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Geodäsie – Mehr als nur Vermessung…

Der Umgang mit raumbezogenen Daten ist aus dem modernen Alltag kaum noch wegzudenken. Wie selbstverständlich werden Kartendienste oder Luftbilder bei der Planung von Ausflügen mit einbezogen. Unterbringungsmöglichkeiten, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten werden nicht einfach nur als Symbol in der Karte präsentiert, sondern interagieren mit dem Anwender. Das Repertoire reicht von Rezensionen und Kundenbewertungen, einfachen Fotos vom Objekt und dessen Umgebung, und mündet in virtuellen Rundgängen. Die Koordinate zur Georeferenzierung des Punktortes ist die Basisinformation für solche Applikationen und unzertrennlich mit dem Vermessungswesen bzw. der Geodäsie verknüpft. Doch auch wenn geodätische Produkte den Sprung aus der Nische in unseren Alltag vollzogen haben – was ist eigentlich Geodäsie? 

 

Prof. Schmidt (rechts) weist den Nachwuchs in die trigonometrische Höhenbestimmung mittels Tachymetrie ein, um die wahre Größe der Banken zu ermitteln (Foto: Lösler)

 

Die klassische Geodäsie zählt zu den sogenannten MINT-Fächern, die die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik im beruflichen Alltag miteinander verknüpft und, nach Friedrich Robert Helmert, als Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche verstanden wird. Sie „hilft den Menschen seit Jahrhunderten, sich zu orientieren, die Erdoberfläche zu kartieren und einzuteilen“, fasst Prof. Robert Seuß vom Labor für Geoinformation der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS) eine der Kernaufgaben der Geodäsie zusammen, und Prof. Cornelia Eschelbach vom Labor für Industrielle Messtechnik (FRA-UAS) ergänzt ausblickend, dass „Innovative Entwicklungen im Umgang mit raumbezogenen Daten ein breites Anwendungsfeld für geodätische Ingenieurinnen und Ingenieuren ermöglichen“. Auch wenn die Integration dieser innovativen, raumbezogenen Produkte in den Alltag als gelungen bezeichnet werden darf, ist die Geodäsie nicht im gleichen Maße als Urheber mit ins Bewusstsein der Anwender gerückt. Um die öffentliche Wahrnehmung der Geodäsie zu verstärken, hat die Deutsche Geodätische Kommission (DGK) den Tag der Geodäsie initiiert.

 

Demonstration einer 3D-Aufnahme mittels Laserscanning vom Gutenberg-Denkmal auf dem Roßmarkt in Frankfurt durch Ingenieure von Steuernagel (Foto: Šaravanja)

 

Am 4. Juni 2016 fanden in verschiedenen Bundesländern Informationsveranstaltungen rund um den Arbeitsplatz Erde statt. Interessierte konnten sich über die zahlreichen Facetten dieses Ingenieurberufs informieren, welcher, so Lothar Hecker vom Stadtvermessungsamt Frankfurt, „mit der Liegenschafts- und Ingenieurvermessung, der Verantwortung für eine Geodateninfrastruktur, der Immobilienbewertung und Bodenordnung die ingenieur- und geoinformationstechnischen sowie wirtschaftlichen und rechtlichen Themen in idealer Weise verbindet“. Unter der Leitung von Nicole Šaravanja und Jens Eckhardt der Bezirksgruppe Frankfurt schaffte es u. a. der DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e.V. in Hessen, die Brücke zwischen der Wissenschaft (FRA-UAS), der öffentlichen Verwaltung (Stadtvermessungsamt) und der Privatwirtschaft (Steuernagel Ingenieure) zu schlagen und für diese Veranstaltung kompetente Ansprechpartner zu gewinnen. Passanten nutzen auf dem Frankfurter Roßmarkt die zahlreichen Möglichkeiten zum Informationsaustausch, zum Kennenlernen und Ausprobieren von modernen Messinstrumenten und nicht zuletzt zum Erkenntnisgewinn: Geodäsie – mehr als nur Vermessung.

 

Jens Eckhardt (links) beim Überprüfen der Koordinaten eines GNSS-Handempfängers (Foto: Lösler)

1820 - Geodäsie – Mehr als nur Vermessung…

Kommentare


Mathias Kaden
08.06.2016 13:10
Prima! Solche Veranstaltungen sind eine gute Möglichkeit die Vielfalt und die Entwicklungsmöglichkeiten des Berufs des Geodäten der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Weiter so!

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