Mehr zum Thema erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der gis.Business.
Quellen: [1] http://www.tagesspiegel.de/berlin/katastrophenschutz-in-berlin-bei-stromausfall-bricht-in-der-stadt-das-chaos-aus/9444242.html [2] https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Internationales/FaltblattErneuerbareEnergien0040003119001.pdf?__blob=publicationFile [3] http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/E/erneuerbare-energien-in-zahlen,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf [4] https://www.ise.fraunhofer.de/de/daten-zu-erneuerbaren-energien/daten-zu-erneuerbaren-energien#title-35c311fe59f68fd093cdfb5b33123914 [5] http://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Dossier/eeg.html [6] http://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de [7] http://de.euronews.com/2016/11/29/heftige-kritik-am-eu-energiepaket [8] http://www.bee-ev.de/home/presse/mitteilungen/detailansicht/verpasste-chance-eu-kommission-verlangsamt-europaeische-energiewende/ [9] http://www.presseportal.de/pm/22521/3496685 [10] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erneuerbare-energien-rechnungshof-regierung-macht-teure-fehler-bei-der-energiewende-1.3329829 [11] http://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2014/2014-05-07-gabriel-informations-und-kommunikationstechnologien-sind-ein-wichtiger-baustein-der-energiewende.html [12] http://www.geokomm.de/zahlen-und-fakten.html [13] https://www.esri.de/branchen/ver-und-entsorgung/erneuerbare-energien [14] http://www.dw.com/de/windkraft-mehr-effizienz-durch-big-data/a-36211691 [15] http://www.gis.ethz.ch/forschung/gis-fuer-erneuerbare-energien.html [16] https://www.hft-stuttgart.de/Studienbereiche/Vermessung/Bachelor-Vermessung-Geoinformatik/Projekte/greenenergygis/index.html/deWeiterlesen


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